Blütezeit Kapitel 22 – Ein alter Mann

Yoru, Sui, Ryori, Lilith, Yuriuko, Aelyn, Jonathan, Akio, Illya, Fray und Fozra. Die elf Freunde sind gemeinsam unterwegs und laufen den Trampelpfad zurück nach Marya entlang. Rechts von ihnen sehen sie einige Kühe, die beisammen sind und vom hochgewachsenen Gras essen. „Eine Kuh!“ ruft Lilith und zeigt auf das breitgebaute Wesen. „Die schmeckt doch lecker, nicht wahr?“ Da nickt Sui. „Wenn sie richtig zubereitet wird, dann ja.“ „Und wie bereitet man die richtig zu?“ fragt das Kind, woraufhin erklärt wird: „Sie muss gebraten werden. Nach Belieben werden auch einige Gewürze dazugegeben.“ „Also Feuer und Gewürze? Aber Gewürze sind nur optional?“ „Korrekt.“ „Super! Das kann ich!“ Sie rennt los. Direkt auf die Kühe zu, welche sich von ihr abwenden. „Stopp!“ Ihre arme dabei ausgestreckt. Plötzlich verschießt sie Flammen, die die Kühe noch mehr erschrecken. Sie wollen davonlaufen, doch die Flammen sammeln sich um sie herum und verhindern das fliehen. „Jetzt hab ich euch!“ Sie lacht, zückt ihre Klinge und schwingt diese mehrere Male. Die unschuldigen Tiere verlieren dabei mit jedem Schlag mehr Gliedmaße, bis nur noch ein zerstückelter, glühender, verkohlter Haufen am Boden liegt. Die Flammen legen sich und sie will sich eines der Stücke nehmen, da ruft Yoru: „Stopp! Iss das nicht!“ Verwundert dreht sie sich zu ihm um. Sowohl am Körper, als auch im Gesicht Blutflecken. Der Kopf leicht schräg. „Wieso denn?“ „Das kannst du so nicht essen!“ „Aber warum?“

Sie versteht die Situation nicht. Da überlegt er sich schnell, wie er es ihr erklären kann. „Für gewöhnlich isst man nur bestimmte Teile von einem Tier… Und das muss sorgfältig zubereitet werden. Und das hier,“ sein Blick dem Schlachthaufen gewidmet, „das ist giftig. Oder zumindest stark verkohlt und ich bezweifle sehr, dass man das einfach so essen kann.“ „Aber ich kann alles essen.“ „A-Alles?“ „Ich hab von meiner Schwester immer gesagt bekommen, dass mein Körper alles aushält. Selbst giftiges Essen.“ „Das mag sein. Dennoch schaut es nicht gut aus, wenn wir.. lebendige Tiere verbrennst und tötest, um sie zu essen.“ „Aber machen das die Menschen und die Elfen nicht auch? Und die Feen?“ „Ja, aber da ist es nochmal etwas anders. Merk dir für die Zukunft bitte einfach, dass sowas nicht gut ist. Okay?“ Sie nickt. „Versprochen! Und tut mir leid!“ „N-Nein, alles gut. Du brauchst dich nicht entschuldigen. Du konntest nicht wissen, dass sowas schlecht ist. Solange du dir mühe gibst und aufpasst, dass sowas nicht nochmal passiert, ist alles gut.“ Grinsend nickt sie ein zweites Mal und läuft mit ihm gemeinsam zu den anderen zurück. „Und was machen wir jetzt mit den zerstückelten, töten Kühen?“ fragt Fray Fozra leise, die da meint: „Irgendein wildes Tier wird sich sicherlich darüber freuen. Gehen wir lieber weiter, bevor uns noch jemand sieht.“

Und das machen sie auch. Ihre Reise geht weiter, in den Wald hinein, wo die Bäume sie überdachen. Irgendwo zirpen die Grillen und ein Frosch quakt. Das viele Laufen, so nervig es vor vielen Tagen noch schien, ist mittlerweile ziemlich schön. Es ist gut für den Körper und zudem werden sie mit schönen Anblicken von tollen Orten belohnt. Da informiert sie Akio: „Dort hinten ist es. Da sieht man schon die Mauern. Wir sind fast da!“ Keine zwei Minuten später kommen sie an der Stadtmauer an. Nun müssen sie diese nur noch entlanglaufen, bis sie an einem der Eingänge ankommen. Und auch das dauert keine Minute. Durch das Tor durch und in die Stadt hinein. Links und rechts von ihnen schöne Blumenfelder. Diese sind nicht besonders groß. Sie gehen den Trampelpfad entlang, bis sie auf den Straßen ankommen, wo Schubkarren geschoben werden und die Menschen noch aktiver zu sein scheinen, als die Tage zuvor. Eine kleine Gruppe an Männern befindet sich in einer Ecke, wo sie Holz kleinhacken. Neben ihnen befindet sich ein recht großer Stapel. Wie lange sie wohl schon arbeiten? Und wie viel verdienen sie? Ist es genug, um sich ein gemütliches Haus in der Stadt zu leisten?

Ihr Ziel ist es, zurück zur Stadtmitte zu gelangen, wo sich das neue Aufgabencenter befindet. Dafür – das ist ihr großer Trick – folgen sie einfach dem großen Gasthaus. Doch manchmal haben sie Schwierigkeiten dabei, es zu erkennen. Denn es ist nicht das einzige recht große Haus. Einige weitere sehen relativ ähnlich aus. Sowohl von der Größe, als auch von der Fassade selbst. Doch sie folgen dem ihnen vertrauten Weg immer und immer weiter. Gespräche führen sie ab hier reichlich wenige, denn sie fragen sich, was es wohl noch für Aufträge zu erledigen gibt. Aber genau dann, als sie alle in ihren tiefsten Gedanken sind, hören sie einen Ruf um Hilfe. Dieser reißt sie aus der Fantasiewelt heraus und bringt sie zurück in die Realität. „Was war das und von wo kam es?“ fragt Sui. „Von da hinten“ meint Fray und zeigt in eine Richtung. Sie rennen zur Quelle des Schreies, überqueren dafür eine Brücke und biegen zweimal links und rechts ab. Ankommen tun sie bei einem jungen Erwachsenen, der am Boden liegt. „Was ist geschehen?“ fragt Yoru. „Ich wurde hinterrücks beklaut. Mir wurde das Geld aus den Hosentaschen entwendet und ich selbst wurde nur weggeschuppst.“ „Wo ist der Dieb hingerannt?“ „Die Straße entlang. Dort hinten kann ich ihn noch sehen!“ Weit hinten, an einem der Kanäle vorbei, dort rennt eine Person davon. Yoru, der sich noch immer vorgenommen hat, den Menschen der Welt zu helfen, katapultiert sich selbst in die Lüfte, richtet sich dort aus und schleudert sich mit einem zweiten Windstrahl davon.

Seine Intention ist es, in der ungefähren Nähe des Diebes zu landen. Womit er dabei nicht rechnet ist, dass er direkt vor ihm landet. Ihre Augen treffen sich. Sein Körper recht klein, sein Gesicht uralt. Wie kann dieser Greis noch so flink sein? „Gib auf!“ sagt der Held. Doch der Alte lacht. „Die Beschreibung passt überaus gut. Doch, ihr müsst es sein. Ihr seid Yoru Sazuki, habe ich recht?“ Der Junge ist überrascht. Woher kennt der Fremde seinen Namen? „Ihr fragt euch sicherlich, woher ich euch kenne. Dann erlaubt mir, die Spannung zu mindern. Der allmächtige, der allerhöchste Lord Caelis hat mich damit beauftragt, für Unruhen in der Stadt zu sorgen, um euch anzulocken. Doch niemals hätte ich geglaubt, dass wir so schnelle erfolge verzeichnen werden. Und nun kommt und lasst mich euch schmecken!“ Er räuspert sich. Sein Hals voller Schleim. „Arrh.“ Und als Yoru am wenigsten damit rechnen soll, springt der kleinwüchsige Alte auf ihn zu. Da entfacht Yoru einen Windstoß, der den Feind einige Meter zurückdrängt. Dort hinten landet er auf seinem Rücken, springt auf und landet auf den Füßen. Plötzlich verformt sich sein Bart. Die einzelnen Haare richten sich in die Richtung vom Jungen, da fliegt eines nach dem anderen los. Sie sind wie kleine, schnelle Nadeln, die vermutlich eine unglaubliche Penetrationskraft haben. Sofort springt er zurück und nutzt die Kraft der Geschwindigkeit, um ihnen auszuweichen. Doch als es zu viele werden, zieht er sein Schwert und blickt mit diesem die einzelnen Haare. Als der Widersacher all die Haare an seinem Kinn abgefeuert hat, da will er mit den wenigen Kopfhaaren weitermachen, über die er noch verfügt. Doch da fragt ihn Yoru, ob er wirklich eine Glatze riskieren wolle. Es würde nichts bringen, denn der Alte habe sowieso keine Chance. „Ich?! Keine Chance?! Ich hab dem Lord meinen allerheiligsten Schwur! Und wenn es mir das Leben koste, ich werde für ihn kämpf-“ Eine spitze und überaus schmale Steinsäule bildete sich gleich hinter ihm durchdrang sein Herz. Da fällt der Mann nach vorne um. Aus seinem Körper wachsen ein paar Ranken. Doch von den Blüten und den Früchten, die wohl das Herz der Seuche sind, ist keinerlei Spur. Erst jetzt konnten die Freunde bei ihm ankommen. „Wir haben von da hinten nur ein paar Dinge mit ansehen können. Was ist passiert?“ „Dieser Mann war wohl.. ein Handlanger von Caelis.“

Ein Fremder erklärt: „Das wohl faszinierendste in der Nähe ist das große Schloss, welches nicht einmal zu unserem Dorf gehört. Wirklich bedauerlich“ „Es gehört nicht dazu?“ fragt Cerak verwundert. Er dachte sein Leben lang, das Dorf wäre Teil vom Schloss und genauso umgekehrt. „Nein. Im Schloss lebt zwar unser König, doch wir sind unabhängig. Wenn wir wollen würden, dann könnten wir jederzeit hinfort gehen. Wir könnten erbauen, was auch immer wir möchten und das Dorf nach unserem Belieben gestalten. Aber kaum einer will sich die Mühe machen. Irgendwie verständlich, aber dennoch traurig.“ Wieso der Fremde ihnen so viel erzählt, verstehen sie nicht. Vor allem Caelis hat die Schnauze voll. Er möchte gehen, da bekommt er eine Idee. „Ich komme gleich wieder.“ „Verstanden. Aber stelle nichts böses an, ja?“ „Das werden wir dann sehen.“ Somit weicht Caelis von der Gruppe und geht auf eine eigene, kleine Reise, läuft dabei durch das schöne Dorf und hält stets Ausschau nach einer bestimmten Sache, die er auch schnell findet. Denn als er in die Gassen blickt und diese anschließend selbst durchquert, da trifft er auf einen alten Mann in verratzter Kleidung. Diesen packt er an der Schulter. „W-Was wollt ihr, verdammter Bengel? Lasst mich los. Ansonsten schmettere ich euch ’ne Flasche über den Schädel!“

Während er das sagt, erhebt er die rechte Faust. Diese nimmt Caelis und dreht sie zweimal im Kreis, wodurch sämtliche Nerven und Knochen, die sie mit dem Arm verbinden, zerstört werden. Er schreit vor schmerzen, da beißt ihm Caelis in den Arm, schießt die Blumenessenz direkt in seine Ader und sieht zu, wie er zu einer mächtigen Kreatur wird. Der alte Mann am Boden, der zuvor keinen Sinn hatte, sieht nun seinen gesamten Lebenssinn darin, dem Mann zu dienen, der ihm diese unglaubliche Kraft gab. „Mein Lord! Mein Geist und meine Seele gehören euch! Was soll ich tun?“ „Schön, wie kooperativ du doch so plötzlich geworden bist. Ziehe los. Gehe in eine alte Stadt, die auf den Namen Marya hört. Stifte dort so viel Chaos, bis du auf einen ganz bestimmten Menschen triffst. Er hat braune Haare und trägt im Moment eine braune Jacke. Wenn du vor ihm stehst, verheimliche nichts. Ich will, dass er sieht, über was für Kräfte ich verfüge. Nochmal kann er mich nicht austricksen. Bei unserem nächsten Aufeinandertreffen wird er sterben. Und das weiß er auch.“ „Ich werde tun, was ihr von mir verlangt, mein Lord!“ Der Alte klettert die nächste Häuserwand hoch und springt von dort aus von Baum zu Baum, bis er diese Stadt erreicht. Der Junge trägt ein zufriedenes Grinsen im Gesicht und will die Gasse verlassen, als er eine Person vor sich stehen sieht. „Ziemlich beeindruckend, diese Kräfte.“ Er hat keine Angst. „In der Tat.“ „Weißt du auch, wo du sie herhast?“ Caelis schüttelt den Kopf. „Von meinem Meister.“

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