Katoku V.3 Ch.9 – Wiedersehen

Ein Keller. Kalt, dunkel, triefend. In der Ecke ein Junge. Er heult. Er heult und kratzt seine Arme auf. Immer und immer schneller. Er gibt seltsame, verzweifelte Töne von sich.

„W-Wo bin ich? Wer bist du?“ frägt Feylin den unbekannten. Sie ist an einem Tisch gefesselt. „D-D-Du bist wach, wie mir scheint. H-Hey. Ich b-brauche etwas von dir. Okay?“ Er steht langsam auf, aber fällt gleich wieder hin. Seine Beine zittern.

„Geht es dir gut?“ frägt sie. „S-Sehr gut, ja. Du kennst mich. Nicht wahr? Du hasst mich. So, wie mein Vater mich hasst. Er ist ein großartiger Mann. Er hat mehr erreicht, als alle anderen es jemals werden. Er war mit dem großen befreundet. Mit Gott selber. Er ist mein Vorbild. Ich will so werden, wie er. Aber ich werde niemals so sein wie er. Ich bin eine Enttäuschung. Nicht wahr?“

Er steht langsam auf und läuft zu Feylin. Im Licht erkennt sie ihn: Kanji.

„Ich bin ein nutzloses Stück Fleisch, welches der Erde bloß Sauerstoff raubt. Es gäbe Menschen, die haben Sauerstoff mehr verdient, als ich.“ Er schaut zu Boden und beginnt zu kichern. „Aber genau das ist es, was ich versuche zu ändern. Und mit deiner Hilfe kann ich es schaffen.“

Er läuft langsam zu einer Kiste, die mit Erashin Kristallen gefüllt ist, nimmt sich zwei Stück und isst sie. Er hebt seinen Kopf und schaut zu mir. „Ich brauche nicht viel. Okay? Nur ein klein wenig Blut. Es wird auch nicht weh tun. Das schwöre ich dir. Ich weiß wie sich Schmerzen anfühlen. Und ich tue niemandem Grundlos weh.“

„Wie viel?“ „Nur diese kleine Spritze voll“ sagt er und zieht eine Spritze aus einer Schublade. Sie ist klein. Sehr klein. Das sind nur wenige Milliliter. „Okay. Wenn es so wenig ist kannst du dir welches nehmen. Aber du brauchst mich nicht mit Seilen festzubinden. Und wofür brauchst du es überhaupt?“

„Ich werde dir deine Erinnerungen sowieso löschen. Du wirst all das hier vergessen. Also was hast du davon, wenn ich es dir erzähle?“ „Ich möchte einfach wissen, ob mein Blut für einen guten Zweck benutzt wird.“

Er nickt mit dem Kopf. „Das wird es, ja. Das wird es sogar sehr. Du hilfst der Welt damit sehr. Dieser Welt. Seiner Welt. Du wirst die Welt damit in einen besseren Ort verwandeln. Ja, das wirst du.“

„Er will die Welt verändern? Und das mit dem bisschen Blut? Meint er das ernst? Wenn ja, wie will er etwas verändern? Und wieso will er diese Welt erst verändern. Alles läuft friedlich zu. Ich bin verwirrt“ denkt sich Feylin.

„Gut. Zuerst trage ich die Creme auf. Sie betäubt dein Nervensystem an der aufgetragenen Stelle. So spürst du nicht mal das Stechen der Spritze.“ Er nimmt die Creme und reibt meinen Arm vorsichtig ein.

Während Kanji die Creme aufträgt drückt er leicht in die Laut von Feylin und wundert sich, was diese Wärme ist. „Haut ist.. warm?“ frägt er sich. Kanji ist verwundert. Der Kontakt zu menschlicher Haut und Wärme, dieses Gefühl hatte er noch nie gespürt.

„Alles okay?“ frägt sie. „J-Ja..“ Er schaut verlegen zur Seite. „Gut. Jetzt die Spritze.“ Feylin schaut weg und Kanji sticht langsam zu, entnimmt das Blut und klebt anschließend die Stelle wo er zugestochen hat mit einem Pflaster zu.

„Alles ist gut. Siehst du?“ Er läuft zu einem Schrank, deckt die Nadel der Spritze ab, nimmt einen goldenen Zettel, schreibt ihren Namen drauf und Klebt den Zettel an die Spritze. „Perfekt.“

„Geht es dir gut?“ frägt Feylin Kanji. „Ich bein, dir geht es offensichtlich nicht gut. Willst du reden? Ich kann für dich da sein, wenn du willst.“ Er beginnt zu weinen und lehnt ab. „Alles ist gut. Es ist nur… schwierig. Ich mein, d-„

Es klopft an der Tür und Kanji schreckt zusammen. „Er sollte noch gar nicht da sein“ redet er mit sich selbst. „Ist das…“ Er nimmt eine Hand voll Kristalle aus der Box und isst sie kurz bevor er an der Tür steht.

Langsam legt er seine Hand auf den Türgriff und drückt runter. In der selben Sekunde öffnet sich die Tür komplett, Kanji verschwindet und mehrere Soldaten liegen tot auf dem Boden.

„Was ist gerade passiert?!“ frägt sich Feylin. „Die Tür ist plötzlich offen, er ist weg, tote Wachen liegen hier. Bin ich eingeschlafen? Oder hat er-..“ Schritte sind zu hören. Er betritt den Bunker und läuft an den toten Wachen vorbei.

Seine Haut ist extrem blass und seine Adern sehr stark zu sehen. „Was ist gerade passiert?“ frägt sie ihn. Doch er bricht zusammen. „Ich schaffe das nicht mehr lange“ sagt er zu sich selbst. „Ich bin nicht dafür ausgelegt. Ich bin kein-… Erashin Nutzer.“

Er steht langsam auf, isst einen weiteren Kristall und löst daraufhin meine Fesseln. „Du kannst gehen. Das Militär weiß bereits, wo ich bin. Du kannst ihnen nichts erzählen, was sie noch nicht wissen.“ Er läuft zum Schrank, nimmt die Spritze mit meinem Blut, tut sie in eine Folie und packt das ganze in seine Hosentasche.

Er ist gerade dabei zu gehen, als Feylin ihn an der Schulter festhält. „Kann ich dir irgendwie helfen?“ fragt sie. „Nein. Ich will dich nicht in Gefahren bringen. Du kannst nichts dafür, Teil dieser Familie zu sein.“ Er verlässt den Bunker.

Ich folge ihm, bis wir am Ausgang stehen. Er öffnet die Tür und läuft mehrere Schritte, bis der Knall einer Pistole ertönt und Kanji umfällt. „Das hast du davon, du Bastard“ ruft eine Stimme, welche Feylin als die ihres Vaters wahrnimmt.

Sie rennt zu Kanji und sieht aus dem Gebüsch Hitachi Sazuki, ihren Vater, kommen. „Geht es dir gut?“ frägt er sie, doch sie schlägt ihn gegen das Schienbein und kniet sich daraufhin vor Kanji, welcher am Boden liegt, hin.

Als er plötzlich beginnt rot zu glühen. Seine Augen öffnen, glühen ebenfalls, und er verschießt einen Strahl aus Wind auf ihren Vater. Er fliegt gegen einen Baum und wird bewusstlos. „Der Idiot sollte das nächste Mal lernen zu zielen. Puh.“

Er steht auf und läuft weiter. Feylin schaut verwirrt zu ihrem Vater, daraufhin zu Kanji und dann wieder zu ihrem Vater. „Lass mich mitkommen“ ruft sie zu ihm. Kanji bleibt stehen und dreht sich um. „Ich habe dir schon mal gesagt, dass ich dich keinen Gefahren aussetzen möchte.“

„Das wirst du nicht. Du bist stark, oder? Dann beschütz mich. Aber ich will bei dir bleiben. Du brauchst jemand, der dir Liebe zeigt.“

Er legt seine Hand auf ihre Schulter. „Danke“ sagt er, nutzt Erashin und sie schläft ein. Knapp 20 Minuten später wacht sie wieder auf und Kanji ist verschwunden. Sie weckt ihren Vater und sie gehen nach Hause. Als sie ihn fragt, wie er sie gefunden hat, sagt er, dass er ihr einen Ortungschip in die Kleidung genährt hat.

Zur selben Zeit war Kanji bei seinem Vater.

„Du hast also das Blut?“ „Richtig.“ „Du hast zum ersten Mal jemals etwas hinbekommen. Du kannst stolz auf dich sein. Aber das ganze war wohl nur eine Ausnahme. Wie auch immer. Du hast auch das Geld, richtig?“ „Richtig.“ Kanjis Vater reibt sich die Hände. „Sehr gut. Im Zeguni-Gebiet wurde ein wertvoller Fund gemacht. Du weißt wohl, worüber ich rede?“ Er lacht. „Ja, Vater.“

Feylin und Hitachi kommen zu Hause an. Kazuo und Leafia, die Mutter, warten bereits auf der Couch auf sie. „Und?“ frägt Kazuo. „Leider nein“ sagt Vater, woraufhin Feylin ihn wütend anschaut.

„Was ist los?“ frage ich sie. „Herzlos. Einfach nur Herzlos…“

„Wie sich rausgestellt hat ist Kanji gar nicht mal so böse. Anscheinend zwingt ihn sein Vater zu vielem. Beziehungsweise er tut es, um seinen Vater stolz zu machen. Er hat es nicht leicht. Das ändert aber nichts daran, dass sie beide eine zu große Bedrohung für die Welt sind.“

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