Er sitzt in der Dunkelheit der Nacht in seinem Zimmer und starrt aus dem Fenster. Vögel fliegen am Himmel. Hinter ihnen das letzte Bisschen der Sonne. Und als es verschwindet und die Nacht beginnt, legt er sich hin, in sein Bett und fragt sich, wann alles vorbei ist.
Er dreht sich nach links, nach rechts und als er die Augen wieder öffnet, steht plötzlich Himari über ihm. „W-Woah… Was machst du da?“ „Dich aufwecken“ sagt sie, dreht sich um und verlässt sein Zimmer. An der Türe macht sie eine kurze Pause und fügt hinzu: „Frühstück ist fertig.“ Er steht auf, zieht sich aufgrund der niedrigen Temperaturen eine Jacke über und setzt sich an den Esstisch. Dort stehen Brötchen mit Aufstrich und Käse.
Er nimmt eins, schneidet es in der Mitte durch, legt eine Scheibe Käse auf beide Seiten und beginnt zu essen. „Was habt ihr aber gestern gemacht? Du und Tenshi.“ „Er wollte mir nur etwas zeigen“ antwortet der Junge auf Shiros Frage. „Ja hoffentlich nicht das“ sagt Himari scherzhaft und beißt von ihrem Brötchen ab. „Nein. Definitiv nicht das.“ „Hm. Langweilig.“ Sie essen auf, ziehen sich um und warten an der Türe auf Shiro.
„Ich kann aber auch alleine gehen, falls das zu viel Aufwand sein sollte.“ „Nein, nein. Ich muss sowieso an der Schule vorbeifahren. Daher passt das schon.“ Er nickt und läuft mit Shiro und Himari mit. Die Sonne steht über dem Berg der JAEO Zentrale. Auf diesem stehen eine ganze Menge an Lastwägen, Kräne und mehr. Sie müssen die Schäden reparieren, die der Apostel angerichtet hat.
Irgendwo am Himmel fliegt ein Flugzeug über die Schule und das Meer hinweg. „Seit wann dürfen Flugzeuge wieder fliegen?“ fragt Yoru und deutet mit seinen Augen auf die Position des Flugzeugs hin. „Seit zwei Tagen. In dem Flugzeug dort oben müsste Tenshi sitzen.“ „Tenshi?“ fragt Yoru und schaut noch mal in den Himmel. Es ist aus seiner Sichtweite. „Ja. Er ist für die nächsten Wochen nicht mehr hier. Er meinte nur, dass du seinen Platz ohne Probleme ersetzten könntest und das Können dazu hast. Daher macht er sich keine Sorgen und ist gegangen.“
Der Junge erinnert sich zurück an den gestrigen Abend. Als sie beim Amb waren und auf ihren Weg zurück. Im Auto schauten sie sich mehrere Male über den Seitenspiegel an. Und als sie wieder am Devout-Komplex ankamen und Yoru zehn Minuten später draußen stand und den Himmel beobachtete, kam Tenshi von oben über ein Seil hinunter zu ihm und sie beobachteten gemeinsam den Mond. Er sagte: „Wir sehen uns bald, ja?“ Yoru antwortete nur mit den Worten: „Ja. Wieso?“ und hatte nichts geahnt. Er hatte es befürchtet. „Stirb mir bloß nicht weg“ war das letzte, was der weißhaarige Junge sagte, bevor er wieder hochkletterte und sie in ihre Wohnungen gingen.
„Verstehe. Wann kommt er wieder zurück?“ „In einem Monat“ antwortet Himari genervt und läuft zum Aufzug vor. „Sie hat-… Du weißt schon. Und ist heute etwas genervt. Mach dir nichts draus, ja?“ flüstert Shiro und Yoru nickt mit dem Kopf. Sie gehen zum Aufzug und fahren gemeinsam ins Parkhaus, steigen in den 98 Holiday Coupe in rot und fahren los. Die selbe Route wie gestern. Vor der Schule stürmt Himari aus dem Auto und läuft alleine zum Eingang. Yoru verabschiedet sich von Shiro, nimmt seine Tasche und geht.
„Hast du deine Ehefrau sauer gemacht?“ ruft jemand von oben hinunter. Es ist erneut Kanaye. Neben ihm diesmal Masaaki. Er hebt nur kurz seine Hand hoch, um die Beiden zu grüßen und läuft ins Schulgebäude rein. Es ist weniger los, als sonst. Das ist das Erste, was ihm auffällt. Nach dem Erklimmen der Treppen und dem Betreten des Klassenzimmers grüßt er seine beiden Freunde persönlich.
„Gestern war echt krass. Hast du den neuen Ambassador gesehen? Und wie er ohne Probleme auf den Apostel zugerannt ist und ihn gefressen hat. Und am Ende, das Herz. Das war wirklich krank“ sagt Masaaki in voller Lautstärke und vollem Enthusiasmus. „Das Herz?“ „Hast du es nicht gesehen?“ fragt Kanaye. „Nur den Anfang. Was war am Ende?“ Masaaki steht auf und deutet mit seinem Körper an, was der Ambassador gemacht hat. „Er nahm den halbtoten Körper, riss mit der rechten Hand das Herz hinaus und hat es gegessen. An einem Stück!“
Yoru übergibt sich. Es trifft zum Glück nichts und niemanden, außer den Schulboden. Der Lehrer betritt genau in diesem Moment das Klassenzimmer und fordert Yoru auf, ins Krankenzimmer zu gehen und zurück zu kommen, wenn es ihm besser geht. Die restliche Klasse soll für die nächsten zehn Minuten das Zimmer verlassen. Die Putzfrauen sollen erst das Erbrochene beseitigen.
Beschämt, angeekelt und verstört verlässt Yoru mit den anderen das Zimmer und geht ins Krankenzimmer. Es ist leer. Und er setzt sich. Plötzlich klopft es an der Tür und Masaaki kommt ins Zimmer. „Sollt ihr nicht oben warten?“ fragt Yoru. „Ja, aber niemand hat bemerkt, dass ich gegangen bin. Werde vor den zehn Minuten wieder oben sein, also ist alles gut. Aber was ist passiert? Und was hast du gegessen? Da waren rote, pulsierende Stückchen in-… Du weißt schon.“
Yoru könnte sich beinahe erneut übergeben, kann es aber gerade noch so halten. „Das waren-.. Takoyaki. Und der Oktopus war anscheinend noch roh und hat sich deshalb bewegt. Das hat dann auch den Würgereiz angeregt.“ Eine gute und glaubwürdige Lüge, welche er sich in wenigen Sekunden ausgedacht hat. „Verstehe. Ist mir letztens auch mal passiert. Nicht angenehm. Man sollte immer drauf achten, dass sie richtig zubereitet werden.“
„J-Ja, stimmt.“ „Dann lass ich dich mal alleine. Bis nachher.“ „Bis nachher.“ Er geht und Yoru legt sich hin. Wieso hat er das getan? Wieso hat Model J3sR, wieso hat Jester das gemacht? Wieso hat er diesen Apostel gegessen, seine Inneren, wieso? Er wusste, was passieren wird. Nicht? Wer es seine Absicht? Oder war es nur aus Versehen? Es kann nicht aus Versehen gewesen sein… Oder?
Ein Blick aus dem Fenster und er sieht die etlichen Wolken am Himmel. „Immerhin konnte ich das Zeug aus meinem Körper entfernen. Wenn auch nicht ganz ohne dabei aufzufallen.“ Fünf Minuten vergehen, bis er das Zimmer verlässt und zurück ins Klassenzimmer kommt. Ein Lehrer ist nicht aufzufinden. Nur die Klasse. Leise setzt er sich zurück an seinen Platz und Marie fragt ihn, ob es ihm wieder gut geht. „Ja. Danke der Nachfrage. Der Lehrer hat noch nichts gesagt?“ „Nein. Er kommt gleich wieder.“
Während der Wartezeit blickt er aus dem Fenster und sieht am Horizon eine Gruppe an Vögeln, die im Kreis fliegen. Unter ihnen mehrere Bäume, eine Straße, Häuser. Die Wolken fliegen vorbei und der Lehrer kommt on den Raum. Er schaut kurzzeitig zu Yoru, dann zurück zur allgemeinen Klasse und beginnt den Unterricht. Alles verläuft normal. Und dann beginnt die Pause.
Yoru, Masaaki und Kanaye laufen gemeinsam die Treppen runter, bis die Erde plötzlich anfängt zu Beben. Es ist ein leichtes Beben, was nicht einmal ein Haus zum einstürzen bringen könnte. Doch trotz dessen ist es so intensiv, so beängstigend. Und dann verschwindet es. Ohne eine Vorwarnung. Ohne eine Folge. Es kam und ist wieder gegangen. Und mit ihm kommt etwas vom Himmel geflogen. Regen. Ein Tropfen nach dem anderen fällt zu Boden herab. Und nur wenige Sekunden später wird der leichte Regen zu einem Starkregen. Sämtliche Schüler werden über Lautsprecher aufgefordert, zurück ins Schulgebäude zu kommen.
Wolken ziehen sich zu und alles wird dunkler. Yoru und seine beiden Freunde machen sich auf den Weg. Doch dann bleibt er stehen. Dreht sich um. Sieht ihn. Im Regen. Unter den dicken, dunklen Wolken. Neben einer Bank. Dort steht er. Die linke Hand blutig. Er schaut Yoru an. Lächelt. Verschwindet. Und Yoru kippt um. Seine Kleidung durchnässt. Auf dem harten Boden. Es ist warm. Und es wird immer wärmer.
Er öffnet rasant seine Augen und geht mit dem Oberkörper nach vorne. Doch der Regen ist weg. Und so ist es der harte Boden. Nun ist er weich, warm, er ist zugedeckt, unter einem grellen licht. Diesmal nicht im Krankenhaus, sondern an einem anderen Ort. Keine Fenster, keine Menschen. Nur helle Lichter und graue Wände voller Werkzeuge. „Hallo?“ ruft er. Aber keine Antwort. Er begibt sich aus dem Bett, läuft durch den Raum und bemerkt eine Kamera an der Decke. Als Yoru den Raum verlässt, steht er auf einem langen, dunklen Steg. Rechts und Links ein Geländer. Und links von diesem Geländer der Oberkörper einer Bestie. Es ist J3sR, der so weit unten steht, dass nur der Oberkörper zu sehen ist. Oder ist es Yoru, der so weit oben steht, dass er nur den Oberkörper sieht?
Er schaut sich das Monster an. Es ist bedeckt mit Blut. Und er hat es gesteuert. Kaltes, göttliches Blut, welches über die Metallplatten läuft. Er guckt es an und hasst es. Doch gleichzeitig liebt er es. Diese Gestalt. Diese Kraft. Kraft, wie man sie nicht anders haben kann. Doch es ist zu viel Kraft.
Er läuft weiter und landet in einem anderen Raum, in welchem mehrere Regale stehen. In diesen findet er Akten. Eine handelt von den Engeln und ihren ersten Angriffen. Eine andere von dem Grundaufbau der Amb-Modelle. Nochmal eine Andere handelt von dem Bund der Internationalen Apostel-Sicherheit. Kurz: BIAS. Als er sich eine weitere Akte anschauen will, kommt eine Person in den Raum. Er legt die Akten schnellstmöglich zurück und schaut zur Person. Es ist ein Mann mit kürzeren, grauen Haaren der ein Kimono trägt.