Die Sonne scheint, der Wecker klingelt, die Sorge wächst. „Ist das wirklich so eine gute Idee?“ frägt sich Hitachi. „Eine neue Welt. Wir wissen nicht, was auf uns zukommen wird. Wir könnten sterben. Aber-… Nein. Dazu lasse ich es nicht kommen. Wir werden überleben. Wir werden gewinnen. Ganz sicher.“
Er steht auf, macht sich bereit, nimm Myerlien in seiner Tasche mit und geht los. Die anderen warten an der Bushaltestelle vor der Schule bereits auf ihn.
„Bist du ready?“ frägt Akihiro. „Ich glaube, ja.“ „Was heißt hier ‚Ich glaube‘?“ „Ja, ich bin ready. Sollen wir? Oder erst in der Pause?“ „Wir warten bis zur Pause.“ Und so war es auch. Der Unterricht verging ruhig und schnell. Und in der Pause trafen wir uns vor der Tür. Jedoch war sie mit Polizeiband zugetaped.
Was kein großes Problem war, da wir einfach darunter durch kriechen konnten. Vor der Kiste stehend reden wir noch ein letztes Mal miteinander, ob wir das auch wirklich machen wollen. Alle sind einverstanden und wir treten in die Kiste. Einer nach dem Anderen verschwindet in ihr. Und am Ende wachen wir alle unter dem großen Baum auf. Myerlien hat seine ursprüngliche Größe zurück.
„Perfekt. Nun, Myerlien, wo sollen wir hin?“ frage ich. „Zu aller Erst: Was ist euer Ziel? Erinnert ihr euch noch?“
Ein Test um zu sehen, ob sie es auch wirklich ernst meinen. Ein schlauer Trick. Doch keine schwere Frage.
„Wir suchen nach den Splittern von diesem Zeguni. Wenn wir alle haben können wir es zusammen setzen und Hitachi kann sich wünschen, dass dieser Zenelith stirbt“ sagt Itsuki. „Sehr gut. Zweite Frage: Was will Zenelith?“
„Er will die Welt zerstören“ antwortet Akihiro. „Perfekt. Dritte Frage: Was müssen wir tun, um eine Chance gegen diesen Typen zu haben und um an die Splitter kommen zu können?“
„Trainieren. Die spirituellen Kräfte.“ „Exzellent. Diese Kräfte, genau genommen diese Kraft, nennen sich ‚Erashin‘. Sie repräsentiert die Mächte der Götter. In dem Moment, in welchem man es, das Erashi, nutzt, fließen göttliche Kräfte durch sein Blut und man kann dinge tun, die normale Menschen niemals tun könnten.“
Kräfte? Wie Laser verschießen? Stärker werden? Sowas geht wirklich? Und wir werden es sehr bald können?
„Wie erlernt man diese Kraft?“ frägt Itsuki. „Das alleinige Wissen, dass es diese Kraft gibt, lässt es dich erlernen.“ „Man muss nur wissen, dass es sie gibt, und dann kann man sie benutzen?“ Das wäre ein absoluter Traum.
„Natürlich nicht. Was wäre das für eine lächerliche Art, an solch mächtige Kräfte zu kommen. Natürlich reicht das bloße Wissen nicht aus. Doch es ist der erste Schritt. Nun, da ihr wisst, dass es das Erashin gibt, könnt ihr es erlernen. Doch es wird euch große Überwindung kosten.“
War doch klar. Aber den ersten Schritt haben wir also gemeistert. Auch wenn er wirklich sehr, sehr einfach war. Das wahre Training geht nun erst los.
„Also. Folgt mir!“ fordert er uns auf uns läuft los. Wir folgen ihm. Wir laufen quer durch den Wald, an einem noch größeren Dorf vorbei, in eine weitere Ruine. In ihr führt ein Weg in die Tiefen. Am Ende kommen wir in einer großen Halle an.
„Hier lebt ein alter bekannter. Er wird euch das Erashin beibringen. Zumindest die einfachen Dinge. Diese ganze Kraft ist in mehreren Kategorien aufgeteilt. Ihr werden nun beginnen, die erste dieser zu lernen.“
„Gute Güte, gleich 3 Leute auf ein Mal?“ frägt eine alte Stimme aus der Ecke. Und aus den Schatten tritt ein alter, dunkelhäutiger Mann. Er beginnt zu flexen. „Auch wenn uns Muskel Joe schon lange verlassen hat, ich werde sein Erbe lange fortführen und unseren zukünftigen Helden helfen. Hallo, Myerlien.“
„Guten Tag, Divosta.“ „Sind das die, von denen du sprachst? Die, die Zenelith töten werden?“ „So ist es. Hitachi, dieser Mann war bei dem finalen Kampf einer deiner Vorfahren mit dabei. Er spielte eine große Rolle und ich werde ihm auf ewig dankbar sein. Er ist ein guter Kämpfer und wird euch trainieren.“
Myerlien setzt sich hin und wir gehen zusammen mit Divosta in die Halle. „Wie heißt ihr?“ „Ich bin Hitachi.“ „Akihiro.“ „Ich heiße Itsuki,“
„Gut. Zu aller Erst: Entspannt euch. Lasst sämtliche Muskeln in eurem Körper frei. Atmet tief ein, danach tief aus. Und stellt euch die Kraft des Erashins vor. Eine glühende Wärme. In der kalten, unendlichen Dunkelheit. Das letzte Licht dieser Welt. Es wird langsam größer. Immer und immer größer. Ihr versucht es zu berühren. Doch es funktioniert nicht. Ihr versucht es ein zweites Mal. Diesmal schafft ihr es, sie mit euren Fingerspitzen zu berühren. Ihr habt einen winzigen Teil von ihr erreicht. Doch ihr müsst wachsen, um sie vollständig berühren zu können und in ihr eindringen zu können. Erst sobald ihr in ihr seid habt ihr das volle Potential. Doch bis dahin müsst ihr euch mit dem bisschen, welches ihr mit euren Fingerspitzen berührt habt zufrieden geben.“
Wasser plätschert von der Decke auf den Boden. Der Wand bröselig, das Geländer instabil. Die Luft beginnt zu zittern und wärme bildet sich. Eine dünne, schwache, lilane Aura ist um den Körper von Hitachi zu sehen. Und auch um den von Itsuki. Seine gelb.
Nur Akihiro bleibt frei von sämtlicher Energie.
Langsam öffne ich meine Augen und sehe eine Energie, welche aus meinem Körper strahlt. Ich versuche mich zu bewegen. Es fällt mir schwer, doch die Aura bleibt um meinem Körper.
Ich schaue zu Itsuki. Er läuft, als wäre es kein Problem. Die Aura bleibt stetig um seinen Körper. Nur Akihiro, er bleibt gleich.
„Wieso funktioniert das bei euch sofort?“ „Ich hab keine Ahnung. Versuch es einfach nochmal.“ Er schließt seine Augen und Divosta spricht seine Worte. Doch nichts passiert. „Ist auch egal. So krass ist dieses Erashin-Zeug gar nicht. Ich schlag meine Gegner einfach so KO.“
Er setzt sich zu Myerlien hin, Divosta unterrichtet uns. „Fokussiert eure Energie auf eure Hände und versucht sie in Form eines Projektils zu verschießen.“ Gesagt, getan. Ich verschieße ein Projektil, welches an der Wand aufprallt und eine Explosion erzeugt.
Daraufhin verschießt Itsuki eins. Doch es erzeugt keine Explosion. „Sehr interessant. Ihr denkt nicht von Grund auf gleich über Angriffe. Das ist gut. Es bedeutet dass ihr abwechslungsreich seid. Für Hitachi ist ein Angriff ein Weg, großen Schaden möglichst offensichtlich zu erzeugen. Für Itsuki ist er eine schnelle, verletzliche Sache, die wenig Aufmerksamkeit erregen soll. Sehr interessant.“
Das Training geht mehrere Minuten weiter. Nach knapp 30 Minuten sind wir fertig. Wir haben viel gelernt. Doch, wie uns Myerlien schon von Anfang an sagte, nur schwache Angriffe. „Gut. Endlich fertig“ sagt Akihiro.
Er läuft aus der Halle raus, ohne zurück zu schauen. „Er wird es schon noch lernen. Und ich rede nicht von dem Erashin, sondern von Benehmen“ sagt Myerlien, schaut zu Divosta und verabschiedet sich von ihm. Wir verlassen die Halle.
Oben angekommen laufen wir ein paar Schritte, bis Itsuki stehen bleibt und Myerlien frägt: „Was tun wir jetzt? Wir wissen, was wir mit dem Erashin anrichten können. Waffen, Geschosse, so Zeug. Aber wie finden wir jetzt diese Splitter von diesem Stein?“
„Das Zeguni ist nicht einfach nur ein ‚Stein'“ sagt Myerlien wütend. „Und seine Splitter finden wir mit der Kraft der Göttin. Ich habe dank ihr ein Gespür, wo sich der Splitter befindet. Zumindest grob in welchem Gebiet. Und er ist irgendwie in diesem großen Dorf. Doch zuvor muss ich euch etwas geben. Schließt eure Augen.“
Die 3 Kinder schließen sie und Myerlien hält seine Pfoten ein Mal auf jede Stirn. In diesem Moment sehen sie viele Lichter und Symbole, hören neue Wörter und fühlen sich leichter.
„Gut. Ihr solltet ab sofort die Sprache jeder Welt verstehen können. Und die Bewohner sollten euch verstehen können. So ist es bei mir auch.“
Wir sind geschockt. „Sowas geht?“ frägt Itsuki. „Ich glaube nach all dem, was wir hier gesehen haben, ist nichts mehr überraschend“ sage ich. Und doch liege ich falsch. Nur wenige Sekunden nachdem ich das gesagt habe fliegt über unseren Köpfen ein Ritter hinweg. Er landet inmitten des Dorfes und schaut zu uns.
Seine Rüstung dunkellila mit dunkelroten Akzenten, auf seinem Helm zwei kleine Hörner. Auf den Schultern jeweils drei Stacheln, welche von Innen nach Außen größer werden. Hinter ihm stehen 2 große, weiße Flügel empor, mit denen er kurz zuvor noch geflogen ist. Und sein Rücken wird geschmückt von einem dunklen Cape mit einem Symbol, welches ausschaut, als wäre es in der Schrift dieser Welt geschrieben.
Er läuft in unsere Richtung und in seinen Händen bildet sich ein Feuer-Großschwert. Er schwingt es auf uns zu und daraus geschossen kommt ein großer Feuerzug. Er fliegt direkt durch den Wald. Wir können gerade so ausweichen.
„Was ist das für ein Typ? S-Sollen wir unser Erashin benutzen? Kommen wir gegen diesen Typen überhaupt an?“ „Gute Frage. Also ich würde sagen, dass wir einfach wegrennen“ sage ich.
Wir wollen gerade rennen, als der Ritter plötzlich losfliegt und direkt vor uns stehen bleibt. Und gerade als er zum nächsten Schlag ausholen will hält ihn ein anderer Ritter auf.
„Isagus, stopp!“ ruft der andere Ritter zu dem mit dem Flammenschwert. „Bist du blind? Diese Leute wollen unseren Schatz klauen! Sie haben keine guten Intentionen. Deshalb erledige ich sie, noch bevor sie auch nur daran denken, ihn zu klauen.“
„Haben dich alle guten Geister verlassen? Das sind unschuldige Menschen. Keiner weiß von unserem Schatz. Und so soll es auch bleiben. Also verhalte dich nicht wie ein vollkommener Idiot. Gott, der König hatte recht. Dich einzustellen ist das dümmste, was wir jemals hätten tun können. Nur weil der stark bist hat das nicht zu bedeuten, dass du als Ritter tun und lassen kannst, was du willst. Und jetzt lass diese Menschen in Ruhe.“
„Du wirst schon sehen“ sagt der mit den Flügeln – Isagus – und fliegt davon.
„Es tut mir aufrichtig leid“ sagt der Ritter zu uns. „Ihr seid neu hier, nicht wahr? Ihr müsst wissen, dieser Typ ist ‚der Stolz unseres Königreiches‘. Er ist stark, schnell, kann fliegen und beherrscht das Erashin besser als jeder andere. Daher denkt er, er hätte eine Freikarte und könnte machen, was er will. Zudem ist er sehr paranoid. Hier, nimmt dies als Entschädigung.“
Er gibt uns einen Sack voller Geld.
„Das sind 12.000 Angratien. Mit denen müsstet ihr mindestens eine Woche lang auskommen. Und noch ein Mal: Entschuldigung.“ Er dreht sich um und läuft los, biegt nach rechts ab und verschwindet hinter der Wand von altertümlichen Häusern.
„Gut. Dann wissen wir also, wo sich der erste Splitter befindet.“