Devout Mecha Exodus Chapter 16 – Baumkronen

„Wir hätten beinahe zwei Kinder verloren. Wäre das passiert, wäre dieses Land dem Untergang geweiht“ sagt Kano, als gerade die Kellnerin an ihnen vorbeiläuft und sich zu ihnen dreht. „Sie haben noch nichts bestellt, oder? Dann würde ich jetzt ihre Bestellung aufnehmen.“ „Das Rindersteak mit der Weißweinsoße und den Kroketten“ bestellt Ryozuki. Kano will: „Das Schnitzel mit Nudeln und Bratensoße“ und Saeo: „Der Meeresfrüchtesalat.“

„Sehr wohl“ sagt die Kellnerin, die gerade schon dabei ist, weiter zu laufen. Ihre Getränke haben die drei JAEO Arbeiter bereits. „Bezüglich Europas. Wie laufen die Verhandlungen und die Partnerschaft mit Deutschland?“ „Schlecht“ sagt Ryozuki. „Sie wollen weder ihre Baupläne, noch ihr Personal teilen. Eine Partnerschaft wirkt unter diesen Umständen recht unmöglich. Das ändert nichts daran, dass sie wenigstens ein Kind losgeschickt haben. Halb Japanisch, halb Deutsch. Er soll morgen ankommen. Sie meinen, er wäre einer mit dem meisten Potential ihrer Piloten.“

„Potential?“ fragt Saeo. „Er hat viel Potential, doch dafür bislang beinahe nichts erreicht.“ Kano meint: „Es klingt, als wollten sie es einfach nur schönreden. So waren die Deutschen schon immer.“ „Wir werden sehen.“ Ryozuki nimmt einen Schluck und schaut übers Meer. „Der Apostel ist also über mehrere, unterirdischen und mit Wasser gefüllten Höhlensysteme dorthin gelangt, wo er auch getötet wurde?“

„Genau“ antwortet Kano auf Ryozukis Frage. „Er konnte daher sämtliches Wasser kontrollieren, welches mit ihm in Berührung stand. Selbst Wasser, welches über 1000 Meter und noch weiter entfernt ist. Solange eine bleibende Spur da war, war die Entfernung egal.“ „Wie geht es dem Piloten von Jester?“ „Gut, nach meinem Wissen. Das letzte Mal habe ich nachgefragt, kurz bevor wir hier ankamen und da meinten sie, es wäre nichts bleibendes und bis morgen sollte er wieder ganz normal tun können, was er will. Wenn man das denn so sagen kann.“

Winde wehen und Blätter fallen von den Bäumen über ihnen hinunter. Saeo bemerkt ein Vogelnest, in welchem ein großer Vogel sitzt. Er pickt mehrere Male in das Nest hinein und fliegt anschließend mit einem Baby im Mund davon. Bei dem Vogel handelt es sich um eine Elster, die gerade Kinder eines anderen Vogels klaut. Sie fliegt davon und knallt nur wenige Sekunden später direkt gegen die Scheibe eines in der Nähe stehenden Hochhauses. Ihr toter Körper fällt in die Tiefen. Sie nahm ein Leben. Und das nur dafür, dass sie ihr eigenes wenig später geben solle. Es ist wie mit Menschen und Aposteln.

Die Kellnerin kommt mit dem Essen auf dem Arm. „Das Steak?“ „Hier.“ „Und.. der Salat?“ „Hier.“ „Und dann noch das Schnitzel.“ Sie stellt jedem sein Essen hin und geht wieder. „Ich wusste gar nicht, dass du Deutsche Küche magst“ sagt Saeo. „Ich bin tatsächlich auch teils deutscher Herkunft. Der Vater meines Vaters und die Mutter meiner Mutter haben beide in Deutschland gelebt. Aber sie beide fanden einen Partner, nachdem sie nach Japan zogen. Über das letzte Jahrhundert kamen viele Menschen hierher, hab ich das Gefühl. Und nun gehen sie alle.“

Ryozuki schneidet ein Stück seines Steaks ab und fängt an zu essen. Es schmeckt perfekt. Besser hätte es nicht sein können. Auch Saeo ist höchst zufrieden. Und ebenso ist es Kano. „Was ist eigentlich mit dem Pilot von Kami? Tenshi Kama war sein Name, wenn mich nicht alles täuscht.“ „Er ist gestern in Deutschland angekommen“ sagt Saeo. „In Deutschland?

„Immer mit der Ruhe“ antwortet Ryozuki und nimmt erneut ein Stück seines Steaks in den Mund, kaut und schluckt. „Sie haben ihn bekommen und wir bekommen dafür ihren Jungen. Aber das alles hat einen guten Plan. Wir haben nichts, was sie herausfinden können. Dafür haben sie Dinge, die sie offensichtlich geheim halten wollen. Und Tenshi wird uns all diese Dinge offenbaren.“

„Verstehe“ sagt Kano leise und nimmt ein abgeschnittenes Stück Schnitzel in den Mund. Er fährt fort mit: „Das ist eine wirklich gute Idee. Er war der Erste, nicht wahr? Der erste Pilot.“ Saeo trinkt etwas und sagt: „Er war der beste. Wenn eine Person es hinbekommt, ein ganzes Land auszuspionieren, dann traue ich es ihm zu.“ „Das meine ich doch auch“ sagt Ryozuki. „Deutschland wird nichts vermuten. Und Tenshi wird durch die Einrichtung wandern, nachts, wenn ihn keiner sieht und uns sagen, was sie für ach so mächtige Technologien benutzen.“ Es wird dunkel und das Personal zündet die herumstehenden Kerzen an, die an den Ästen der Bäume hängen.

Ein Luftzug weht mehrere Blätter an Yoru, Himari und Jack vorbei und die Sonne ist fast vollständig hinter dem Berg verschwunden. „Wir sollten wieder zurück gehen, oder?“ „Es wäre das beste, was wir tun können. Besser als in der Kälte hier zu sitzen und krank zu werden“ sagt Himari und steht auf. Auch Jack und Yoru stehen auf. Sie laufen die Treppen runter, als neben dem Hangar ein roter Wagen mit eingeschalteten Lichtern hält.

Bei genauerem Hinschauen wird es klar, dass es sich beim Wagen um den Holiday Coupe und beim Fahrer um Shiro handelt. Himari und Yoru steigen in den Wagen ein und Jack bleibt vor ihm stehen. „Du kannst gerne mit einsteigen“ sagt Shiro und winkt ihn her. Er setzt sich auf den Rücksitz neben Yoru hin und sagt: „Vielen, vielen Dank.“ „Kein Ding. Es wäre Verantwortungslos dich einfach hier stehen zu lassen. Und wir sind alle sowas wie eine große Familie. Der Zusammenhalt zählt.“

Sie wenden und fahren fast die selbe Route zurück, die sie auch hergefahren sind. Nur an einer Straße biegen sie etwas früher ab und bleiben vor einer kleinen Bäckerei stehen. Auf einem blinkenden Schild ist: „D&C’s“ zu lesen. Shiro steigt aus und geht in die Bäckerei. In dieser trifft er auf eine Frau. Auf ihrem Namensschild der Name ‚Cloe‘. „Was hätten sie gerne?“ „Zwei Brötchen. Eins mit Butter beschmiert, wenn möglich.“ „Natürlich.“ Sie nimmt es, schneidet es in der Mitte durch und beschmiert beide Seiten mit Butter. Die zwei Brötchen legt sie in eine Töte und gibt sie ihm. Er legt 250 Yen auf eine Ablage und nimmt die Brötchen. „Vielen Dank.“

Als er zurück im Auto ist, hört er, wie Yoru und Jack über Tenshi reden. „Und es ist nicht bekannt?“ „Nein. Zumindest nicht für uns.“ Er fährt weiter, durch die Straßen, entlang an den kleinen und großen Häusern und über die Seitenstraße, welche sie bislang nur ein Mal, von oben nach unten, entlanggefahren sind. Im Parkhaus eingeparkt steigen sie alle aus und steigen gemeinsam in den Aufzug ein. Er ist hell.

Yorus Herzschlag wird schneller. Er erinnert sich zurück. zurück an das erste Mal, als er mit dem Aufzug in das Büro von Ryozuki fuhr, die Türen sich öffneten und er die Botschaft bekam: Er solle morgen Abend wieder kommen. Genauso erinnert es ihn an das helle Licht im Krankenhaus, in welchem er den Mond beobachtete. Und an die Gänge der Schule. An das Weiß der Engel, des Apostel-Wolfes, welchen Model Jester fraß, an so vieles.

Zu viele Gedanken, die ihm gleichzeitig in den Kopf kommen. Die Türen öffnen sich und sie sehen den dunkeln Nachthimmel. Etwas weiter links steht ein Haus, welches Yoru schon öfters bemerkt hat. Es hat einen großen Baum an jeder Ecke des Daches stehen. Die Baumkronen bilden eine Kuppel. Mehrere Lichter schweben in der Luft und eine große Anzahl an Tischen und Stühlen stehen auf dem Dach. Es ist vermutlich ein Restaurant. Eines der eigenartigsten, die er jemals sah.

Sie laufen zu ´den Türen ihrer Wohnungen, verabschieden sich und gehen rein. Sofort setzt sich Himari auf den blauen Teppich, schaltet den Fernseher an und guckt fern. Yoru setzt sich an den PC und geht auf die noch recht neue Website, die er Himari vor wenigen Tagen gezeigt hat. Shiro geht in sein Zimmer, wo er einen eigenen, kleinen Fernseher hat und eine Seifenoper schaut.

Yoru findet Videos von Apostelangriffen in Frankreich. Die Videos sind sehr neu, teils erst drei Stunden alt. Er drückt auf das neuste und sieht anfangs eine wackelige Aufnahme in einem Büro. Der, der das Video aufnimmt, läuft an mehreren Arbeitern vorbei und filmt aus einem offenen Fenster. Nur vier Häuserreihen weiter schwebt ein großes, menschenartiges Etwas am Himmel. Es hat den Kopf, Oberkörper und die Beine eines Menschen. Nur die Arme fehlen. Stattdessen hat es zwei Flügel, mit denen es fliegt. Das Wesen ist weiß-bläulich und schreit. Mit jedem Flügelschlag kommen enorme Winde, die fast stark genug sind, Häuser zum Einsturz zu bringen.

Der Apostel fliegt im Kreis um ein Hochhaus herum. Im Hintergrund ist die Konversation des Filmers und einer anderen Person zu hören. Doch sie sprechen auf französisch. „Qu’est-ce que c’est? Martin, quel genre de monstre est-ce?“ „Je ne sais pas. Mais je dois le filmer.“ Yoru versteht kein Wort, doch die Konversation ist nicht das Wichtige am Video. Das Wichtige ist das Wesen am Himmel.

Plötzlich schlägt es seine Flügel fester als vorher. Jeder Flügelschlag hat mehr Kraft, als der vorherige. Bis die Winde zu stark werden und die ersten Häuser einbrechen. Schreie sind zu hören. Der himmlische Gesang des Apostels wird lauter. Immer und immer Lauter. Am Ende ist nur noch ein Knall zu hören. Und dann endet das Video. In der Beschreibung steht etwas auf französisch. Yoru versucht eine andere Website zu benutzen, um den Text zu übersetzen. Die Übersetzung sagt so etwas wie: „Diese Aufnahme wurde auf einer Kamera gefunden, die in den Überresten eines Hauses lag.“

Er schaut sich ein anderes Video an. Es ist das selbe, nur von einer anderen Perspektive. Diese Aufnahme ist von der Spitze eines Hochhauses aufgenommen worden. Auch hier fliegt der Apostel um ein Hochhaus herum. Die Schläge werden stärker und Häuser brechen ein. Das Haus, aus welchem die erste Aufnahme gemacht wurde, ist eines der in diesem Video einbrechenden Häuser. Die Aufnahme stoppt, als der Filmer sich umdreht und zu den Treppen rennt.

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