„Ich brauche den Zeguni Splitter nicht mehr. Ich weiß genau, was ich heute Abend tun werde. Wenn ich für immer verschwinden sollte weißt du warum. Auf wiedersehen. Und es tut mir leid. Auch wenn ich nichts daran ändern kann. Jemanden geliebtes zu verlieren tut immer weh. Und vor allem, wenn es mehrere Leute sind. Viel Glück.“
Er läuft die Treppen runter und ich gehe ins Klassenzimmer zurück.
Während Hitachi bei Zeyneth ist redet Itsuki mit Maya. „Sorry wegen gerade eben. War nur ’n Witz.“ „Schon gut“ sagt Maya. „Steht er wirklich auf mich?“ „Nicht das ich wüsste. Zumindest hat er nie was dazu gesagt.“
Doch Itsuki weiß genau, dass Hitachi schon seit knapp 5 Jahren auf Maya steht. Schon damals gab es für ihn keine Andere, als sie. Er redete fast jede Pause nur von ihr. Doch Itsuki möchte nicht Hitachis Chancen ruinieren und tut daher so, als wüsste er nichts.
Hitachi kommt zurück.
Als ich mich hinsetze frägt mich Akihiro, was los sei. „Ich erzähl es dir später“ sage ich leise und ruhig.
Die restliche Stunde wird damit verbracht, mit seinen Nebensitzern zu reden. Anfangs ist Maya eher kalt und ruhig, doch mit der Zeit wird sie offener. Wie sich rausstellt haben Maya und ich fast genau die selben Hobbys. Wir wechseln unsere Nummern aus und haben vor, in Zukunft mehr miteinander zu reden. Ich hoffe, dass das der Beginn einer guten Freundschaft wird. Eventuell wird sogar mehr daraus. Aber ich erwarte nicht all zu viel.
Der Unterricht endet und ich laufe mit Itsuki und Akihiro zu mir nach Hause. Dort angekommen sehen wir Leafia und Myerlien auf der Couch, welche bereits auf uns warteten. „Wie geht’s weiter?“ frägt sie.
„Wir haben ein Problem.“ Ich erkläre ihnen, worüber ich mit Zeyneth gesprochen habe. Ich erwähne alles, außer das mit Jaster. Denn ich bin mir noch immer unsicher. „Also ist er gar nicht so böse. Aber wer hat dann deine Eltern getötet?“ frägt Itsuki.
„Ich weiß es nicht. Aber Zeyneth denkt, dass er weiß, wer es war.“
Ruhe.
„Sollen wir morgen nach einer neuen Brücke suchen? Und es heute noch ruhiger zugehen lassen?“ „So machen wir’s. Dann bis morgen. Und ich gebe euch bescheid, falls ich was neues herausfinden sollte.“
Akihiro und Itsuki gehen nach Hause, ich gehe in mein Zimmer und Leafia und Myerlien bleiben noch im Wohnzimmer. Der Tag verging ruhig. Bis am Abend mein Handy klingelt. Innerlich hoffe ich, dass es Maya ist, die mich anruft. Aber ich bezweifle es.
Ich schau auf das Display und sehe eine Nummer, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Ich wusste nicht mal, dass man solche Nummern als Telefonnummern benutzen kann. ‚0101 7676767‘. Ich gehe ran.
„Komm so schnell du kannst zu der Adresse, die ich dir jetzt schicke. Und bring einen Zeguni Splitter mit.“ Es ist Zeyneth, und er schickt mir eine Adresse, die maximal 5 Minuten von hier weg zu sein scheint. „Ich komme.“ Ich ziehe mich um und laufe los. Leafia und Myerlien bemerken mich nicht.
Ich verlasse das Haus und der Himmel beginnt dunkler zu werden. Vereinzelnd fallen Regentropfen, alle paar Sekunden fällt ein Blitz.
Hitachi läuft den Berg hoch. Starke Windböen ziehen über die Stadt. Doch das ist egal. Wie es scheint hat Zeyneth eine Lösung gefunden. In diesem Moment gibt es nichts wichtigeres, als das.
Ich komme an der Spitze an und laufe durch den Wald. In diesem gibt es eine größere, unbepflanzte Fläche, an welcher die Statue eines alten Kriegers stehen soll. Diese Adresse hat er mir geschickt.
Ich komme dort an. Der Boden aus Steinziegeln, die Statue bröselig. Und da ist er.
Am Boden.
Tot.
Ich renne zu ihm hin. In seinen Händen noch das Handy, mit welchem er mir die Adresse geschickt hat. „ZEYNETH!“
Ich hoffe ihn noch erreichen zu können. Dass er noch lebt und mir sagen kann, was er mir sagen wollte. Doch stattdessen ertönt hinter mir nur ein kaltes, hohes Lachen.
„Na? Wie geht’s?“ „Du!-..“ „Was? Ich hab nichts gemacht. Er hat dir seine Lügen erzählt und du hast ihm blindlings geglaubt.“ Der Regen wird stärker, die Blitze schlagen öfter ein. Der Wind so stark, als könnte er schon Tiere davonwehen.
„Du willst mir sagen, dass er der Lügner ist?“ „Natürlich. Sei mal ehrlich. Was hätte ich davon, deine Eltern zu töten? Und deine Schwester anschließend so zu beeinflussen, dass sie sich umbringt, was nebenbei gesagt echt einfach war?“
„Du Bastard!“ Ich versuche ihn mit einem Schlag aus purem Erashin zu treffen. Doch er verschwindet. „Hör mir gut zu. Ich hab niemanden getötet. Doch ich kann dir deine Eltern zurückbringen. Okay? Ich hab dir bislang nur geholfen. Alles was ich brauche ist ein Splitter des Zegunis. Dazu ein wenig Erashin. Das ist alles.“
Ein Blitz schlägt nur mehrere Meter von uns entfernt ein. „Puh, das war knapp. Also, was meinst du? Ich bring sie zurück. Dieser Zeyneth Typ ist schon tot. Also kann er euch keine Bedrohung mehr sein. Ich bring euch auch gerne zu den letzten Zeguni Splittern. Und dann könnt ihr euch noch irgendwas wünschen.“
Meine Eltern? Er kann sie.. zurück bringen?
Hitachi kommen die Tränen.
„Nur ein Zeguni Splitter? Und ein wenig Erashin?“ „Nicht viel, ich weiß. Und dann sind sie zurück.“ Ich-… Ich-… Scheiße, was soll ich tun? Es ist, wie ich mir dachte. Er ist nicht der Böse. Er war nie der Böse. Zeyneth hat nur versucht, mich zu beeinflussen.
Ich hole den Splitter aus meiner Tasche. In der rechten Hand halte ich ihn, in der linken Hand erschaffe ich eine Kugel, gefüllt mit Erashin.
Der Wind wird immer stärker, so wird es der Regen. Der Himmel verfärbt sich bläulich und seltsame Geräusche sind zu hören.
Langsam strecke ihn ihn den Splitter hin. Die Geräusche werden immer lauter. Bis der Splitter nur noch wenige Zentimeter von seiner Hand entfern ist. „NEIN!“ schreit eine weibliche Stimme aus dem Himmel.
Langsam strecke ich ihm die mit Erashin gefüllte Kugel hin. „TUE ES NICHT!“ ruft die Stimme erneut.
„Hör nicht auf sie. Es geht hier um deine Eltern und deine Schwester. Ich bring sie dir alle zurück. Dann lebt ihr euer Leben schön und friedlich weiter. Der Typ ist tot, also ist auch der Fluch weg. Alles wird wunderbar, meinst du nicht auch?“
A-Alles wird wunderbar?
Ja…
Alles wird wunderbar.
Es wird so viel schöner und friedlicher. Sie sind bald zurück.
Jaster greift nach der Kugel und dem Splitter. Als plötzlich der Himmel aufleuchtet ein Mädchen zwischen Jasters und meine Hände geflogen kommt. Während sie an uns vorbei fliegt versucht sie mir die Kugel und den Splitter aus aus den Händen zu schlagen, aber schafft es nicht.
Auf dem Boden prallt sie auf und schürf sich dabei Beine und Arme auf. Verletzt steht sie langsam auf, Blut kommt von ihren Knien. „Gib-.. Gib ihm nicht de- den.. Splitter.“ Sie ist geschwächt. Aber wer ist sie?
Mit ihren langen, blonden Haaren und blauen Augen steht sie dort. Wieso will sie nicht, dass ich Jaster den Splitter gebe?
„Göttin Celicia. Lang nicht mehr gesehen. Doch ihr werdet den Traum dieses Jungen nicht zerstören. Hitachi, gib mir den Splitter.“
Erneut strecke ich ihm beides hin. Ist das ein Fehler? Kurz ziehe ich beides wieder zurück. „Vertrau mir. Stell dir nur mal vor, wie schön es wird, wenn sie wieder zurück sind“ sagt er und wedelt mit den Armen.
Ich schaue noch ein Mal das Mädchen an. Sie schaut schwach aus, und auch ängstlich. Was soll ich tun?
„Jetzt gib schon!“ Ich strecke beides aus und er greift zu. Heulend schreit sie: „NEIN!“
Im selben Moment in welchem Jaster beides berührt erblitzt die Welt in einem grellen Licht. Er schießt einen Strahl auf das Mädchen und sie fällt um. „ENDLICH! ALLE GÖTTER SIND TOT, ICH HABE EINEN TEIL DES ZEGUNIS, BESITZE ERASHIN, HABE DEN GEIST VON ZENELITH UND DEN KÖRPER VON ZEYNETH!!! UNENDLICHE MACHT, KOMM ZU MIR!!!“

Zenelith Asterial
Der Körper von Zeyneth löst sich auf und unter Jaster herum bildet sich langsam ein Körper. Verschwommen und gefüllt mit einer unbeschreiblichen Macht. ‚Alle götter sind tot‘? Hat er sie getötet? Hat er all ihre Kräfte?
Das grelle Licht schwindet langsam und der Körper ist sehbar. Gekleidet in einem langen, dunkeln Mantel, Augen wie die von Jaster, doch unter ihnen sind dicke, pulsierende Adern. Die Haare lang und weiß, auf der Stirn mehrere Symbole. Die Narbe von Zeyneth ist noch immer zu sehen.
„Diese Kraft. Zenelith hat einen Körper, welcher seiner Kraft wirklich stand halten kann. Er hat seinen Körper zurück. Den Körper des Zenelith Asterials. Nach über 1000 Jahren. Er hat-… Wo sind seine Kräf-.. Oh… Die Göttin hat sie ihm ja genommen. Hm. Ja gut, dann muss er wohl doch die Zeguni Splitter suchen. Verdammt.“
Zeneliths lebloser Körper löst sich langsam auf und verschwindet. Jaster lacht und sagt: „Vielen Dank. Du hast das, was Zeyneths Ziel war, gerade in nicht mal einem Hundertstel der Zeit erreicht, welche er gebraucht hätte. Endlich hat meine Gestalt seinen Körper zurück und beherrscht dazu dieses Erashin oder wie das heißt. Ich bin dir auf ewig dankbar. Doch ich bin ein Mann der Ehre und halte mich an meine Worte. Deine Eltern sollen zurück kehren. Außer du hast es endlich realisiert.“
„Was realisiert?“ „Sie waren nie tot. Zumindest waren sie nicht durch mich gestorben, oder durch Zeyneth. Für dich sind sie gestorben. Sie haben dich schließlich nie beachtet, richtig? Du hast sie gehasst. Es war dein bloßer Gedanke, der sie tötete. Deshalb hast du auch nichts gefühlt, außer bei Hina. Die Notiz war eine Ausrede an sich selber. Du hast dir eingeredet, dass es Zeyneth war, um keine Schuldgefühle zu spüren. Wie dem auch sei. Deine Schwester bring ich dir zurück, weil das das einzige ist, was du wirklich willst.“
Und er hat recht. Mit allem.
Er verschwindet.
Links von mir das Mädchen, Celicia. Tot. Hinter mir die Blutlache von Zeyneth. Ich laufe zur Statue, nehme das Schwert in ihrer Hand und stecke es in meinen Hals.
