Devout Mecha Exodus Chapter 11 – Rosa-rotes Fleisch

Die Stangen, welche Beine, Oberkörper und Arme sichern, lösen sich und Schwerkraft zieht Yoru runter. Er fällt fast hin, doch kann im letzten Moment das Gleichgewicht halten und hebt sich an einer der kleinen Mauern zu seiner Rechten fest. Die Mauer bricht ein und er sagt: „Entschuldigung…“

Während Ryozuki und Dr. Amaroshi ihm zuschauen, fährt der Metallweg, auf welchem sie stehen, nach oben und Yoru, Model J3sR, beginnt zu laufen. Ein Schritt, zwei Schritte, drei Schritte. „Lauf durch den Tunell. Du solltest durch ihn irgendwo in der Innenstadt rauskommen. Gehe von dort zum Berg neben den Devout-Komplexen!“ Er nickt und begibt sich in den Tunnel. Die Mauern von diesem sind so, wie die Gänge, die er entlanggelaufen ist. Metallisch, voller Lichter, Gläser, Röhren und mehr.

Während seinem Weg durch den Gang bekommt er Angst. Er fährt dieses gigantische Etwas. Er fährt es, könnte ganze Städte vernichten, tausende Leben nehmen. Gewollt oder aus Versehen. Doch umso mehr er darüber nachdenkt, umso sicherer fühlt er sich. Die Häuser haben ihre Devout-Schilde aktiv, die Menschen befinden sich in ihnen. Es kann also nichts passieren. Das einzige, was passieren könnte ist, dass er stirbt. Und das ist ein Verlust, mit welchem er leben kann.

Das Licht vom Ende des Tunnels ist zu sehen und er beginnt zu rennen. Immer und immer schneller. Und das Licht kommt immer und immer näher. Und als er draußen ist und das Licht seine Sicht für einen kurzen Augenblick sofort einnimmt, kommt alles zum Vorschein. Der Apostel am Horizon, darunter der Wolf und Model 77.

Model 77 schaut für einen kurzen Augenblick zu Model J3sR und dann wieder zu den Aposteln. Sein Kampf geht weiter, doch der von Yoru beginnt erst. Er schaut zum Devout-Komplex. Doch dort steht niemand. „War klar“ sagt er leise und enttäuscht und begibt sich daraufhin zum Berg neben diesem. Die ersten Schritte an der Öffentlichkeit. Sie fallen schwer, doch machbar.

Auf den Straßen stehen teils Autos, auf die er tritt. Doch er spürt sie kaum. Seine Kraft realisiert er erst jetzt. Er ist dieses Etwas. Er ist in diesem Moment mächtiger, als es tausende, millionen, milliarden Menschen vor ihm waren. Und diese Kraft muss er nutzen, um der Welt zu helfen. Und so läuft Model J3sR weiter, den Berg hoch, an Häusern vorbei bis zur Spitze. Während seinem Weg bemerkt er eine Gruppe an Lastwägen, die die Straßen hochfahren. Sie transportieren Teile einer im Größenvergleich gigantischen Waffe.

Als er an der Spitze ankommt, hört er eine Stimme. Es ist die Stimme einer Frau, die ihm sagt, was er zu tun hat. „Du bist der, ja? Yoru Sazuki?“ „Richtig.“ „Gut. Hör mir gut zu. Die Lastwägen stehen alle vor dir. Richtig?“ „Vier Stück. Genau“ sagt er. „Nimm den Griff vom dritten Lastwagen und setze den Kern vom ersten Lastwagen dran. Nutze dann das Teil vom zweiten Lastwagen als Ummantelung und das vom vierten Lastwagen als die Spitze, die den Schuss spiegelt, konzentriert und abfeuert. Verstanden?“

„Ich-.. Ich glaub schon.“ „Gut. Viel Glück.“ Er nimmt ein dunkelblau-graues Teil, was wie die Halterung einer Pistole ausschaut, nimmt einen orangenen Kern vom ersten Wagen, welchen er an einer bestimmten Stelle reinschiebt, nimmt eine Art längliche Röhre, die er darüber schiebt und eine zulaufende, runde, schwarze Röhre, die er an die kegelförmige Öffnung des dritten Teils packt.

Was er in den Händen hält schaut aus wie eine sehr lange Schusswaffe. „Okay. Als nächstes nimmst du die Waffe und versuchst dich mit ihr zu synchronisieren. Wenn du das erfolgreich erledigt hast, solltest du die genaue Schusslaufbahn berechnen können und so in die direkte Mitte von Argyz, dem pinken Aug-Apostel, schießen.“ Er hat Panik. „Wie Synchronisiere ich mich mit der Waffe?“ „Dir wurde das nicht gesagt?!“ fragt die Frau in einem lauten Ton. „N-Nein.“ „Gottverdammt. Konzentriere dich einfach auf die Waffe und versuche es.“ „Verstanden.“

Das letzte Wort, ‚Verstanden‘ er sagte es in einem Stolzen, selbstsicheren Ton. Doch er ist alles andere, als selbstsicher. Die Leben von tausenden Menschen liegen in seinen Händen. Umso länger er sich Zeit lässt, umso größere Folgen kann es haben. Er muss es so schnell wie möglich hinbekommen. Aber wie?

Er versucht es, schaut die Waffe an, stellt sich vor, wie es wäre, sie zu benutzen, aber es bringt nichts. Alles bringt nichts. „Wie soll ich-… Wenn es mir noch nicht einmal-… Sie werden alle denken, dass es meine Schuld ist. Es wird meine Schuld sein. Wie kann ich-… VERDAMMTE SCHEIßE!“ Er verliert die Kontrolle und alles wird dunkel. „W-Wo bin ich?“ Die Licher leuchten auf und er sieht durch Monitore im Inneren, was der Amb sieht. Und dann versteht er es. Er hat die Kontrolle vom Ambassador verloren.

„Was ist los?“ fragt die Frau. „Ich weiß es nicht. Ich kann ihn nicht mehr steuern. Es ist-… Ich weiß es nicht.“ „Komm erstmal runter. Wir schicken einen anderen Amb los. Okay? Es war eine dumme Idee von Ryozuki, so etwas als die erste Mission zu wählen. Es ist zu viel Druck. Warte einfach. Wir s-ken-..-and-.“ Die Verbindung hört inmitten des Satzes auf. „H-Hallo? H-“ Die Nadel schießt förmlich durch seinen Körper hindurch. Er schreit und hat die Kontrolle vom Ambassador zurückerlangt. Oder hat er das gar nicht?

Er versucht ihn zu steuern, doch es geht nicht. Stattdessen bewegt er sich von alleine. Er nimmt die Waffe, richtet sie auf den Apostel und schießt. Sie feuert ihr Geschoss ab. Eine gelb-blaue Kugel, schneller als der Blitz. Sie fliegt und trifft. Eine laute Explosion ertönt. Und er rennt los. „Was passiert gerade?“ „Lass das nur meine Sache sein. Du willst doch nicht schlecht dastehen, oder? Dann lass diese mich eine Mission übernehmen. Und alle zukünftigen werden dein sein.

Er rennt den Berg runter und springt. Beim Sprung entstehen zwei Druckwellen im Berg. In der Luft schaut er zu Model 77, der gegen Goliath kämpft. Er landet wenige Meter neben ihm und sprintet auf den Wolf Apostel zu, weicht zwei Angriffen mit seinen Klauen aus und packt den Ober- und Unterkiefer. Der Apostel will sich wehren, doch ohne Erfolg. Model J3sR reißt sie auseinander. Seine Kraft ist stark genug, den Körper vom Kopf bis zur Brust in zwei zu reißen.

Yoru schaut zu, in totalem Schock. Doch es gibt nichts, was er dagegen tun kann. Der Amb nimmt den gespalteten Körper und reißt ihn in noch kleinere Teile. Das Innere ist rosa-rot, wie menschliches und tierisches Fleisch. Er packt es und führt seine Hand in Richtung seines Gesichts. Die JAEO Mitarbeiter, die dort oben auf dem Berg stehen, gemeinsam mit Kano und Misaki, schauen nur zu. „Er wird doch nicht-…“

Er nimmt das Fleisch, öffnet seinen Mund und schiebt es hinein. Yoru schmeckt es und muss fast brechen. „Ich.. will sterben.“ Aber Model J3sR macht weiter. Mit jedem Mal Kauen wird der Geschmack intensiver und die Konsistenz seltsamer. In diesem Moment war es der Ambassador, welcher die Bestie war und sich auch so verhält. Wie ein Tier, welches über seiner Beute steht und sie Frisst. Model 77, Tenshi, schaut ihm zu und kichert.

Das letzte, an was sich Yoru erinnern kann ist, wie die Bestie das Fleisch schluckt und er ohnmächtig wird. Nun ist er wieder hier, im Bauch des Ambassadors, irgendwo über ihm Tenshi und in Schock. „Ich hab-… Nein. Der Amb hat-…“

…..

Er geht erst mit dem Oberkörper nach vorne, winkelt das rechte Bein an und steht auf, lauft zur Leiter, klettert diese hoch und wird von Tenshi gegrüßt. „Und? Erinnerst du dich wieder? Ohne dich wäre ich eventuell gestorben. Daher: Danke.“ Er lächelt, als wäre alles normal. Aber nichts ist normal. „Kein Ding… Sollen wir zurück zu Shiro gehen?“ „Besser wäre es. Sonst fährt er noch ohne uns los.“

Was meinen sie? ‚Sie sind ohne uns losgeflogen?“ „Es ist so, wie ich es ihnen sage, Niluto. Wir sind ein paar der letzten Menschen in Osaka. Von den rund zwei Millionen sind nur noch 500.000 hier. Nach Schätzungen.“ „Sie flüchten. Die flüchten vor dem Ort, den sie mitgeschaffen haben. Ryozuki, das sollte illegal sein. Das sollte-“ „Was macht es schon? Die Menschliche Rasse ist ihnen unterlegen. Sollen sie flüchten. Feiglinge und Narren leben länger. Wir Menschen sind so. Kopieren, was wir nicht verstehen in der Hoffnung, es nun zu verstehen. Wissen wir, was wir tun?“

„Wissen die Apostel, was sie tun?“ fragt Niluto. „Kann gut sein. Oder vielleicht auch nicht. In Zeiten wie diesen weiß vermutlich niemand, was er tut. Aber wir müssen aufpassen. Wenn sie auch dieses Polygon zerstören, stehen die Chancen für einen Sieg von unserer Seite sehr schlecht. Fast schon unmöglich.

„Wie haben recht… Menschen flüchten aus ihrer Kreation. Gewollt und ungewollt. Das ist nichts neues. Adam und Eva wurden aus dem Garten Eden verbannt. Als es die späteren Menschen gab, wollten sie gehen. Der Auszug aus Ägypten. Heutzutage verlassen sie Städte, vor einem halben Jahrhundert sogar den Planeten selbst. Diese Stadt ist wirklich ein Schandfleck.“ „Ein gewaltiger, sogar. Aber es ist unser Schandfleck. Und wenn irgendwann mal alles vorbei ist, wenn wir gesiegt haben, dann blicken wir auf die Zeit zurück und realisieren, wie falsch wir doch lagen.“

Tenshi und Yoru laufen den Gang zum Tunnel entlang, in welchem Shiro geparkt hat und steigen in sein Auto ein. „Und? Was habt ihr gemacht?“ „Private Angelegenheiten, Mister Akasa. Private Angelegenheiten.“

Hinterlasse einen Kommentar