Devout Mecha Exodus Chapter 6 – Hitze

Yoru, Masaaki und Kanaye erschrecken. „Wow. Das war laut“ meint Kanaye und öffnet die Tür. „Es windet heute aber auch echt stark.“ Masaaki hat recht. Seit heute Morgen kommen vereinzelnd starke Windzüge. Gegen 15:00 Uhr soll ein Gewitter über Osaka hinwegziehen.

Die Drei laufen als letztes die Treppen runter und finden auf dem Pausenhof eine lange Schlange vor. Sie stehen an einem kleinen Hotdog-Stand an, welcher vor dem Schulhof steht. „Wieso sind so viele scharf auf Hotdogs?“ fragt sich Yoru und läuft nichtssagend mit seinen Freunden weiter. Sie setzten sich wieder auf die Bank, auf welcher sie schon in der ersten Pause saßen und genießen noch immer das Wetter. Mittlerweile schwebt die Sonne irgendwo hinter der Schule.

„Denkt ihr wir werden jemals bekannt sein?“ „Wo kommt das jetzt so plötzlich her, Masaaki?“ „Ich meine ja nur. Wir kommen und gehen. So viele verlassen diese Welt, ohne etwas großes zu hinterlassen.“ Gedanken, welche Yoru schon lange hatte, aber sich nie getraut hat, diese bei anderen auszusprechen. „Wir sagen, alle Menschen sind gleich viel wert. Aber in Wirklichkeit sind nur die bekannten etwas wert“ sagt er leise und Masaaki nickt mit dem Kopf.

„Irgendwie ist das ganze Leben so seltsam. Wir sind irgendwo auf einem Planeten, Gott selbst, mit seinen Engeln, ist unser Feind, wir kämpfen mit irgendwelchen Robotern gegen sie, haben ein eigenes Militär, so viele Länder sind tote Wüsten. Was ist der Sinn von allem?“

Während sie reden und überlegen, bemerkt Yoru zwei Personen in ihrer Nähe, die miteinander reden. Einer von beiden ist Tenshi. Der andere, der Amerikaner, Jack. Auch er scheint leicht am Gesicht verletzt zu sein. Und auch er steuert einen Amb. Aber Tenshi, er hat keine Schramme. Zumindest keine offensichtliche.

Kanaye steht auf. „Irgendwie wäre ein Hotdog gerade doch ganz lecker. Ich hol mir kurz einen.“ „Ich mir glaub auch“ meint Masaaki und steht ebenfalls auf. „Oder soll ich sitzen bleiben, Yoru?“ „Nein, nein. Du kannst dir ruhig einen holen.“ „Perfekt.“

Die beiden gehen und laufen an Tenshi und Jack vorbei. Tenshi bemerkt Yorus Freunde und schaut, von wo sie kamen. Und als er in die Richtung schaut und Yoru sieht, läuft er zu ihm. Jack direkt hinter ihm.

„Und? Was hat er gesagt?“ fragt Tenshi. „Wer? Ryozuki?“ „Ja. Bist du jetzt bei JAEO? Hab seit gestern nur wenig mitbekommen.“ Yoru nickt mit dem Kopf. „Bin ich. Himari sagte mir auch schon, dass ich wahrscheinlich einen der Ambassadors steuern soll. ‚Model J3sR‘ hieß er, glaub ich.“ Tenshi schaut ihn leicht verwundert und sorgsam an. „Das Grundmodel? Er wurde modifiziert, aber als einziger noch nie getestet. Es kann gut sein, aber wäre auch gefährlich.“

„Apropos“ meint Yoru und überlegt, wie er am besten fragen kann. Während er nachdenkt, setzen sich Tenshi und Jack neben ihm hin. „Himari hat ja.. viele Verletzungen. Und Jack hatte auch eine am Gesicht. Das kommt aber nicht von den Ambs, oder?“ Jack beugt sich leicht nach vorne und schaut Yoru an. „Ein.. Ein wenig schon, doch. Vor allem bei Himari.“

Das letzte, was Yoru in diesem Moment hören wollte.

„Aber.. Wieso hat sie so viele? Und du hast nur eine und Tenshi gar keine?“ fragt er Jack. Aber bevor Jack antworten kann, legt Tenshi seine linke Hand auf Yorus Bein und zieht mit seiner rechten ein Teil seines Shirts hoch. Alles ist bläulich mit roten flecken, Adern ziehen hindurch und pulsieren und Teile der Haut sind sehr rau. „Das gehört dazu, wenn man diese Wesen steuert. Alles was sie abbekommen, bekommst auch du ab. Und wenn man gegen gigantische Monster kämpft, die teils größer sind, als man selbst, dann passiert sowas recht schnell. Aber mach dir keine Sorgen. Tut kaum weh.“

Tenshis Verletzungen schauen schlimmer aus, als die von Himari. Sie schauen schlimmer aus als vieles, was Yoru bis jetzt sah. Doch bevor er noch weiter schauen kann und es eventuell andere Leute sehen, zieht Tenshi sein Shirt wieder runter. „Die Sache bei Himari ist, dass sie öfters weiter oben getroffen wird. Daher die Verletzungen. Aber es variiert auch sehr. Ich wurde zum Beispiel fast nie getroffen. Das hier ist meine erste, richtige Verletzung“ erklärt Jack.

„Dazu kommt,“ meint Tenshi, „dass Himaris Amb eher schnell und dafür sehr schwach ist. Deshalb sind Treffer, die sie abbekommen, deutlich sichtbarer als die, die zum Beispiel Jack abbekommt. Seiner ist eher geschützt und kann fliegen, dafür ist er langsam. Meiner ist eher mittelmäßig geschützt, dafür recht stark. Sie haben alle Vor- und Nachteile. Model J3sR wiederum… Ich weiß nicht, wie man das am besten sagen kann. Er ist alles. Gut geschützt, kann fliegen, ist schnell und stark. Er hat quasi keine Nachteile. Und genau das ist sein Nachteil. Der Feind kann sehen, dass er der beste von allen ist und konzentriert sich nur auf ihn. Wenn wir eine Gruppe an Engeln haben, werden die meisten auf ‚Jester‘, das ist sein Spitzname, gehen. Und bei zu vielen Angreifern bringen die ganzen Vorteile eher weniger. Deshalb sollten die übrigen Ambs Jester beschützten.“

Der Name ‚Jester‘ macht also wirklich sinn. Eine spaßige, nicht ernstzunehmende Kreatur, die besser ist, als alle anderen. Er weiß es. Und die Anderen ebenso. Doch die meisten Angriffe gehen auf ihn. Es ist die wilde Karte, bei welcher man nicht weiß, ob sie gut enden wird oder einem selber schadet.

„Wann wirst du zum ersten Mal steuern?“ fragt Jack. „Ich weiß noch gar nicht, ob ich überhaupt ein Pilot werden soll. Sagt man das so? ‚Pilot‘?“ „Kann man sagen, ja.“ „Gut. Herr Ryozuki meinte, ich sollte heute Abend zu ihm kommen. Aber er sagte keine genaue Uhrzeit.“ „Auffällig“ meint Jack und schaut zu Tenshi, der daraufhin nur mit den Schultern zuckt. „Es wird schon alles gut Enden. Wo wohnst du eigentlich gerade, Yoru?“

„Ryozuki sagte, ich soll zu Shiro ziehen, damit ich schneller bei JAEO sein kann, falls etwas passiert.“ Tenshi kichert und Jack überlegt. „Aber dann-… Warte mal. Du wohnst mit Himari zusammen?“ Beschämt nickt Yoru leicht mit dem Kopf. „Aber konzentrier dich bloß auf die Missionen. Okay?“ „Werde ich. Falls ich überhaupt ein Pilot werde. Wo wohnt ihr überhaupt?“ „Im selben Gebäude“ meint Tenshi. „Ich glaube sogar genau eine Etage über Shiro. Also auch über dir.“

„Gleich nebenan“ sagt Jack. „Oh, wirklich?“ „Ja. Ich passe dort auf meine Schwester auf. Wir leben dort alleine. Aber wenn ich wollen würde, könnte einer von JAEO vorbeikommen und auf sie aufpassen. Tenshi wohnt, glaub ich, auch alleine. Oder?“ fragt Jack ihn. „Ich hab anfangs mit jemandem zusammengewohnt, aber er zog später direkt in das JAEO HQ selbst und seitdem lebe ich alleine. Er hieß Niluto. Ein netter Mann, wenn nicht auch von seiner Arbeit besessen.“

Sie reden ein wenig weiter, bis die Pause endet und die letzten zwei Stunden beginnen. „Bis später“ meint Yoru und sie verabschieden sich voneinander. Die letzten beiden Stunden sind eher langweilig. Sie zeichnen. Das Thema ist Landschaften. Während die Meisten probieren, normale Landschaften von Flächen, Bergen und Wäldern zu malen, probiert Yoru etwas anderes. Eine große Landschaft, die mit dünnen Türmen übersehen ist, im Himmel fliegende Kugeln, die als Gebäude dienen, an Land mehrere Maschinen.

Er ist nicht gut im Zeichnen. Trotz dessen ist er mit seinem Werk zufrieden. Und als auch die letzte Stunde vorbei ist und er mit Himari zum Parkplatz läuft, sieht er weder Shiro, noch eine andere Person von JAEO. Himari holt ihr Handy raus und meint sofort: „Verdammt. Er kann uns nicht abholen. Heute Mittag ist ein wichtiges Treffen. Wir müssen also alleine nach Hause kommen. Du kennst den Weg, oder?“

Yoru denkt nach. „Ich kann ihn mir denken.“ „Komm einfach mir.“ Sie läuft vor und er folgt ihr. Sie laufen an den Mauern entlang und über die Straßen, bis sie an einer Stelle links abbiegen. Es ist heute besonders warm. Die Grillen zirpen. Sie haben ein dauerhaftes Hitzeflimmern. „Nicht mehr lange“ meint sie und versucht gegen die Hitze anzukommen.

„Wieso ist es-.. Heute so warm? Gottverdammt. Wir haben Anfang März. Es waren Wochenlang nur vier bis sechs Grad. Wieso sind es heute dann 35 Grad?“ Sie laufen bis zu mehreren Stühlen und Tischen, die unter einer Pergola stehen. Sofort setzen sie sich dort hin, holen ihre Wasserflaschen raus und trinken im Schutz der Sonne. „Endlich. Gott, das tut so gut“ sagt Himari voller Erleichterung und genießt jede Sekunde. „Aber mal ehrlich. Woher kann das kommen?“ fragt Yoru und holt dabei sein Handy aus der Tasche. „Ich weiß es auch nicht. Das ist aber wirklich nicht normal.“

Er schaut etwas nach und ist geschockt. „Wie kann das sein? Nur hier, nur in Osaka, ist es so warm. In allen anderen Gebieten ist es zwischen drei und maximal neun Grad.“ Sie schaut ihn verwirrt an und holt ihr Handy, um selber nachzuschauen. Und tatsächlich stimmt es, was Yoru sagt. „Das ist nicht normal…“

Sie sitzen noch mehrere Minuten dort. Bis Yoru auf eine Idee kommt. „Es kann nicht an den Aposteln liegen. Beziehungsweise an den Engeln. Oder?“ „Ich weiß es auch nicht. Du müsstest die Leute bei JAEO selbst fragen. Die wissen sowas noch eher, als ich. Aber eigentlich haben Apostel keine Auswirkung auf Luft und Wetter. Aber vielleicht ist sowas bislang noch nie passiert und jetzt ist das erste Mal…“

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