Erdenreise Chapter 2 – Ein langer Fall

Mit seiner Axt zieht Loran los. Die neue Kleidung hält ihn in dieser kalten, einsamen Nacht warm. Es geht zuerst in den dichten Wald hinein, wo er sofort Wolfsgeheule hört und ihm böse Wölfe entgegenkommen. Sie umzingeln ihn und sprinten nacheinander auf ihn zu. Doch er erlegt sie mit seiner neuen Waffe im Handumdrehen. „Euch hab ich’s gegeben! Mit diesen Moves habt ihr nicht gerechnet! Das weiß ich genau! Aber jetzt gehe ich lieber wirklich weiter. Bis zum Schloss ist es noch ein gutes Stück.“ Und er zieht tatsächlich immer weiter durch den Wald hindurch, an ein paar netten Tieren vorbei, die zu ihm sprechen und ihm von ihren Gefühlen erzählen. Der Bär ist glücklich, ein Vögel sehr angespannt, der Fisch ist traurig. Letzterer schwimmt seit Tagen nur noch im Kreis und wartet darauf, gegessen zu werden. Doch der Bär ist so Glücklich, da hat er kaum Hunger und wenn doch, dann wolle er keinem armen Fisch das Leben nehmen. Nur, dass der Fisch genau dies begehrt. Das ist dem Bären allerdings unklar. „Könntest du mir helfen?“ „Ich kann es versuchen“ sagt Loran und geht zum Bären zurück, um ihm davon zu erzählen. „Der Fisch will also, dass ich ihn esse?“ „Ganz genau!“ „Na wenn das so ist… Einem geschenkten Gaul, dem schaut man nicht ins Maul, sag ich immer!“ Der Bär rennt los, hin zum kleinen Teich, wo der Fisch wartet, schnappt sich diesen und verschlingt ihn am lebendigen Leib.

Der Pelzige versteht nur: „Blub, blub“, Loran allerdings, der mit den Tieren reden kann, versteht klar und deutlich, wie der Fisch: „Dankeschön!“ rief. „Du hast ihm eine große Freude bereitet.“ „Das möchte ich hoffen“ antwortet der Bär. „Ich bin nämlich Vegetarier und esse für gewöhnlich gar keinen Fisch.“ „Mir kannst du keinen Bären aufbinden, Bär! Ich habe dich letztens noch gesehen, wie du das Nachbarsreh verspeist hast!“ „Ups, erwischt! Hahaha. Pass gut auf dich auf. Die Menschenwelt ist ein gefährlicher Ort.“ „Ich werde schon überleben. So schlimm kann es dort nicht sein. Doch nun muss ich weiterziehen!“

Loran geht weiter. Tiefer in den Wald hinein, wo die Eulen rufen und ihm ein böser Bär entgegenrennt. Er zückt die Axt und schlägt sie dem Bären gegen den Kopf, woraufhin dieser umkippt. „Eine weitere Gefahr gebändigt!“ Nicht mehr lange bis zum Schloss. Er kann es alle paar Sekunden durch die Blätter hindurchblitzen sehen. So groß und prächtig. Auch sieht er das Ende des Waldes und einige Treppen, die den Berg hinaufführen. Diese muss er besteigen, dann ist er an seinem Ziel angekommen. Und das schafft er auch. Eine Stufe nach der anderen, bis er vor den Schlosstoren steht und eintritt. „Ist hier jemand?“ Keine Reaktion. „Also nein.“ Er geht weiter, einen Saal entlang, der in einen großen Raum führt. Dort befindet sich ein sechseckiges Podest in der Mitte und drumherum sechs Treppen, die einen dort hochbringen. Als er auch noch diese Treppen hinaufgeht, steht er vor einem tiefen Loch, aus welchem Licht hinausscheint. „Das ist sie also? Die Menschenwelt… Ja, dort muss ich hin!“ Er springt hinein, fällt, fällt weiter, immer tiefer, bis er plötzlich auf einem kleinen Feld erwacht. Vor ihm ein Mann. „Da zwickt mich doch der Storch, wer bist du den, Bursche?“ „L-Loran.“ „Loran? Was’n dat für ’n bescheuerter Name. Ich heiß‘ John. Willkommen in Amerika, Freundchen. Gleich beginnt die Entenjagt. Machst mit?“

„E-Entenjagt?“ „Haja! Wir nehmen uns’re Waffen und ballern den Tieren Blei in den Körper. Dann sterben sie und wir haben davon was zu essen.“ „Ich-… Von was für Waffen ist hier die rede? Bleipfeile und Bögen?“ „Ha was soll das denn sein? Leben wir hier im Mittelalter? Das ist ’n paar Jahrzehnte her. Wir sind freie Männer und zur Freiheit gehört, immer ’ne schöne Schrotflinte dabei zu haben. Dafür haben wir vor etwa 200 Jahren gekämpft! Jetzt komm mit, Knirps. Wir ballern ein paar Enten nieder! So mager wie du bist hast du bestimmt seit Wochen nichts gegessen. Wir kochen dir mal was schönes, ja?“ „D-Dankeschön.“ „Wieso so formal? Ich sag’s gern nochmal. Wir sind hier in Amerika – die Hauptstadt der Welt. Oder viel eher Hauptland der Welt. Wir sind die besten und können uns alles rausnehmen. Die Formalitäten ließen wir schon lange hinter uns. Aber jetzt zackig! Die Enten warten auf uns! Karl! Stan! Ladet die Revolver!“

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