Aus der gigantischen, schwarzen Wolke draußen, welche aus den kleinsten Teilen verschiedener Baustoffe, wie Eisen, Holz und vielem mehr, schaut Yoru weiter aus dem Fenster. Die Wolke zieht hinter ihnen davon und die Magnetbahn fährt mit einer enormen Geschwindigkeit weiter. Zielpunkt wird Bezirk I2, wo sich einst Hangar 777 befunden hat und wo nun die Überreste liegen sollen.
Die Fahrt wird lange dauern. Aber das ist okay. Ich kann überlegen, eventuell auch Dinge planen oder mit Jaster reden, wenn das irgendwie klappt. Aber… Es ist immer noch komisch. Ich weiß, wie ich damals hier aufgewacht bin, planlos, in dem Graben, der als Ebene eins gilt. Die Graben, an denen gebrechliche, wackelige Holzhütten stehen und als Häuser der Obdachlosen gälten. Erst ab Ebene zwei beginnt fester Boden. Ebene zwei ist die Ebene, auf welcher alle folgenden Ebenen aufgebaut sind.
Alle Seiten sind mit Häusern gefüllt, die mindestens 100 Meter in die Höhe ragen. Plattformen, die mit Pfosten und antrieben halten, gälten als die Ebenen. Vor allem auf Ebene zwei und drei befinden sich viele Shops und billige Restaurants. Menschen der ersten Ebene sind auf Ebene zwei, drei und vier nicht gerne gesehen. Sie werden sofort niedergeschossen und oder verhaftet. Menschen der zweiten Ebene sind anders.
Wenn sie sich auf Ebene drei befinden, werden sie je nach ihrem Aussehen beurteilt. Wenn sie gut aussehen, Klamotten tragen, die einen Wert haben und allgemein ein gutes Erscheinungsbild haben, dürfen diese sich auf Ebene drei aufhalten. Und die, die kein gutes Erscheinungsbild haben, werden ebenfalls niedergeschossen oder verhaftet. Menschen der dritten Ebene jedoch sind auf Ebene vier nicht gerne gesehen.
Die vierte und fünfte Ebene sind eigene Ebenen, die niemanden, außer Personen ihres Gleichen sehen wollen. Hier werden Menschen nicht mehr kaltblütig getötet. Hier gelten Regeln, Ordnung, Charm. Hier beginnt das, was diese Stadt sein sollte. Eine Metropole der Zukunft. Ein futuristisches Paradies. Aber Rassentrennung ruiniert alles.
Ich kann mich erinnern, wie wir unseren Angriff auf den Turm von Doth Lyrus geplant und durchgeführt haben. Und, wie die Stadt froh war. Er ist es, der alle hindert. Der alle von einem guten Leben abhält. Aber… Wieso hat mich Jaster hierher gebracht? Er meinte, dass ein Gott, der in diesem Polygon ein mächtiger Dämon wäre, hierher gereist ist und seinen Körper gewechselt hat. Oder?..
„Genau“ sagt Jasters Stimme in meinem Kopf. „Er hat wortwörtlich seinen Körper aus diesem Polygon gelöscht und mit seinem richtigen Körper aus dem Nexxuz Prime ersetzt. So, wie Zenelith auch.“ Aber wer? Und wo ist er? „Sein Name ist ‚Agruz‘ und er war im Nexxuz ein normaler Gott, der oft Aggressionsprobleme hatte. Deshalb sollte er über dieses Polygon wachen. Aber ihm war langweilig und dann kam er hierher, als er bemerkte, dass er in diesem Polygon ein Dämon ist. Seinen Körper hat er ersetzt, aber die Merkmale, wie Hörner und Co, werden angepasst. Hat was mit Rollen zu tun, und so Zeug. Auf jeden Fall: Er hat jetzt vor, das Polygon zu zerstören. Wo er genau ist weiß ich nicht. Aber er soll auch als Ziel haben, zuerst Doth Lyrus zu töten, die Stadt ins Chaos zu stürzen und dann alles und jeden auszulöschen.“
Wie können wir das verhindern? „Ich weiß es auch nicht. Töte Doth Lyrus vor ihm. Oder finde was über ihn heraus. Warte vielleicht vor dem Saal von Doth Lyrus und fange Agruz ab, um ihn zu töten. Vielleicht kannst du ihn gar nicht töten. Fragen über Fragen. Finden sie es beim nächsten mal herauf, bei einer weiteren Folge von: Das unglaubliche Leben Yorus, und seine bizarren Abenteuer.“
Jaster verschwindet aus Yorus Kopf und dieser schaut weiter aus dem Fenster der Schnellmagnetbahn. Die Sonne fällt langsam und sie verlassen das Herz der Stadt. Die Gebäude werden stetig weniger, bis nur noch vereinzelnd welche gen Himmel stehen. Der Boden wird gebrechlicher, bis er ganz verschwindet und durch roten Sand und Stein ersetzt wird. Die bahn befindet sich in einer Art roten Wüste. Im Hintergrund sieht man die canyonartigen Berge, über welche die Sonne ihre letzten Strahlen verteilt.
Und nur wenig später verschwindet sie komplett hinter ihnen. Die Luft ist gefüllt mit Staub und Sand, welche die Bahn aufwirbelt. Die Schienen werden höckeriger und geben seltsame Töne von sich. Bis die Bahn hält, inmitten der Wüste, an einer Haltestelle, die irgendwo im Nirgendwo steht. Drei Personen steigen aus und nur noch ich und das Mädchen von vorhin sitzen da.
Und die Fahrt geht weiter. Durch das immer dunkler werdende, kalte Ödland. Vorbei an einzelnen Tierarten und durch Ruinen einer alten Zeit hindurch bis an die nächste Haltestation. Doch das Mädchen steigt noch immer nicht aus. Folgt sie ihm? Hat sie die selbe Station wie er als Ziel? Er wird paranoid.
Wieso sollte ein Mädchen allein, in der Nacht, in eines der Abgelegensten Gebiete reisen? Oder hat sie dort doch irgend etwas vor? Ich überlege weiter. Bis plötzlich über die Lautsprecher Musik gespielt wird. Sie ist beruhigend.
Die restliche Fahrt über läuft die Musik. Und irgendwann, nach einer 4 Stunden Fahrt, hält die Bahn an Yorus Haltestelle. Er steht auf, doch zur selben Zeit steht auch das Mädchen auf. Sie beide verlassen die Bahn und er läuft los. Wo Hangar 777 steht, weißt er noch. Er musste mehrere Male hierher fahren.
Bevor er losläuft, schaut er ein mal zum Mädchen. Sie ist an ihrem Handy und scheint mit jemandem zu schreiben. Er geht los, über die Straßen auf Ebene 2, wo noch Bodenfahrzeuge fahren. Als er an einer Ampel ankommen, muss er warten. Schritte ertönen neben ihm und als er kurz nach rechts starrt, sieht er erneut das Mädchen mit kürzeren, braunen Haaren und Brille.
Nervös schaut er wieder gerade aus und wartet, bis die Ampel grün wird. Und als sie es wird, geht er weiter, mit dem Mädchen an seiner Seite. Gemeinsam laufen sie den selben Weg entlang, über die selben Prothenographenwege und Gassen, bis sie an einem großen Tor vor einer großen Fläche ankommen, auf welcher einst ein großer Hangar stand, in welchem Pläne geschmiedet und Geheimnisse gepflegt wurden. Und noch immer steht das Mädchen neben ihm. Sie hatten also doch das selbe Ziel.
„Wieso bist du hier?“ fragt sie ihn. „Wieso bist du hier?“ Aber sie antwortet nicht. „Hast du sie gekannt? Die Leute hier?“ Genervt antwortet Yoru: „Ja, ich hab zu ihnen gehört. Bis ich alles heraufgefunden habe.“ Und erst nachdem er es laut gesagt hat, hat er realisiert, dass er vielleicht einen großen Fehler gemacht hat. Was, wenn sie zu Doth Lyrus gehört? Wenn sie ihn jetzt töten will, oder verrät?
„Du weißt also von ihren Machenschaften. Und du bist deshalb rechtzeitig gegangen. Das ist eigentlich Perfekt. Sie waren unsere größten Widersacher, wenn es um die Befreiung der Stadt geht.“ Was meinst sie damit? Gehört sie zu einer anderen Gruppe, die die Stadt befreien will? Wenn ja, zu welcher?
„Wer bist du?“ „Ich heiße Nanago. Und ja, es wird ‚Na-nago‘ gesprochen. Und ich gehöre zu einer kleinen Gruppe, die zwei Ziele hatte: Die Rebellen des Hangars 777 und Doth Lyrus zum Fall zu bringen. Das mit dem Hangar wäre schon erledigt. Auch, wenn es nicht ganz unser verdienst war. Wer bist du?“
„Yoru Sazuki. Ich hab-.. Ich war kurzzeitig Teil vom Hangar 777, bin aber wieder recht schnell gegangen und.. suche einen neuen Weg, diese Stadt zu befreien.“
„Das ist ja perfekt. Trete uns bei. Wir können jedes Mitglied gebrauchen. Und ich habe gesehen, dass du Erashin beherrscht. Ich hab deinen kleinen Kampf aus der Bahn beobachten können. Nur noch wenige beherrschen sowas und dadurch bist du nochmal besonders wertvoll für unser Team.“
Soll ich ihnen beitreten? Es wäre der einzige Weg, schnell Teamkollegen zu bekommen. Eventuell sind sie eine versteckte Perle und haben bereits Equipment und einen guten Plan. Schaden kann es auf keinen Fall. Und… irgendwie wirkt sie auch recht nett.
„Ich würde gerne beitreten, ja. Wenn ich darf, natürlich.“ „Perfekt. Das ist sehr gut. Jede Hilfe ist eine große Hilfe. Jetzt müssten wir nur… Wir müssten irgendwie wieder zurück kommen. Unser Versteck ist in Gebiet D3. Bis wir zu Fuß dort sind, ist ein Tag vergangen. Selbst mit der Schnellbahn würde es sehr lange dauern. Wir sollten erstmal hier irgendwo in der Nähe übernachten. Aber wo?…“
Yoru überlegt und erinnert sich. „Ich kenne ein Hotel“ meint er. „Puh. Nochmal glück gehabt. Über unsere Gruppe erzähle ich dir dann dort mehr.“
