Wir wachen auf den Treppen sitzend vor dem Museum wieder auf. „Wow. Ich dachte ich würde sterben“ sagt Itsuki. „Ich dachte ich bin gestorben“ meint Akihiro. „Wie spät ist es?“ frage ich, während ich auf die Uhr meines Handys schaue. „In 15 Minuten geht der Unterricht los. Wir sollten es gerade noch so schaffen.“
Wir laufen los, mit einem hohen Schritttempo, und kommen gerade noch so an. Vor der Schule verabschieden wir uns von Leafia und Myerlien, welche als nächstes zu mir nach Hause gehen und dort warten.
Wir laufen die Treppen hoch und kommen zur selben Zeit wie der Lehrer vor der Klassenzimmer Tür an. „Gerade noch so“ meint er, lacht und hebt uns die Tür auf. Wir bedanken uns.
Jeder setzt sich an seinen Platz und der Lehrer spricht die Worte, welcher wohl niemand gerne hört: „Gruppenarbeit.“ Verdammte Scheiße. Ich hoffe nur, dass ich mit Itsuki in einer Gruppe bin. Selbst mit Akihiro wäre okay. Aber nicht mit jemandem, mit dem ich wenig zu tun habe. Genaugenommen habe ich mit niemandem etwas zu tun. Ich nahm mir nie die Zeit mit den anderen zu reden.
„Zweiergruppen. Ich lese jetzt die Gruppen vor!“ Bitte einfach die beiden. Bitte!
Er liest Gruppe nach Gruppe vor. Bislang kam keiner von uns drein dran. Bis… „Akihiro und Itsuki.“ Ist das sein Ernst? Ist das sein scheiß Ernst? Er nimmt beide in eine Gruppe?

Maya
Und gleich daraufhin: „Hitachi und Maya.“ Alle schauen mich an. Manche lachen, andere schauen seltsam. Ich bin mit dem für mich hübschesten Mädchen der ganzen Schule in einer Gruppe. Wow.
Lange, dunkelbraun-gräulich Haare, zwei Zöpfe, dunkelblaue Augen, eine kurze Hose und dunkle thigh highs, ein schwarzes Shirt und große…. Augen.
Wir sollen alle unsere Tische aus den Zimmern tragen. Im Schulgebäude bemerken wir, dass auch die anderen Klassen ihre Tische raus tragen.
Wir verbringen die ganze erste Stunde damit, die Tische einzeln nach unten in einen großen, leeren Raum zu tragen. Daraufhin kommen Leute mit Doppeltischen angelaufen. So, wie man sie unter anderem auch in Europa hat.
Sie tragen sie in unsere Klassenzimmer. Als sie fertig sind sagt der Lehrer: „Wir probieren mal etwas anderes und passen uns den europäischen Schulen an. Ab sofort sitzt ihr mit eurem Partner zusammen an einem Tisch und teilt euch alles.“
Das darf nicht wahr sein.
Wir setzen uns an den Tisch ganz hinten links. Da, wo ich schon zuvor saß. Sie sitzt am Fenster. Und ich rechts von ihr. Direkt neben mir ist noch immer William. Vor mir sind Itsuki und Akihiro. Itsuki dreht sich um und sagt: „Herzlichen Glückwunsch.“
So, dass es auch Maya hören kann. Schlimmer kann es nicht mehr werden.
Da sitze ich. Neben einem der schönsten Mädchen die ich und viele andere jemals gesehen haben. Ich, der es nicht mal hinbekommt mit Leuten eine Konversation anzufangen. Und mit ihr soll ich mir jetzt Schulbücher teilen?
„Welche bringst du mit?“ frägt sie mich, als wäre es das normalste der Welt. Nun, es ist vielleicht auch das normalste der Welt. Aber trotzdem.
„Welche willst du mitbringen?“ frage ich sie. „Ich nehme Mathe, Biologie, Japanisch und Naturwissenschaft. Kannst du den Rest mitbringen?“ „Natürlich.“ Wenn es nach mir geht könnte ich auch alles mitbringen. Ich hatte nie wirklich ein Problem mit der Menge der Bücher, die wir tragen mussten.
„Jetzt wo wir Nebensitzer sind, sollen wir uns besser kennen lernen? Oder…“ frägt sie mich, woraufhin der Lehrer ruft: „Zum Anfang, redet erstmal mit euren neuen Nebensitzern und lernt euch besser kennen. Und falls ihr bereits Freunde seid, egal.“
„Oh, wie passend“ lacht sie. „Also. Was machst du so in deiner Freizeit?“ Wie soll ich darauf antworten? Was mache ich in meiner Freizeit? ‚Durch Welten reisen, zusammen mit einem Fuchs, einer Elfin und 2 aus dieser Klasse, und wir sammeln magische Splitter die wünsche erfüllen können um einen uralten Typen zu töten, der gleichzeitig ein Teil meiner Familie ist, aber irgendwie auch nicht‘? Das kann ich, logischer Weise, unmöglich sagen.
„Schreiben, Animes schauen, Mangas lesen. Das übliche“ antworte ich. Das sollte eine realistische Antwort sein. „Du auch?“ frägt sie. „Ich mach auch nicht wirklich viel, außer Animes schauen und Mangas lesen… Kennst du Seguni?“ frägt sie mich leise. „Oh mein Gott, ja! Aber es wurde am der siebten Staffel etwas seltsam.“
„Ich weiß, aber ab der achten ging es tatsächlich wieder. Die neunte war aber echt gut“ sagt sie. Als ob jemand wie sie ein ähnliches leben führt, wie ich. „Hast du Dalmore den Film gesehen?“ frage ich. „Ja, das Ende war zum Heulen. Aber nicht weil er so schön war. Es hat einfach keinen Sinn gemacht.“
„Ich weiß, aber genau das soll ja der Sinn dahinter sein. Es ist seltsam. Aber ich mag es.“ „Ich auch.“
Plötzlich drehen sich Itsuki und Akihiro um. Itsuki schaut mich an. „Nah, schon ein schönes Gesprächsthema gefunden? Wann findet die Hochzeit statt? Ich will schließlich dabei sein.“ „Einfach ruhig bleiben. Das wäre für dich am besten“ sage ich zu ihm.
Es klopft an der Tür. „Uh, wer könnte das sein?“ frägt der Lehrer, läuft zur Tür und öffnet diese.
Ich kann meinen Augen nicht trauen.
Ist das sein ernst? Ist das sein gottverdammter Ernst?
Zu sehen ist Zeyneth. Er schaut sich im Zimmer um, bis er Akihiro, Itsuki und mich sieht. „Entschuldigt die Störung“ sagt er. „Doch dürfte ich eine Minute mit Hitachi Sazuki sprechen?“ Natürlich. Doch melden sie sich das nächste Mal bitte vorher. Sie haben Glück, dass für diese Stunde kein Unterricht geplant war.
Ich stehe langsam auf und gehe zu ihm. Ich drehe mich ein Mal um und sehe die Blicke von Itsuki und Akihiro. Sie sind mindestens genau so ängstlich, als meiner.
Zeyneth schließt die Tür und beginnt zu reden: „Diese komplette Schule, ich werde sie alle töten. Deine Freunde, deine geliebten, dich. Außer du gibst mir einen Splitter des Zegunis. Nur einen einzigen. Mehr verlange ich gar nicht. Dafür sollst du aber auch gut entlohnt werden.“
„Wenn ich ihn dir nicht gebe wirst du alle töten?“ „Genau.“ „Hast du nicht vorhin noch gemeint, dass du keine Angst vor mir haben brauchst? Oder besser gesagt vor uns?“
Er schaut zu Boden und atmet tief ein. „Ich will nicht kämpfen. Ich will daraus keinen Wettbewerb machen. Alles was ich tun will ist, meinen Onkel zurück zu bringen. Nicht, damit er Menschen tötet, oder die Welt zerstört. Sondern dafür, damit ich ihn an meiner Seite habe.“
Er will einfach nur ein Familienmitglied zurück. So, wie ich meine Eltern, und vor allem meine Schwester, zurück will.
„Hör mir zu. Ich habe keine Ahnung, was dein Großvater für ein Mann war. Aber wenn es stimmt und er diese Welt zerstören will, dann-“ „Womit?! Wenn ich das Zeguni benutze braucht es mindestens 10 weitere Jahre zum erneuten nutzen. Er hat keine Kräfte mehr. Die Göttin nahm ihm alle die er hatte. Er kann keine Bedrohung sein.“
Stille.
„Meine Eltern. Wenn du nicht kämpfen willst, wieso hast du dann meine Eltern getötet? Wenn du selber nur jemanden aus deiner Familie zurück willst, wieso nimmst du dann welche aus meiner Familie?“
Er schaut mich verwundert an.
„Was meinst du? Ich habe nichts gemacht.“ Er lügt.
„Gestern Mittag. Ihre Leichen wurden gefunden. Ich habe in eine Vision gesehen, wie du sie getötet hast.“ Doch sein bereits verwirrter Blick verzieht sich immer mehr. „Ich war gestern Mittag noch immer in Shyn. Ich hab euch bei eurem Kampf gegen Isagus beobachtet.“
Es wirkt fast so, als würde er die Wahrheit sagen. „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen.“ „Wo? In einer Vision? Schon darüber nachgedacht, dass diese Vision womöglich nicht echt war?“
„Aber-..“
„Woher hattest du die Vision? Hat es dir jemand gezeigt? Hattest du sie von dir aus?“ frägt er mich aufgebracht. „I-Ich hab sie von..“ „Ja?“ „Von Jaster.“
Seine Augen weit offen. „D-Du hast mit… Wieso? Wieso hat der Teufel höchstpersönlich mit dir Kontakt? Er hat meinen Großvater getötet. Er hat meinen Vater getötet. Er hat so viele getötet. Unschuldige, nette Menschen. Er hat nur Leute ausgenutzt, er hat nie gutes getan. Wieso also hat er mit dir Kontakt?“
„Ich weiß es nicht. Aber er war nett und hat mir Wege beigebracht, um mit meinem Erashin das Erashin toter Leute zu klauen. Es ist hilfreich.“ Doch Zeyneth schüttelt nur den Kopf. „Das ist Jaster. Er hilft einem so viel, bis man ihm wirklich traut und auch das letzte Bisschen misstrauen davongeflogen ist. Und dann beißt er zu, wie eine Schlange die sich durch die Wege des Universums schlängelt.“
Dann war das alles nicht echt? „Also hat Jaster-…“ „Er hat deine Eltern getötet.“ Und er ist auch für den Tot von Hina verantwortlich.