Kaito sitzt im Bus. Hinterste Reihe, ganz links. Dort, wo am Morgen Tenui saß. Er schaut aus dem Fenster. Viele Autos fahren die Straße entlang. Es staut sich ein wenig. Da öffnen die Türen, die sich bereits geschlossen hatten, noch ein kurzes Mal und vier Leute treten ein. Eine ältere Frau, zwei Kinder und ein ihm vertrautes Gesicht. Es ist Tenui Milangi, der den Gang entlanggeht, bis ganz nach hinten und sich auf den letzten freien Platz neben Kaito setzt, welcher nervös wegschaut.


„Nur keine Sorge. Ich habe dich schon längst bemerkt. Für den heutigen Tag werde ich dich am Leben lassen. Einzig und allein, weil es fast schon traurig wäre, dich unverzüglich zu töten. Doch du hast gehört, was ich sagte. Nicht?“ „W-Wovon redest du?“ Da flüstert er ihm ins Ohr: „Keine Zeugen.“ Verängstigt dreht Kaito langsam den Kopf zu seinem Nebensitzer um, der dort ein breites Grinsen im Gesicht trägt. Der Bus fährt los. Es ist genau, wie heute Morgen. „Soll ich dir etwas verraten?“ „W-Was?“ „In meinen Augen sind wir beide uns gar nicht einmal so verschieden. Im Gegenteil. Wir haben mehr Ähnlichkeiten, als Unterschiede. Und trotzdem bist du dir deiner Situation nicht bewusst. Trotzdem versucht du, etwas zu verändern. Du bist ein Narr. Ein Idiot. Und gleichzeitig bist du ich in so viel besser. Und genau das lässt mich dich hassen, hörst du? Dass wir dieselben Probleme und Nachteile haben, dir das Schicksal in die Hände spielt und ich zu Boden getreten werde. Doch jetzt hat das ganze ein Ende gefunden. Du hast gesehen, was geschah. Du hast diese Kräfte gesehen, die ich seit geraumer Zeit in mir trug. Und nun kamen sie endlich zum Vorschein. Mit ihnen werde ich diese Welt verändern. Diese heldenliebende Zivilisation, die gar nicht erkennt und gar nicht versteht, was da wirklich vor sich geht. Doch ich werde es ihnen klarmachen. Ich werde-“ Ein Signal ertönt, der Bus hält. „Meine Station. Es war nett, einmal so offen mit dir zu reden. Leider wird das wohl unser letztes Gespräch gewesen sein. Schließlich darf es-… Ich muss es kein drittes Mal sagen. Genieß deinen letzten Tag. Und eines empfehle ich dir sehr: Komme morgen nicht zur Schule.“ Er verlässt den Bus und Kaito fährt alleine weiter. Sein Puls ganz schnell, sein Kopf voller Gedanken. Tenui scheint nicht mitbekommen zu haben, dass Kaito ebenfalls innere Kräfte erweckte. Ein Glück. Sonst hätte er ihn mit Sicherheit auf der Stelle getötet. Doch wieso ist dieser Kerl so auf diese Gesellschaft und auf die Helden fixiert? Der Bus fährt wieder los und über eine Brücke, wo Kaito den Fluss darunter erblickt. Wenn der Himmel nicht so düster wäre, könnte das gewiss ein schöner Ausblick sein. Aber so – gepaart mit den Sorgen und Ängsten? Eher ein Albtraum, aus welchem er gerne erwachen würde.
Wieder hält der Bus an. Die Haltestelle gleich neben einem Schnellrestaurant. Bei der nächsten Station muss er aussteigen. Die restliche Fahrt über schließt er die Augen und versucht, zu ruhen. Und als der Signalton dann insgesamt ein drittes Mal ertönt, steht er auf und verlässt mit ein paar anderen Leuten den Bus. Draußen, in der frischen Luft, weiß er kurz gar nicht, wie es nun weitergehen soll. Da packt ihn jemand an der Schulter und spricht: „Komm mit mir mit.“ Erschrocken dreht sich Kaito um und sieht einen größeren Mann, der meint: „Ich weiß genau, was du getan hast. Entweder kommst du mit, oder ich mache dein Leben zur lebenden Hölle.“ „Ich komm‘ mit, ich komm‘ mit.“ Was nun? Ist das ein verdeckter Ermittler? Ein ziviler Polizist? Es geht darum, dass er eine Fähigkeit genutzt hat. Oder etwa nicht? Bloß traut er sich nicht, irgendwelche Fragen zu stellen und begleitet den Mann viel lieber schweigsam. Sie laufen den Gehweg entlang. Rechts die Straße, links ein Abhang, über eine Brücke rüber und hin in den industrielleren Teil der Stadt, wo sich zwischen all den hohen Häusern eine Türe befindet, die jeder anderen gleicht, welche sie betreten und in einem Raum landen, in dem sich fünf Leute befinden. „Oh? Du hast jemanden mitgebracht.“ „Das habe ich. Einer, bei dem ich mir schon von weitem sicher war, dass er ein guter Zusatz für diese Organisation hier wäre.“ „Organisation?“ fragt Kaito und sieht nacheinander in die Gesichter der Personen, die ihn mit einem freundlichen Grinsen willkommenheißen.
Coole Unterhaltung und richtig spannendes Ende
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