Katoku V.1 Ch.9 – Verlust

Schweigend laufen die Polizisten. Wenige Sekunden später kommen Leafia mit Myerlien, Akihiro und Itsuki zu mir, um den weiteren Verlauf zu besprechen. Doch… Es fällt mir schwer.

Ich weiß nicht, wie ich fühlen soll. Die Anderen beginnen zu reden, als jeder Ton immer und immer dumpfer wird, die Farben immer intensiver, dann verschwommener. Alles wird dunkel, ich falle um. Und vor mir auf de, Boden liegt die Schlange.

Es ist soweit. Langsam aber sicher wirst du merken, was es heißt ein Sazuki zu sein. Leid und Zerstörung, Verlust und Angst. Das ganze war erst der Anfang. Töte Zenelith bevor es zu spät ist. Doch zuvor, sieh selbst.

Die Schlange verschwindet, sowie sämtliche Farben. Ich sehe die Geschehnisse aus den Augen eines dritten. Zenelith, wohlhabend gekleidet, klopft an der Tür meiner Eltern. Er frägt nach mir, doch sie sagen nur, dass ich in der Schule bin und bitten ihn hinein.

Als er sich zu ihnen auf die Couch setzt fragen sie, weshalb er nach mir suche. „Ihr Sohn hat mich beklaut und ist ein Mörder. Ich suche ihn um mit ihm zu reden und eine Lösung für sein psychisches Problem zu finden. Vertrauen sie mir: Ihr Sohn ist nicht der, für den sie ihn halten.“

Daraufhin steht er auf und zeigt ihnen gefälschte Bilder. Auf einem schaut es aus, als würde ich meine Schwester-… Das andere zeigt mich und eine Leiche, welche neben mir liegt. In meiner Hand ein Messer, blutig. Meine Eltern beginnen zu heulen und umarmen sich. Als sie beide die Augen geschlossen haben zieht er sein Schwert und Köpft sie. Ihre letzten Erinnerungen an mich, er hat sie beschmutzt, ruiniert.

Die Farben kehren wieder zurück. Ich stehe auf, bin verwirrt.

Die Anderen sind noch immer am reden. Leafia fragt mich etwas, doch ich kann mich nicht konzentrieren.

„Alles okay?“ fragt Itsuki. Und ich weiß nicht, wie ich antworten soll. „Ich glaube, ja.“ „Was war das gerade mit dem Polizisten?“ frägt Akihiro. „Er hat mir nur mitgeteilt, dass meine Eltern tot aufgefunden wurden. Neben ihnen eine Notiz von Zenelith. Nichts.. schlimmes.“

Denn das wirklich schlimme ist, dass ich weder Trauer, noch Wut fühle.

Stille.

Leafia umarmt mich um mich zu trösten, aber was will sie trösten? Meine Gefühle sind wie weggeweht. Und dann taucht die Schlange erneut auf. Doch diesmal nicht nur für mich, sondern für alle. Sie sitzt auf meiner Schulter und spricht in einer tieferen, nicht so verzerrten Stimme: „Alles wird Sinn ergeben. Dein Körper gehört nicht mehr dir. Nein, er gehörte nie dir. Er ist sein Eigentum. Doch ich bin nicht in der Situation etwas zu sagen. Mache weiter und töte ihn.

Sie verschwindet und hinterlässt mehrere verwirrte Blicke auf mich.

„Es ist schlimmer, als ich dachte“ sagt Myerlien leise und weiß nun endlich, wer die Schlange ist. Seine Vermutung war richtig. Doch nur zu einem gewissen Grad.

„W-Wie auch immer. Leafia, du kannst bei mir leben. Jetzt haben wir ja… zwei freie Plätze.“ Was ist los mit mir? Ich mache Witze über die Situation? Doch es ist das beste. Bevor ich in ewigem Selbstmitleid versinke, versuche ich lieber das beste in der Situation zu sehen.

Wir reden noch mehrere Minuten, bis wir alle nach Hause gehen. Auf meinem Heimweg sehe ich meine Schwester. Ihr Blick verrät mir, dass sie auch schon davon weiß. Zu Hause angekommen zeige ich Leafia das Zimmer, in welchem sie ab sofort schlafen wird.

Das Telefon klingelt und ich gehe ran. Wie sich rausstellt ist es ab sofort so eingetragen, dass ich hier alleine mit Hina lebe. Wir kriegen jeden Monat Geld für Lebensmittel und anderes Zeug zugesendet.

Und genau dann öffnet sich die Tür und Hina, meine Schwester, betritt das Haus.

Ohne etwas zu sagen geht sie in ihr Zimmer. Ich sage Leafia, dass sie es sich gemütlichen machen soll und gehe runter, zu Hina. Ich öffne ihre Tür und erwarte vieles. Aber nicht das, was wirklich passiert.

Keine Sekunde vergeht, als sie mich umarmt und auf ihr Bett wird. Sie besteigt mich und sagt: „Die Familie ist am Aussterben. Bevor wir die letzten Sazukis werden müssen wir etwas daran hintern.“

Warte! Stopp! Geht’s dir gut! Hallo?!“ Ich schubse sie von mir runter und sie beginnt zu weinen. „Ich weiß doch auch nicht weiter!“ meint sie schluchzend. „Ich hab angst. Ich hab so angst!“ Sie hört nicht auf zu heulen.

Also was stimmt mit mir nicht? Wieso muss ich nicht heulen? Wieso-“ Ich kippe nach hinten um und sehe erneut die Schlange. „Unsere Lesestunde geht weiter. Du erinnerst dich, was zuletzt im Märchen geschah? Sehr gut. Also. Ich habe das letzte Mal einen wichtigen Punkt vergessen, dir zu erzählen. Diese Junge, der plötzlich in der neuen Welt aufwachte, kurz bevor er getötet wurde wachte er in seiner Welt auf. Der richtigen. In dieser erschien ihm der Kobold. Verwirrt sprach der Junge mit ihm. Und am Ende machten sie einen Deal. Der Kobold bekam die Seele des Jungen. Das bedeutet soviel wie: Wenn er stirbt, egal wo, wie und in welcher Welt, gehört sein Körper dem Kobold. Das nur so nebenbei. Ihr Abenteuer-

„Du bist der Kobold. Nicht wahr? Du bist es, der den Jungen begleitet hat, welcher damals Zenelith getötet hat. Myerlien hat es mir nur grob erzählt. Ich kenne die Einzelheiten nicht. Aber das warst du. Und der Junge war ein Sazuki.“

Sehr schlau. Sehr, sehr schlau. Das bedeutet nicht, dass dieses Märchen trotzdem wahr ist. Doch auch nicht, dass es nicht echt ist. Es ist alles, und gleichzeitig nichts. Doch unsere Lesestunde ist noch nicht vorbei. Der Junge wachte in einem neuen Körper in einer neuen Zeit auf. Einer futuristischen Zeit. In einer Stadt, geführt von einem seltsamen, bösen Mann.“

Er räuspert sich und führt dann fort: „Doch der Junge fand schnell neue Freunde. Mit ihnen erlebte er sein Abenteuer bis zum Tower des abscheulichen Mannes. Er flieg in diesen hinein, redete mit ihm und durch mehrere Umstände kam es dazu, dass er gewann. Sie bekamen eine Zeitmaschine und gingen zurück in ihre Zeit, wo ihre reise dann wohl bei unserer nächsten Lesestunde weitergeht. Und jetzt genieß‘ dein Leben. Denn von nun an wird es nur noch bergab gehen.

Sie verschwindet und ich bin wieder zurück. Über mir Hina. „Geht es dir gut?“ frägt sie.“ „Ich glaub schon, ja. Ich geh nach oben. Wir haben ab sofort eine neue Person bei uns leben. Sie wird mir bei wichtigem Zeug helfen.“

„‚Zeug‘?“ frägt Hina. „Für die Schule.“ „Ach so, verstehe.“ Ich gehe nach oben und sehe Leafia in meinem Zimmer. Sie hält 2 H-Games in den Händen, welche mir Itsuki erst vor wenigen Tagen verkauft hat.

„Was machst du in meinem Zimmer?! Und wieso hast du das in der Hand?!“ Sie schaut mich verwirrt an. „Wir leben doch ab sofort zusammen. Und ich wollte mich umgucken und an die neue Umgebung gewöhnen.“

„Das ist ja okay, aber nimm nicht einfach sowas. Schau dich gerne um, aber dieser Art von Sachen lässt du liegen. Das ist nichts für deine Augen. Okay?“ Sie schaut mich noch immer verwirrt an. „Ehm.. Okay.“

Den restlichen Abend schauen wir gemeinsam Fernsehen.

Und dann kam die Nacht. Doch mit ihr auch ein seltsames Gefühl. Die ganze Trauer, die ganze Wut. Es ist so, als würde sie jetzt erst durchkommen. Ein unbeschreiblicher Schmerz trifft mich. Gerade als ich denke dass ich anfangen muss zu heulen höre ich, wie sich die Haustür schließt. Ist Leafia gegangen? Doch ich schaue in ihrem Zimmer und sehe, dass sie noch da ist. Aber wer dann?..

Hina?

Ich schaue aus dem Fenster und sehe sie, wie sie im Licht der Laternen die Straße entlang läuft. So schnell ich kann renne ich runter, ziehe meine Schuhe an und lauf die Straße entlang, auf welcher ich sie noch vor mehreren Sekunden sah.

Am Ende der Straße ist die Silhouette einer Person zu erkennen. Das muss sie sein.

Sie läuft links die Straße hoch, ich renne ihr hinterher. Oben angekommen stehe ich an einer Kreuzung und schaue, wo sie ist. Doch ich kann sie nicht sehen. Ich gehe jede Straße mehrere Schritte entlang, bis ich sie auf der Brücke sehe.

Sie steht auf dem Geländer.

HINA!!!

Sie schaut zu mir, mehrere Sekunden, und sagt: „Diese Familie ist verflucht.“

Sie springt.

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