Der rote Ambassador geht zum ersten Angriff über und rammt den Speer in das Bein des Apostels, welcher daraufhin leicht nach links kippt, doch noch seinen Stand halten kann. Der blaue Amb, ‚Hime‘, schwingt die Klinge, die durch das Bein der Bestie hindurchgleitet, als wäre es Butter. Der obere Teil rutscht vom unteren ab und der Apostel kippt noch weiter nach links. Und als Taax seinen Speer in das nächste Bein rammt, fällt der komplette Apostel um und liegt auf der Seite.
Von dort oben, wo Yoru sitzt, kann man alles perfekt beobachten. Er sieht jeden Angriff und die jede Reaktion des jeweils Anderen. Es ist der perfekte Platz. Doch leider endet das schon sehr bald, denn keine Minute später kommt der Lehrer ins Zimmer gerannt. Er geht zum Pult, legt seine Tasche ab und beginnt den Unterricht. Es wird alles zum genetischen Aufbau der Frösche erzählt.
Und diese Stunde war es, in welcher die Menschheit einen erneuten Sieg vollzogen hat. Kurz nach beginn der Stunde sieht Yoru, wie die Ambs dem Monster beide ihre Waffen in den Oberkörper rammen und es zerläuft. Ein Zeichen, dass der Apostel tot ist. Am Ende dieser Stunde beginnt auch die erste Pause, welche jedoch aufgrund der gigantischen Leiche verschoben wird.
Erst inmitten der dritten Stunde beginnt laut einer Durchsage die Pause und die Devout-Schilder werden deaktiviert. In der Zwischenzeit wurden mehrere Absperrbänder und Barrikaden um das Monster herumgestellt, damit niemand auf dumme Ideen kommt. Ebenfalls wird es von den J.A.E.O.-Soldaten bewacht.
Im Treppenhaus sieht Yoru im Augenwinkel zwei Leute, die auf ihn zurennen. Masaaki und Kanaye – zwei Freunde aus seiner Klasse.
Masaaki ist ein netter Kerl und für sein Alter recht schlau. Dafür fällt es ihm öfters schwer, Konversationen mit Leuten in seinem Alter anzufangen.
Kanaye ist das glatte Gegenteil. Er ist nicht dumm, aber auch nicht besonders schlau. Er ist so, wie der durchschnittliche Schüler. Dafür fällt es ihm umso leichter, mit sämtlichen Personen Konversationen anzufangen, an denen er Interesse hat.
„Wieso hast du heute Morgen nicht mit uns geredet?“ fragt Masaaki. „Sorry. Mir war etwas schlecht. Und dazu wurde ich beinahe vom Apostel zerstampft.“ „Ich hab’s mitbekommen“ meint Kanaye. „Wär‘ der Hammer gewesen. Und was für eine Schlagzeige für die Schule. ‚Schüler nur wenige Meter vor Schuldeingang getötet‘. Vielleicht würden die endlich mal den Laden hier schließen.“ „Es ist gar nicht so übel“ sagt Masaaki. „Andere Schulen haben es schlimmer erwischt. Die in Deutschland und Frankreich zum Beispiel. Wir haben es da noch recht gut.“
„Apropos“ meint Kanaye und fängt an die Treppen runter zu laufen. „Was war das letztens, da in Deutschland? Wurden nicht tausende Menschen getötet?“ „Ja. Die Generatoren sind Landesweit ausgefallen. Sie haben zu wenig darin investiert. Und das, trotz dass sie ein paar der ersten waren, die damit angefangen haben. Eine ganze Kleinstadt wurde getötet. Und der Amb soll noch frei rumlaufen“ erklärt Masaaki und sie verlassen zu dritt den Schulausgang.
Die kleine Gruppe läuft über den Pausenhof, an hunderten Schülern vorbei und begeben sich abseits. „Da hinten liegt das Teil. Nicht wahr? Der Apostel. Sollen wir uns den mal anschauen?“ „Lieber nicht“ meint Yoru, ist aber auch recht neugierig. „Wobei. Man darf ihn sich schon anschauen. Nicht wahr? Man darf ihm nur nicht zu nahe kommen.“ „Yoru hat’s verstanden. Wenn wir bis zum Band gehen, ist es doch kein Problem“ sagt Kanaye und läuft los, gefolgt von Yoru und Masaaki.
Sie laufen um die Ecke und sehen sofort das Monster. Vor ihm eine Reihe an gelben Absperrbändern, vereinzelnd leicht durchschaubare Barrieren mit einem Karomuster und vor diesen die Soldaten. Sie nähern sich diesen, doch ihnen scheint es egal zu sein. „Sehr ihr?“ meint Kanaye hochmutig. „Wir dürfen. Also. Nutzen wir es auch aus. Alle anderen haben wohl zu große Angst, hierher zu kommen.“
Er läuft vor, bis zum Band und stellt sich neben dem Soldaten hin. Diesem scheint es wirklich nichts auszumachen. Sofort rennt Masaaki zu ihnen und schaut. Und auch Yoru nähert sich langsam und stellt sich zwischen Masaaki und dem Soldaten hin. Er versucht ihn möglichst nicht anzuschauen und konzentriert sich nur auf die schmelzende, zerlaufende Bestie. Ihre schwarze Flüssigkeit verläuft nicht wirklich weit. Sie sammelt sich eher und wächst allmählig.
Yoru blickt kurzzeitig zum Soldaten. Er hat kurze, weiße Haare, grüne Augen und eine Narbe im Gesicht, die er sehr wahrscheinlich vom Kampf gegen einen Engel oder Apostel hat. Der Soldat blickt ebenfalls zu Yoru runter, nickt ein Mal und schaut dann wieder geradeaus. „Das Ding ist wirklich größer, als es von dort oben aussah“ denkt Kanaye laut und schaut genauer hin.
„Genug geschaut, nicht? Die Pause endet in fünf Minuten. Nutzt die Zeit doch lieber sinnvoller“ meint der Soldat und Kanaye dreht sich um. „Stimmt auch wieder. Es ist im Endeffekt nur ein schwarzes Stück was zerläuft.“ „Aber vielen Dank, dass wir es uns von Nahem angucken durften“ sagt Masaaki, der kurz zum Soldaten schaut und sich dann ebenfalls umdreht. Sie laufen zurück auf den Haupt-Pausenhof.
„Es wäre echt der Hammer gewesen, einen Amb vom nahen sehen zu dürfen. Die wären interessanter gewesen, finde ich. Aber es ist, was es ist.“ Yoru stimmt Kanaye zu. Auf dem Pausenhof zurück laufen die drei an einer Gruppe von Mädchen vorbei, die im Kreis um ein verletztes Mädchen sitzen. Yoru bemerkt sie nach mehreren Sekunden, bleibt stehen und schaut sie an.
Sie hat mehrere Verletzungen im Gesicht und auch ab Körper. Aber was ist passiert? Auf jeden Fall kennt er sie. Braune, kurze Haare, grüne Augen und einen weißen, meist schmutzigen Hoodie. Das ist definitiv Himari, aus seiner Klasse.
Sie schaut ihn kurzzeitig an, guckt dann aber wieder zu ihren augenscheinlichen Freundinnen. Er will weiter laufen, bis plötzlich Beleidigungen über den Schulhof geflogen kommen.
„Das passiert nun mal, wenn man zu viel im Schmutz spielt. Mach mal mehr Mädchen-Kram.“ „Schnauze du Pisser!“ ruft eines der Mädchen, die im Himari herumsitzen und hebt die Faust. Yoru, der es mitbekommt und sich schlecht für Himari fühlt, läuft leise mit dem Kopf gesunken weiter.
Masaaki und Kanaye sind schon am Schuleingang. Er läuft zu ihnen und als er ankommt, klingeln die Glocken. Alle rennen ins Gebäude. Als der Scanner erkennt, dass alle Schüler im Gebäude sind, wird das Devout-Schild automatisch aktiviert. Die restliche dritte Stunde, die nur noch zehn Minuten gehen würde, kann man allem verbracht werden, was man machen will.
Yoru entschließt sich dazu, noch etwas aus dem Fenster zu schauen. Er sieht den netten Soldaten, das Monster, das langsam seine Beine bewegt, den Himmel, die Fahrz-… Das Monster, welches langsam seine Beine bewegt?!
Plötzlich tritt die Bestie zu, mit voller Kraft gegen das Schild und das Gebäude fängt leicht an zu zittern. Die Soldaten rennen mehrere Meter davon, drehen sich um und erheben Feuer auf den Apostel, doch dieser weicht ihnen aus, indem er sich vollkommen in Flüssigkeit auflöst und neu aus dieser aufersteht. Er himmlischer Schrei ist zu hören, bevor die Soldaten noch weiter davonrennen und von der Ferne schießen.
Eine Durchsage sagt: „Der Unterricht wird für den restlichen Tag abgesagt. Sobald der Apostel getötet wird, können sämtliche Schüler nach Hause gehen.“ Die ersten Leute im Klassenzimmer packen ihre Taschen und gehen aus dem Zimmer. Auch Masaaki, Kanaye und anschließend Yoru. Zweidrittel der Klasse geht. Im Treppenhaus sind mehrere Hundert Menschen, die alle verteilt auf dem Erdgeschoss Sachen machen.
Manche reden, andere spielen Spiele, nochmals andere sitzen oder stehen nur da. So, wie Yoru. Er steht neben dem Ausgang. Kanaye redet mit mehreren Mädchen und Masaaki spielt ein Spiel auf seinem TS. Plötzlich rast der Junge von heute Morgen die Treppen runter und an Yoru vorbei. Er deaktiviert das Devout-Schild Manuel und stellt es so ein, dass es sich in fünf Sekunden reaktivieren soll. Genug Zeit, um das Gebäude zu verlassen und niemanden in Gefahr zu bringen.
Doch wieso tut er das? Will er einfach nur schnell nach Hause? Darf er das? Was, wenn der Apostel ihn kriegt? Yoru rennt ihm hinterher. „Was hast du vor? Das ist gefährlich!“ Doch der Junge rennt weiter. Und so tut es Yoru. Sie befinden sich schon über 10 Meter vom Schulgebäude entfernt. Der Apostel könnte sie ohne Probleme fangen und töten.
„Was hast du vor?!“ Diesmal bleibt der Junge stehen und dreht sich um. „Geh zur-… Du bist Yoru, nicht wahr?“ Verwirrt und ausgeschöpft antwortet dieser: „Ja. Wieso?“ „Gut. Dann komm mit. Ich sollte dich heute eh finden und mitbringen. Hätte es fast vergessen. Aber so ist es natürlich noch einfacher, wenn du gleich hier bist.“ Er nimmt Yorus Hand und zieht in mit.
„W-Wo gehen wir hin?“ „Zur J.A.E.O.-Zentrale.“


