Der Wecker klingelt. Ich ziehe mich an, wecke Leafia und Myerlien und laufe los. Als wir an der Bushaltestelle ankommen fällt mir etwas auf. Heute ist Samstag. Wir haben gar keine Schule. Akihiro und Itsuki werden wahrscheinlich auch noch nicht was sein.
Ich erzähle Leafia und Myerlien, dass ich mich vertan habe und wir gar nicht so früh raus müssten. „Exzellent. Dann können wir heute umso mehr Zeit für unsere Mission nutzen.“ „Aber haben wir nicht sowieso unendlich viel Zeit in der anderen Welt? Selbst wenn wir bis 20:00 Uhr Schule hätten könnten wir in eine andere Welt und dort fünf Tage lang bleiben.“
„Das stimmt. Also ist es nur verschwendete Zeit. Ich habe eine gute Idee. Zeige mir die Stadt. Zeige mir schöne Orte, wo es gutes Essen gibt, und eine einmalige Aussicht.“ „Jaa! Ich will auch mehr von der Stadt sehen“ sagt Leafia.
„Gut. Dann zeige ich euch mehr von Nord-Osaka.“ Wir warten auf einen Bus. Die Luft zieht an unseren Wangen vorbei. Auto nach Auto fährt davon. Bis irgendwann der Bus kommt. Wir steigen ein, ich zahle für sie und wir fahren nach Osaka.
„Was wollt ihr genau sehen?“ frage ich. „Alles. Zeig uns deine Lieblingsorte.“ Wir laufen zuerst zu einem Maidcafe, danach zum Osaka Tauer. Von dort oben schaut Myerlien hinunter und sagt: „Ich wollte eine einmalige Aussicht. Das hier ist wirklich einmalig. Ich danke dir.“ Wir laufen durch das Osaka Einkaufsviertel, danach gehen wir zu den alten, japanischen Tempeln.
Über die komplette Reise verteilt höre ich das Staunen von Leafia und Myerlien. Es füllt mich mit Freude.
Wir laufen über das Einkaufsviertel zurück und treffen Maya. „Hey.“ „Hey. Ist das deine Freundin?“ frägt sie und schaut Leafia an. „Nein. Wir sind nur gut befreundet. Sie ist neu und ich führ sie durch die Gegend.“
„Hast du ihr schon das verfluchte Haus gezeigt?“ Ich bin verwirrt. „Was für ein verfluchtes Haus?“ „Hast du davon nichts mitbekommen? An einem Ort wurden mehrere Leichen gefunden. Und es soll eine Art Geist gesehen worden sein. Viele gehen dort hin um den Grusel zu spüren. Ich könnte euch hinführen.“ „Sehr gerne“ sagt Leafia. Sie ist also dabei. Sehr gut.
Maya läuft voran. Durch die Gassen Osakas. Wir folgen ihr. Hier würde es keiner mitkriegen, wenn man uns entführt oder tötet. Solche Orte sind mir sehr unsympathisch.
Wir kommen an einem kleineren Bereich wieder raus, welcher direkt zu einem großen, verlassenen, kaputten Haus führt. „Da ist es. Sollen wir gemeinsam rein?“ „Ich weiß nicht. Wenn Leafia will würde ich mitkommen.“
„‚Leafia‘?“ frägt Maya. „So einen Namen habe ich bislang nur in Serien gehört. Aber er gefällt mir sehr. Also, Leafia, sollen wir drei gemeinsam das Geisterhaus erkunden?“ „Gerne.“ „Gut. Dann los, gehen wir!“ Sie läuft in einem hohen Schritttempo voran, öffnet die Tür und schaut sich um. Wir sind direkt hinter ihr.
„Wo wurden diese Leichen gefunden?“ frage ich. „Du denkst wirklich, dass das ernst gemeint war? Hier waren nie Leichen. Ansonsten wäre ich hier niemals freiwillig hingegangen. Ich wollte euch nur angst machen.“ Immerhin.
Wir laufen auf dem zweiten Stock herum. Fast dreiviertel der Wände sind weg. Man kann sie Stadt von hier aus beobachten. Ebenfalls kann man die erste und dritte Etage sehen. Leafia läuft um eine Ecke, daraufhin läuft Maya um die selbe Ecke. Ich will gerade ebenfalls um diese Ecke laufen, als mich plötzlich jemand von hinten berührt.
Schreiend drehe ich mich um und erwarte meinen Tot, nur um daraufhin von einem mysteriösen Gesicht ausgelacht zu werden. „Haha, du hättest dein Gesicht sehen müssen. Na, wie geht’s? Hatt‘ lust mal ’n bisschen mehr mit euch Menschen in Kontakt zu treten. Daher hab ich mir diese Form hier angelegt. Wie gefällt sie dir?“
Längere, dunkelblaue Haare, auf ihnen zwei angesteckte, rote Hörner. Die Augen lila, in der Mitte ein weißer Kreis. Im Mund einen Lutscher, um den Hals ein Halsband. Seine Kleidung schlicht, doch auch besonders. Eine grüne Sweatjacke, darunter ein lilanes Shirt. Die Hose bis zu den Schuhen und dunkelblau-schwarz.
„Ehm… Du schaust besonder aus.“ „Zu auffällig?“ „Eine gute Mischung. Alles ist eher schlicht, doch die Farben sind wiederum besonders. Aber die Hörner sind echt geil.“ „Hab ich gekauft. Nur 200 Yen das Stück. Aber waren die letzten, mein Beileid.“
„Du hast die gekauft? Hättest du die nicht einfach erschaffen können?“ „Dann würde ich den ganzen Punkt hiervon versauen. Ich will mich eben wie ein Mensch fühlen und Geld für unnötige Sachen ausgeben.“
„Wo hast du überhaupt das Geld her?“ „Hab ich erschaffen.“
Maya und Leafia kommen um die Ecke gelaufen. „Alles okay?“ frägt Leafia. „Macht euch keine Sorgen. Hab ihn nur erschreckt. Wir sind gute Freunde, ne?“ Ich drehe mich zu ihnen um und nicke mit dem Kopf. „Oh, dann ist gut. Ich dachte für eine Sekunde wirklich, hier wäre ein Mörder und hätte dich getötet“ meint Maya.
„Ein Mörder?“ „Dieser Ort ist sehr gruselig. Daher erfinden Leute die unterschiedlichsten Geschichten. Eine davon ist, dass hier ein Mörder lebt. Aber die Polizei hat nie irgendwas gesagt. Und der Ort wäre abgesperrt worden, wenn hier wirklich einer wäre.“ „Verstehe.“
„Wie heißt du?“ frägt Leafia. „Jaylitz Ast-… Ehm… Jaylitz. Einfach nur Jaylitz.“ „Schon wieder einer mit so einem coolen Namen. Wieso klingt ihr alle so, als wärt ihr aus Videospielen?“
Wir verlassen gemeinsam das Haus und laufen zurück auf die offenen Straßen Osakas. „Wie dem auch sei. Hitachi, wir müssen zu den Anderen. Nicht?“ frägt Leafia. „Stimmt. Sie warten womöglich schon. Bis dann Maya.“ Wir laufen los. Mit uns Jaster.
Auch wenn es seltsam ist, ihn bei uns zu haben, soll er ruhig machen. Er ist nicht böse. Also indirekt. Er wollte nur seinem Sohn-.. Ist Zenelith sein Sohn? Er wurde von Jaster erschaffen. Also müsste er sein Sohn sein. Dann wollte Jaster nur seinen Sohn zurück. Er hat also keine bösen Intentionen. Daher ist er auch nicht böse. Glaube ich. Alles was mit ihm zu tun hat ist einfach verwirrend.
„Wo gehen wir hin?“ frägt er. „Wir wissen es selbst nicht so genau. Laut Myerlien treffen wir die-“ „Willst du ihm wirklich davon erzählen?“ frägt mich Myerlien. „Du weißt, dass man ihm nicht trauen darf.“ Doch Jaster schaut ihn genervt an.
„Ich gebe nichts auf einen Fuchs, welcher sich in einer Tasche versteckt. Und außerdem bekomme ich so oder so alles mit. Ich hab die allsehenden Augen~“ Seine Augen beginnen zu blitzen.
„Schon verstanden. Du kommst so oder so mit. Ob du willst, oder nicht. Du hast gesagt, dass du mehr mit uns Menschen zu tun haben willst. Richtig?“ „Das letzte Mal, dass ich aktiv mit Menschen geredet habe, war zu der Zeit der Ägypter. Und die hab ich aus versehen getötet. Von daher wäre es schön, wieder mehr mit Menschen zu tun zu haben. Werde langsam einsam.“
„Gut. Dann wirst du uns begleiten und helfen. Bei Kämpfen, bei Rätseln, beim Suchen, und so weiter. Du musst nicht gegen Zenelith kämpfen. Aber gegen alles andere, was uns behindern wird und böse ist.“ „Mit vergnügen. Hatte eh sowas ähnliches vor. Diese Erashin Kugel die du mir gegeben hast war eigentlich für mich gedacht. Damit ich endlich diese komische Kraft beherrsche. Aber bislang eher schwierig.“
„Divosta wird dich trainieren. Zusammen mit den anderen. Dann lernst du, wie du mit Erashin umzugehen hast. Okay?“ „Hab nichts dagegen. Also ja.“ Wir laufen bis zur Bushaltestelle und fahren zu mir zurück.
Zu Hause angekommen schreibe ich Akihiro und Itsuki. Es ist 10:00 Uhr, also sollten sie wach sein. Itsuki antwortet nach wenigen Sekunden, Akihiro nach knapp fünf Minuten. Zwanzig Minuten später stehen sie beide vor meinem Haus.
Wir laufen zu ihnen runter. „Gut. Wir sind alle da. Dann können wir nun in das Schattenreich. Der letzte große Ort, an welchem noch Götter und Dämonen leben.“
