Katoku V.3 Ch.6 – Einsatz

Ich laufe zurück zu Vater, Mutter und Feylin. „Ich weiß wer sie entführt hat.“

„‚Entführt‘?“ frägt Mutter. „Ja. Er hat gerade indirekt dazu gestanden. Vater, ich brauch deine Hilfe.“ Ich und Vater gehen in mein Zimmer. Feylin und Mutter bleiben im Wohnzimmer.

„Dieser Junge, er war es. Er hat ihr den Stein verkaufen. Er hat Erashin genutzt, als wir unten waren. Und er war es auch, der sie entführt hat und wahrscheinlich so lange gewartet hat, bis es eine Vermisstenanzeige mit Belohnung gibt.“

„Aber was sollen wir tun?“ frägt Vater. „Wir können nicht zur Polizei gehen, da Feylin in diesem Fall auch nicht ganz unschuldig ist. Diese Steine sind schließlich illegal.“

„Ich habe eine Idee. Wenn wir morgen zusammen in die Schule gehen und ihn überwältigen und dazu die Beweise zeigen, dann kommt er ins Gefängnis. Wir sagen einfach, dass die Freundin von Feylin den Stein bestellt und Feylin ihn abgeholt hat, um herauszufinden, wer so Steine produziert und um die Person gefangen zu nehmen. Gute Idee?“

Vater denkt nach, ob ihm etwas besseres einfällt, doch nickt am Ende mit dem Kopf. „So machen wir’s. Ich werde zur ersten Pause da sein. Okay?“ „Okay.“

Der nächste Tag bricht an. Feylin geht es gut und sie geht normal in die Schule. Wir betreten das Klassenzimmer und Iylandra schaut uns komisch an. „Ich dachte sie ist verschwunden?“ frägt sie mich.

„Ja. Und Kanji hat sie gestern zufällig zu und gebracht, nachdem eine Belohnung von 125.000 Yen angekündigt wurde. Er hat sie definitiv entführt. Er sagte vor uns sogar noch, dass er diese Steine produziert. Also hat er gestanden. Und er sagte noch, dass er sich auch um Takashi gekümmert hätte. Aber ich weiß nicht, was er damit meint.“

Iylandra schaut mich angespannt an.

„Kann ich irgendwie helfen? Geht ihr zur Polizei? Oder…“ „Nicht wirklich. Mein Vater wird später kommen und wir werden ihn persönlich zum Rektor oder zur Polizei bringen. Alles andere macht wenig Sinn.“ „Viel Glück.“

Der Lehrer betritt den Raum. Doch Kanji ist nicht hier. Kommt er etwa heute nicht? Genau heute? Von allen Tagen, wo er nicht hätte kommen können. Hat er geahnt, was wir vorhaben? Womöglich.

Der Lehrer beginnt den Unterricht, doch dann klopft es an der Tür. Er öffnen sie und Kanji ist zu sehen. Er betritt das Klassenzimmer, läuft mehrere Schritte und kollabiert danach. „Holt den Schulsanitätsdienst!“ ruft der Lehrer und zwei Schüler rennen los.

Wenige Minuten später wird er auf eine Liege gelegt und runter getragen. „T-Tasch“ versucht er mit seiner letzten Kraft zu sagen, und ein weiterer Schüler trägt Kanjis Tasche und läuft mit ihm mit.

Alle sind geschockt. Viele machen sich Sorgen. Aber das ist seine Schuld. Wenn es wirklich stimmen sollte und er sein ganzes Blut dafür nimmt, dann ist es sein Problem.

Die ersten Stunden verlaufen normal. Doch alles fühlt sich leicht gezwungen an. Keiner kann sich wirklich konzentrieren. Aber wir müssen weiter machen. Und so tun wir es. Zwei Stunden Geographie, danach die erste Pause.

Ich warte unten auf Vater, doch sehe eine große Gruppe an Polizisten und sogar Soldaten aus einem Auto steigen. Sie betreten die Schule und nehmen Kanji gefesselt. Aus dem selben Auto kommt Vater. „Es ist praktisch, die Stimme eines Landes zu sein“ sagt er und lacht.

„Er wird mitgenommen?“ frage ich. „Genau. Die Blutflecken an seiner Kleidung sind schon Grund genug, ihn wegen Mordverdacht mitzunehmen. Doch die Armee hat etwas interessantes herausgefunden. Kanji war einer der einzigen und größten, welche diese Steine noch in Japan verkauft haben. Im Durchschnitt an 300 bis 5000 Menschen im Monat. Er hat über 20 Millionen Yen Umsatz damit gemacht und besitzt einen ganzen verlassenen Bunker, in welchem er seine Deals macht, Steine Produziert und entführten Opfer Blut entnimmt. Man konnte auch das Blut von Feylin dort finden. Also ist alles klar. Er kommt lebenslang in den Knast.“

Ich bin überrascht. „Wie vielen Menschen hat er Blut entnommen? Und vor allem wofür?“ „Es wurden 31 volle Spriten gefunden. Alle hatten einen kleinen, weißes Zettel an sich kleben, auf welchem Name und Wohnort stand. Viele waren hier aus der Gegend. Viele auch aus Osaka. Aber die Spritze mit Feylins Blut hatte einen goldenen Zettel. Und es macht mir Sorgen.“

Er kommt mir näher und flüstert mir ins Ohr: „Du weißt, was ich dir erzählt habe. Seit 1914 ist unser Blut anders. Es soll das einzige Blut gewesen sein, welches das Zeguni nutzen konnte. Außerdem stand man unter dem Schutz der Götter. Aber mehr erfuhr ich nie. Doch es kann gut sein, dass Kanji genau deshalb ihr Blut wollte.“

„Götter waren damals anders, nicht wahr? Sie regierten über die Welten und beschützten sie. Aber durch… ihn… wurden sie zu normal Sterblichen, so wie alle Menschen. Richtig?“ “ Nicht ganz. Ein Großteil der Götter leben noch immer im Himmel. Aber sie haben keine besonderen Kräfte mehr. Und die Götter, die auf Xarchuyaz leben möchten, diese sind so wie du und ich. Sie können durch beispielsweise einen Autounfall sterben.“

„Verstehe. Also ist unser Blut doch noch besonders?“ „Es kann gut möglich sein. Aber ich habe niemanden, den ich fragen könnte. Myerlien ist schon lange weg, Jaster verschwand kurz vor 2100 und ich kenne keine Götter. Aber wir müssen davon ausgehen. Und deshalb wollte Kanji wohl auch ihr Blut. Aber es wurde alles von der Regierung konfisziert.“

Wir reden weiter, während die Soldaten und Polizisten Kanji bewusstlos in den Einsatzwagen packen, ihn mehrfach fesseln und ein Mittel geben, welches Erashin für mindestens 24 Stunden blockiert.

„Ich muss nun gehen. Aber ich sollte dir und Feylin dankbar sein. Japans größter Dealer dieser Steine wurde festgenommen. Und das nur durch euch zwei. Danke.“ Er steigt in den Wagen ein und sie fahren los. Iylandra und Izuki kommen zu mir.

„Was ist passiert?“ frägt er. „Feylin ist für zwei Tage verschwunden. Aber wir haben herausgefunden wer sie entführt hat und wie sich rausgestellt hat, hat er schon viele Leute entführt und ihnen Blut abgenommen. Kanji ist… eine seltsame Figur.

Die Pause ist vorbei und der Rektor veranlasst ein Treffen aller Klassen in dem Treppenhaus. Er erzählt uns das, was Vater mir bereits erzählt hat. Nur mit weniger Details. Er nannte keine Namen, keine Ortsangaben und keinen genauen Täter. Er sagte, dass ‚Ein Schüler der größte Dealer dieser Erashin Steine in ganz Japan war und nun festgenommen wurde‘. Auch wenn er keine Namen nannte wusste jeder, um wen es geht.

Zur selben Zeit liegt Kanji im Einsatzwagen des Militärs gefangen. Doch er hatte schon damit gerechnet. Neben ihm seine Tasche, welcher er bei der abtransportation des Schulsanitätsdiensts verlangt hat. Er streckt seinen Arm aus und sucht etwas in ihr.

„Was tust du da?!“ frägt ihn ein Soldat. „Ich hab so schrecklich durst. Ich trinke nur etwas“ antwortet er geschwächt. „Wie du meinst. Aber mach schnell.“

Er ist mit seiner Hand mehrere Sekunden in der Tasche. Bis er endlich die Flasche herauszieht. Doch zwischen Innenhand und Wasserflasche versteckt er ein kleines Geheimnis. Oder doch eher drei kleine Geheimnisse?

Er tut so, als würde er die Flasche versuchen zu öffnen, doch wirft plötzlich drei Erashin Steine in seinen Mund und schluckt so schnell er kann. Die Soldaten versuchen auf ihn zu schießen, doch es ist zu spät.

Wenige Sekunden später starben 21 Menschen und ein Einsatzwagen wurde zerstört.

Hinterlasse einen Kommentar