„Du begehst einen Fehler.“ „Den Fehler habe ich schon lange begangen.“ Diesmal verlässt er erfolgreich das Gebäude und läuft am Harfen entlang. Zahlreiche Schiffe und Menschen. Die Echsenpersonen beladen die Schiffe und die Animura schauen ihnen dabei zu. Manche liegen am Straßenrand und zittern vor Hunger. Ein runtergekommener Platz und trotzdem zählt er als eines der Herzen dieses Königreichs. Schon oft versuchte die Politik etwas gegen die Piraten zu unternehmen. Und ihr letzter Plan war es, eine Inflation zu starten. Landesweit ist das Geld kaum noch etwas wert. Die Insel zu verlassen ist das letzte, was die Armen tun können. Doch genau das will der Staat erzielen. Wie unternimmt man etwas gegen ein gesamtes Königreich? Wohl kaum einer hätte einen funktionierenden Plan. Trotz dessen will es Nirava wenigstens versuchen. Schweigend zuzuschauen würde er sich nie verzeihen.
Allein, ohne Schiff und ohne Begleitung, begibt er sich zum Ausgang des Harfens, läuft über einen Pflastersteinpfad, vorbei an Palmen und alten Holzhäusern, einen kleinen Hügel hinauf, von wo aus er einen besseren Überblick über die gesamte Landschaft erzielen möchte. Sein Plan funktioniert nur bedingt. Eine Sache sieht er auf jeden Fall. Etwas, wovon er schon häufig hörte, was er jedoch nie selbst zu Gesicht bekam. Ein recht kleines Schiff, das dort auf den Bergen steht, mit dutzenden Menschen drumherum, die den Berg aufschlagen, um an seine Rohstoffe heranzukommen. Dieser Anblick sitzt nicht gut mit ihm und er rennt los. Wenn diese Schweine schon all ihr Geld fordern, dann können sie ihnen wenigstens die Erze lassen. So denkt er und zieht die Pistole, kurz bevor er endlich ganz oben ankommt und auf die ersten Personen schießt. Seine Vermutung war richtig. Sie wurden vom Königshaus geschickt. Zwei von ihnen fliegen um, vier weitere schauen ihn an und ziehen ihre Schwerter. Doch sie sind nicht schnell genug. Fünf Stück erschießt er. Nur der Letzte hat es geschafft, nah genug an ihn heran zu kommen, um ihn anzugreifen. Doch Nirava zieht den Säbel und blockt jeden einzelnen Angriff. Als er seine Chance sieht sticht er zu und erledigt den letzten der geschickten Männer. Sie haben eine Art Lager um das Schiff herum errichtet. Drei Zelte, ein Kartentisch, eine Kiste, ein offenstehendes Regal mit einigen ihrer bisherigen Funden und einer kleinen Box voller Knochen.
Gegen seine Erwartungen kommt auch ein siebter Mann, der einen großen Sack über seinen Schultern trägt. Als dieser seine toten Kammeraden sieht, da geht er auf die Knie und fleht um Gnade. „Zuerst sagst du mir, was du und deinesgleichen hier tut.“ „Wir wurden geschickt, um dem Königshaus alte, sich unter der Erde befindende Knochen zu besorgen. Aber was sie mit den Knochen anfangen, das wissen wir nicht. Sie sind groß, breit, extrem Robust. Womöglich die Knochen alter Drachen.“ Die Erklärung klingt plausibel. „Und wieviel kriegt ihr dafür?“ „Kaum etwas. Aber wenn wir nicht tun, was von uns verlangt wird, sterben wir und unsere Familien.“ Sie arbeiten also gegen ihren Willen und helfen dem Königreich. Typisch, denkt sich Nirava und entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. „Unannehmlichkeiten? Du hast sechs meiner Mitstreiter umgebracht. Das sind ‚Unannehmlichkeiten‘?!“ Ein kurzer Stich und auch der Siebte stirbt. Nur ihr Schiff hinterlassen sie. Und dieses nimmt der junge Mann an sich, steigt hinein und versucht es zu steuern. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er solch ein wundersames Fahrzeug kontrolliert. Doch es verläuft deutlich besser, als er es erwartet hätte. Erst gen Himmel und dann durch die Wolken hindurch. Es ist nicht großartig anders, wie ein gewöhnliches Schiff, das auf dem Wasser fährt. Automatisierte Motoren lassen größere Flügel aus Stoff flattern und drücken die Luft um sie herum beiseite. Von unten wird warme Luft nach oben gedrückt, die die Flügel nochmal stärker nach oben befördert und somit das gesamte Konstrukt nach oben befördert. Ein simpler, aber sehr gut funktionierender Aufbau.
Sein Ziel ist nun das Schloss der Königin, mit welcher er reden möchte. Ob er sie umstimmen kann? Daran zweifelt er. Doch er wird Wege finden. Ganz bestimmt. Und wenn diese Wege Gewalt beinhalten, dann ist das nun mal so. Vor Gewalt hat er sich noch nie ferngehalten. Wolken. Wolken überall. Hinter den Wolken ein paar Bergspitzen. Hohe, kühlere Berge. Nach drei Stunden befindet er sich an einem Bereich des Landes, welchen er noch nie zuvor sah. Erträgliche Temperaturen und grüner Boden. Kleine Wälder und schöne Häuser. Es ist ein trauriger Anblick. Denn er denkt sofort daran, wie es im Süden ausschaut, dass sie dort keine Häuser besitzen, für ihr Überleben kämpfen müssen, dass die Armen ausgenutzt werden, am Ende sterben und niemand etwas davon hat, bis auf das Königshaus. Doch er will derjenige sein, der das nun endlich ändert. Noch eine weitere Stunde vergeht, bis er es sieht. Das große Schloss, umgeben von einer hohen Mauer, in welcher sich ein edles Dorf befindet. Hier leben die reichsten der reichsten dieses Landes. Personen, zu denen er gewiss nicht gehört. „Der Abschaum, der sich das schöne Leben nur durch unsere Arbeit erlauben darf. Der Abschaum, der ohne uns nichts hätte. Leute, die nicht einmal richtig arbeiten gehen können und die die Schwachen ausnutzen. Der dreckigste Dreck der Welt.“
Nirava ist irgendwie nicht so toll. Er meint es nur gut aber handelt sehr böse
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