„Warte, was?!“ Alle am Tisch sind geschockt.
„Lass mich es erklären. Du kennst meine beste Freundin Amiria?“ „Ja?“ „Sie hat bei jemandem aus der Schule etwas bestellt. Ein roter Stein, welcher einem das Meistern des Erashins vereinfachen soll. Sie hat mich darum gebeten, den Stein für sie abzuholen. Was ich gemacht habe. Später hat sie mir geschrieben, dass sie ihn lieber zurück geben will, da sie das Geld für andere Sachen ausgeben will. Und, mal nebenbei gesagt, wahrscheinlich nicht mal so viel Geld hat. Aber der Stein ist mir kaputt gegangen.“
Keiner sagt etwas.
„Ich brauche Hilfe. Was soll ich tun? Ich weiß nicht mehr weiter“ sagt sie in einer ängstlichen Stimme. „Der Typ, wer war es? War er eher brutal? Oder wirkte er eher nett? Und war das überhaupt ein legaler kauf oder war dieser Stein irgendetwas vom Schwarzmarkt?“
„Ich weiß nicht. Sie hat ihn gekauft. Und erzählt hat sie mir nichts. Außer, dass er einem beim meistern von Erashin helfen soll. Ich war nur die Überbringerin.“ Das ist eine schwierige Situation. So ein Stein klingt nicht wirklich legal. Wenn wir zur Polizei gehen wird sie am Ende ins Gefängnis kommen. Aber das wichtigste ist und bleibt…
„Aber wer war es? Kennst du seinen oder ihren Namen? Oder kannst du das Aussehen beschreiben?“ Die anderen sitzen nur still da und hören uns beiden zu. „Bin mir beim Namen sehr unsicher. Aber er hatte rote Augen. So, wie wir beide. Und er hatte Augenringe und dunkelblau-schwarze Haare.“
Diese Beschreibung trifft nicht auf viele zu. Aber noch immer so viele, dass wir uns nicht genau sicher sein können. „Er trug einen schwarzen Anzug, wenn ich mich richtig erinnern kann. Und am Hals hatte er Verletzungen.“
Gut, somit haben sich die Möglichkeiten auf eine einzige Person beschränkt. Kanji. Aber wieso sollte er so etwas besitzen? Er wirkt nicht wie die Art von Person, die düstere Geschäfte mit Leuten tätigt und sie umbringt, wenn sie nicht zahlen können.
„Ich weiß, wen du meinst“ sage ich zu Feylin. „Kanji?“ frägt Iylandra. „Habe ich da etwa meinen Namen gehört?“ Wir drehen uns um und sehen Kanji. Er lächelt und wirkt fröhlich. Wenn es wirklich er war, dann könnten wir ihn überreden ein Auge zuzudrücken. Oder?
„Hey“ grüße ich ihn und habe dabei ein sehr seltsames Gefühl, welches ich nicht in Worte fassen kann. „Hey. Worum geht’s?“ frägt er, schaut verwundert zu Feylin und sagt: „Ich bräuchte übrigens noch das Geld.“ Sie zittert und hebt sich an mir fest. Ich sage ihm, dass ihr der Stein kaputt gegangen ist.
Kanjis Lächeln verschwindet und ändert sich zu einem neutralen, fast schon gelangweilten und ängstlichen Blick. „Was?“ Er kratzt sich an seinem Arm, welcher voller Wunden ist. „Kaputt? In welchem Sinne? Weg? Ganz weg?“ „Zersplittert… Aber ich habe die ganzen Teile noch“ sagt sie leise.
„Warte. Du hast sie noch? Und er ist nur zersplittert?“ Sein Gesichtsausdruck ändert sich wieder zu einem Fröhlichen. „Das ist kein Problem. Ich kann ihn wieder reparieren. Bring mir morgen einfach die Teile, okay? Du musst auch nichts zahlen. Der Schwester von Kazuo würde ich sowieso niemals etwas tun. Also brauchst du keine Angst zu haben.“
Er dreht sich um und läuft weg.
„Siehst du? Alles kein Problem.“ Sie umarmt mich fest und sagt: „Du bist der Beste. Danke!“ Danach verabschiedet sie sich von uns und läuft ebenfalls weg. Auch wenn ich sie oft nicht leiden kann, diese Momente, in welchen wir uns so nah sind, sind trotzdem ein paar der schönsten.
Jeder ist mit seinem Eis fertig und wir gehen zu einem Interessanten Ort. Ein Haus, welches angeblich verflucht ist. „Schon unsere Eltern waren Dort oben. Das weißt du, oder?“ frägt mich Izuki. „Ja. Dort haben sie-… Dort haben sie sich umgeschaut und die Aussicht genossen.“
Fast hätte ich etwas von Jaster gesagt. Aber nur fast. Ich weiß nicht wieso. Aber mein Vater hat niemandem von Jaster erzählt. Niemandem, außer mir. Und er sagte immer, dass ich seinen Namen nicht einfach so vor anderen sagen soll. Und, dass ich seine ganze Existenz geheim halten soll.
Wir erkunden gemeinsam das Haus, doch finden nichts interessantes. Nichts, außer eine Eingravierung in der Wand, gemacht mit einem scharfen Gegenstand. Dort stehen Buchstaben. „H, I, A, L, M, J.“ Das muss von ihnen sein.
Ich lege meine Hand auf die Gravierung und sehe etwas. Ich sehe die Ereignisse durch die Augen von Jaster. Er erschreckt Vater und erzählt ihm, dass er ihn ab sofort begleiten will, in einer menschlichen Form. Die anderen kommen. Und sie reden und lachen gemeinsam. Kurz bevor sie das Haus verlassen schreiben sie ihre Buchstaben in die Wand.
Ich blinzle und bin wieder zurück, bei Izuki, Iylandra und Lamia.
„Wir haben alles erkundet. Gehen wir.“ Wir verlassen das Haus und laufen zurück zu der Bushaltestelle. Es ist bereits 18 Uhr und wir müssen noch Abendessen und uns um Sachen für die Schule kümmern.
Während der Fahrt rede ich viel mit Iylandra und Izuki viel mit Lamia. Als wir zurück in Kyoto ankommen verabschieden wir uns und ich laufe nach Hause. Iylandra begleitet mich. Zum Glück wohnt sie in der Wohnung gleich gegenüber. Man muss nur die Tür öffnen, 2 Schritte gehen und man steht schon vor ihrer Tür.
Im Treppenhaus frägt sie mich, ob wir in den nächsten Tagen vielleicht alleine etwas unternehmen wollen. „Sehr gerne“ antworte ich. „Übrigens… Meine Eltern sind heute nicht zu Hause. Willst du vielleicht bei mir übernachten?“
Sie rechnet schon mit einem ‚Nein‘ als Antwort, doch Kazuo nimmt freudig an. „Soll ich irgendwas mitbringen? Was zu Essen? Spiele?“ „Ehm.. Bring vielleicht das neue DME-Videospiel mit. Das, wo man sich in Robotern bekämpft. Das sah witzig aus.“ „Werd‘ ich machen.“
Wir laufen zusammen nach oben, ich gebe meinen Eltern bescheid und hole das Spiel. Als ich gerade zurück laufen will sehe ich Vater. „Kazuo, wo warst du?“ „Ich war mit Iylandra, Izuki und seiner Freundin draußen. Wir waren in der Arcade und haben Eis gegessen. Und wir haben Feylin getroffen.“
„Darum geht es mir. Sie kam bis jetzt noch nicht zurück. Wann hast du sie das letzte Mal gesehen?“ Sie ist noch nicht hier? Das sieht ihr überhaupt nicht ähnlich. „Vor knapp einer Stunde. Wieso?“ Vater schaut zu Boden. „Ich habe kein gutes Gefühl. Ich habe diesen Stein in ihrem Zimmer gefunden.“
Er hebt die Splitter des roten Steins hoch. „Solch ein Stein wird genutzt, um besser mit dem Erashin umgehen zu können. So ein Stein findet man nicht einfach so. Er wird wie eine Droge im Untergrund produziert und illegal verkauft. Diese Steine kosten nicht wenig.“
„Ich weiß. Sie kam wegen dem Stein zu mir. Ihre Freundin hat ihn gekauft und Feylin sollte auf ihn aufpassen. Er ist ihr kaputt gegangen und sie hatte Angst, weil sie ihn in diesem Zustand nicht zurück geben konnte. Wir haben mit dem Typen gesprochen, der ihr den Stein gegeben hat. Und er wirkte nett und sagte, dass er ihn einfach reparieren kann.“
Vater beginnt zu zittern. „Das kann man auch. Aber dafür benötigt man frisches Blut und bestimmte Teile des Körpers. Es kann sein, dass sie-…“ „Das kann eben nicht sein“ versuche ich Vater Hoffnung zu geben. „Er hat die Splitter noch gar nicht. Wieso sollte er sie also entführen und töten? Sie ist wahrscheinlich noch draußen und ist bald da.“
„Du hast recht. Alles wird gut gehen. Viel Spaß. Und treibt es nicht zu weit, ja? Ich weiß, wie sehr du Iylandra magst. Aber wir brauchen nicht noch einen neuen Sazuki in der Familie.“
„Ist das dein Ernst?“ Aber immerhin macht er sich keine Sorgen wegen Feylin mehr. Ich nimm das Spiel und klopf an ihrer Tür. Sie öffnet sie und wir spielen bis 22 Uhr. Dann gingen wir schlafen.