








Die Freunde befinden sich auf der steinernen Brücke, schauen von dort aus zum Horizont und fragen sich, was sie dort noch alles erleben werden. „Sollten wir nicht langsam mal weitergehen?“ fragt Sui. Umso schneller wir uns einen Platz im Gasthaus gesichert haben, umso mehr Zeit haben wir daraufhin für andere Dinge.“ „Das stimmt“ meint Yoru, tritt vom Geländer zurück und richtet seinen Körper zur anderen Seite des Flusses. Auch die restlichen Freunde sind bereit und laufen weiter. Vorbei an den bauchhohen Steinmauern und den Laternen, die den Pfad weisen sollen, über den Trampelpfad hinüber und am Fluss entlang. Irgendwo hier vorne, wenn sie es richtig verstanden haben. Irgendwo hier soll es stehen. Sie lesen sich die Gebäudenamen auf den Schildern durch. „‚Markus Magieladen‘? Die Leute haben es echt mit ihren Alliterationen.“ „Lieber eine Alliteration, als sowas hier. ‚Goldschnuppe‘ ist nicht der beste Name. Man weiß nicht einmal, was das für ein Laden ist. Gibt es hier Essen? Trinken? Ist das ein Allwarenladen? Was ist das hier für ein Ort?“ Sie machen sich noch über denen oder anderen Namen lustig, bis Yoru sie zu sich ruft. Scheinbar hat er das Gasthaus gefunden. Es wirkt etwas niedriger, als das Gasthaus, welches sie aus Arkan kennen, dafür ist es in der Breite um einiges größer. Sie betreten es und werden von einem Elfen begrüßt, der an dem Tresen steht.
„Neu hier, was?“ Sie nicken. „Aus Arkan angereist. Eigentlich wollten wir hier einen kurzen Zwischenstopp einlegen, aber nun haben sich ein paar Dinge geändert und wir bleiben voraussichtlich doch für einen bis zwei Tage hier.“ „Das Leben spielt selten so mit, wie man glaubt. Aber das ist auch in Ordnung, solange man etwas mit seiner Zeit anzufangen weiß. Ich empfehle ja die Schiffsreisen, die es hier gibt. Einen halben Tag lang auf dem Meer, hunderte bis tausende Meter weit weg und am Ende wird man wieder zurück zu diesem Dorf gebracht. Das kostet bloß ’ne kleine Menge.“ „Oh, ja. Da müssen wir uns erst noch erkundigen, ob das mit dem Geld und mit unserer Zeit überhaupt passt. Aber danke für die Empfehlung.“ „Immer wieder gerne.“ Sie kriegen einen Schlüssel, zahlen und begeben sich zum Zimmer. Erst als sie dieses betreten fällt ihnen auf, dass sie sich lieber zwei oder gar drei Zimmer hätten mieten sollen. Wie viele Betten wird ein Zimmer haben? Maximal zwei?
So scheint es zu sein. Zwei Betten an der Wand, direkt nebeneinander. „Das ist jetzt natürlich kacke“ meint Ryori und schaut sich noch etwas um. Es gibt eine Couch. Auf dieser könnte eine dritte Person übernachten. Doch was wird mit den restlichen sechs Personen sein? „Wenn wir uns alle aneinander quetschen, dann könnte das vielleicht was werden“ meint Fray und legt sich ganz an die Seite des Bettes. „Illya, schnell!“ Diese, irritiert und vom Ruf gestresst, legt sich neben Fray hin. Knapp dreißig Zentimeter Abstand. Plötzlich zieht Fray sie an sich, so fest sie nur kann und sagt: „Fozra, jetzt du!“ Diese legt sich dazu, danach Ryori, diese ruft Yoru zu sich und letztlich noch Akio. Chizu meint, sie würde an einem anderen Ort übernachten und Jonathan bevorzugt die Couch. „Seht ihr? Wir passen alle in diese zwei Betten hinein!“ Voller Überzeugung freut sich Fray, als Yoru sagt: „Dass wir alle hineinpassen war davor schon klar. Jetzt haben wir nur das Problem, dass wir uns gegenseitig bis zum bitten Tod zerquetschen.“ „Du bist so dramatisch. Für eine Nacht ist das schon okay. Und wenn es doch zu viel wird, dann können sich ein paar Personen auf den Boden legen. Der ist relativ weich.“ Yoru dazu: „Das ist ein Holzboden.“ „Ja. Der ist trotzdem weich.“ „Wie kann das-“ „Ich weiß es auch nicht. Aber der Holzboden ist weich.“



In der Kathedrale befinden sich knapp zwei Stunden zuvor die Deadra. Kauzo berichtet seinen Brüdern, was Jaster ihm gezeigt hat. Da fragt Martias: „Wie kann es sein, dass du überhaupt das Wissen hast, was dort geschah?“ „Was?“ „Einfacher gesagt: Wie kann es sein, dass du überhaupt weißt, dass dort ein Dorf niedergefackelt wurde? Du musst doch selbst dabei gewesen sein, als das geschah. Oder wie kannst du Kauzo sonst gezeigt haben, dass es so war?“ „Ich dachte das wäre selbstverständlich gewesen. Ich war im Körper vom Mädchen, welches ich zuvor besessen habe, damit sie ihre gesamte Familie umbringt.“ Sie schauen ihn teils mit geschockten, teils mit sehr verwunderten Gesichtsausdrücken an. „Und wieso hast du das getan?“ „Weil es lustig ist zu sehen, wie jemand etwas tut, was er überhaupt nicht möchte. Dieses zwiegespaltene und die letztliche Reue.“ „Und aus diesem Grund hat das Kind nach seinen Eltern gerufen?“ fragt Kauzo. „Ja. Die wollte es nicht wahr haben und hat in ihren letzten Lebensminuten noch nach den Eltern gerufen, welche sie selbst umgebracht hat. Das war das amüsanteste.“ Ekel. „Ich habe das Gefühl, du bist um ein vielfaches widerwertiger, als es jeder Deadra oder Cred-Doktor sein kann. Wieso willst ausgerechnet du nun helfen und diese Doktoren bezwingen?“ „Weil die mir den Spaß nehmen. Ich sehe es nicht ein, dass jemand anderes die Dinge zerstört, mit denen ich spiele und meinen Spaß habe.“ „Bei dir habe ich das Gefühl, du seist ein Kind im Körper eines Gottes. Jemand, der zu allem fähig ist, diese kraft aber gar nicht haben sollte. „Ich bin nicht so mächtig, wie einer glauben mag. Das ist übrigens auch noch ein Grund. Ich habe keine Lust, dass irgend so ein seltsamer Typ herumläuft und die Welt glauben lässt, er wäre ein Prophet, der nun all das Böse vertreiben möchte. Heuchlerische Leute sind mir am unsympathischsten. Die ehrlichen sind dafür umso amüsanter. Die sagen einfach direkt heraus, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Aus diesem Grund fühle ich mich hier auch wohler, als an manch anderen Orten. All die Male bei denen du sagtest, du hasst mich und würdest mich am liebsten abstechen und zerfleischen, da geht mir einfach das Herz auf.“ Der Deadra Anführer fühlt sich komisch.



„Wir sollten zum eigentlichen Thema zurückkehren“ sagt Varvin. „Diese Doktoren verbrennen also Dörfer und töten diejenigen, die ihnen nicht zuhören wollen. Sie töten die, die an alles andere glauben, als an diesen einen einzigen Gott, welcher nun herumläuft und ganz zufällig gute Taten vollbringt, nachdem seine Anhänger noch getötet und gedroht haben. Er selbst wird kein Deut besser sein und führt im Moment bloß irgendeine seltsame Show ab.“ „Genau mein Gedanke. Entweder sagt er, er will die Welt vernichten und steht dazu, oder er sagt, er will Leuten helfen und macht das dann auch. Aber das, was er abzieht, ist das mieseste von allen.“ Da hat Kauzo eine weitere Frage. „Bist du nicht genau so? Dass du Dinge behauptest, die am Ende gar nicht so sind? Dass du so tust, als wärst du gut, dabei schadest du der Welt jedes mal aufs neue?“ „Zwei Dinge. Erstens: Ich habe das Recht zu betrügen. Zweitens: Lügen tue ich recht selten. Ich habe zum Beispiel nie behauptet, ich wäre auf der guten Seite. Es gibt in meiner Welt keine Seiten. Gut, Böse, jeder hat seine Gründe und die kann man rechtfertigen. Ich versuche einfach jedem im Weg zu stehen, weil das das amüsanteste ist. Nur jetzt mache ich ein Ausnahme und helfe euch. Aber genau genommen stimmt das gar nicht. Denn ich stehe weiterhin Leuten im Weg. Diesmal sind es die Cred-Doktoren und alles drumherum.“ „Du könntest auch mit einer Hand voll Wörtern antworten und brauchst nicht ständig einen ganzen Monolog zu starten.“ „Du kannst auch einfach den Mund schließen und es dabei belassen.“ Wut baut sich im Anführer auf, während der Narr ihn unschuldig anblickt. „Jedenfalls. Kurzfassung: Cred-Doktoren böse, wir müssen aufhalten, wir töten alles und jeden der uns in die Quere kommt und finden mehr über bösen Gott heraus, böser Gott wird sich bestimmt wehren, großer Kampf, wir gewinnen, Ende der Geschichte. Noch fragen?“
Lucius hebt die Hand. „Du brauchst dich nicht melden. Wir sind hier in keiner Schule.“ „Das hat etwas mit Respekt zu tun. Nun. Ich habe eine Frage.“ „Dann.. stell sie?“ „Haben wir wirklich etwas davon? Selbst wenn dieser ‚Gott‘ nun den Menschen hilft und immer mehr an Beliebtheit gewinnt, was soll danach passieren? Als neuer König wird er sich wohl kaum aufstellen… Oder doch?“ „Umso beliebter er ist, umso mehr kann er sich erlauben. Stell dir vor es läuft jemand umher, er Gottgleich ist und Leute heilen kann. Ein lebendiger Gott. Man baut ihm mehrere Tempel und wird ihm jeden noch so kleinen Wunsch erfüllen. Der könnte sich alles erlauben und würde die gesamte Welt blenden. Und wenn man ihn dann tötet, dann steht man selbst plötzlich als der böse dar. Deshalb sollten wir ihn unverzüglich erledigen.“ „Ich habe nur noch eine Frage.“ Es ist E’Phir, der spricht. „Ja?“ „Kann das wirklich sein? Er und seine Anhänger töten die, die nicht an ihn glauben. Alleine dadurch wird es doch nie dazu kommen, dass Leute glauben, dass er der gute sei. Würden sie nicht viel mehr denken, dass er ein Tyrann sei?“ „Das stimmt eigentlich. Jetzt mal ganz ehrlich. Ich habe mich schon oft gefragt, was so gottgleiche Figuren in ihrer Freizeit tun. Die haben ja gar nichts, was die noch großartig tun können. Die haben niemanden, an den sie glauben und dessen Wüsche sie erfüllen können, sie haben niemanden, mit dem sie irgendwas unternehmen können, wenn sie draußen umherlaufen, werden sie wie keine normalen Leute behandelt, die Liste hört nicht auf.“ „Aber ist er wirklich so gottgleich, wie du denkst?“ „Auf keinen Fall. Selbst der noch so stärkste Mensch kann mit einem einfachen Schuss durch das Herz getötet werden. Aber das, was er kann, ist dennoch beeindruckend. Seinen Hass manifestieren, damit diese in Form einer neuen Krankheit die Welt heimsucht, er kann Leute ohne großen Aufwand wieder heilen, er kann-…“
„Was ist los? Wieso die dramatische Pause?“ „Mir ist gerade ein Gedanke gekommen. Und es ist so viel lustiger, als ich bislang gedacht habe. Ja, oh ja. Ich werde diesen Gott töten. Denn was er macht, ist so viel betrügerischer als das, was ich tue.“ „Erkläre.“ „Er heilt die Kranken. Aber die, die Krank sind, sind die, die von seiner Krankheit befallen wurden. Er nimmt ihnen jenen Fluch, den er erst auf sie gelegt hat. Dadurch wirkt er wie der größte Held, welcher derzeit über die Welt streift, dabei ist er ein einfacher Betrüger. Ich würde sagen, wir reisen unverzüglich ab. Ich will unbedingt mehr über diesen Typen erfahren, will ihn persönlich treffen, ausfragen und töten können, will diese Doktoren die Masken vom Gesicht reißen und endlich wieder etwas zum Lachen haben.“ „Dann reisen wir jetzt los. Wir müssen nur aufpassen. Die Straßen werden oft von Soldaten überwacht. Wenn wir uns auffällig verhalten, dann-“ „Dann töten wir die Soldaten und reisen weiter.“ „Das wäre zu riskant“ sagt Kauzo. „Gut. Ich wusste nicht, dass du so langweilig bist. Dann verhalten wir uns eben extrem unauffällig.“
Ein sehr cooles Kapitel, weiter so 😀
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Viyrac ist so fies. Jaster ist mega schlau dass er das herausgefunden hat. Er sollte ihn erledigen
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