Kalte Wände, helle Lichter. Geblendet, getötet, weggeworfen und ersetzt. Mal für Mal. Es regnet herab. Brennende Säure. Bis sein Körper im Nichts verschwindet. Bild für Bild in seinem Kopf. Träume? Die Vergangenheit? Eine eigene Welt, jenseits von Gut und Böse?
Er wacht auf. Ein Junge, der sich an nichts mehr erinnern kann, als kleine Schnipsel. Zusammenhangslose Schnipsel von einem Ort, welcher mit der Hölle zu vergleichen ist. Er öffnet die Augen und blickt gen Himmel. Doch es gibt keinen Himmel. Über ihm sind Stahlträger, Seile, Lampen. Die Wände sind voller Platten, Schrauben, vereinzelnden Türen. Und von einem Wort.
Ein Wort auf einer anderen Sprache. Der Sprache seines alten Lebens. Er ist kein Mensch mehr. Er wurde zu etwas neuem. Etwas, was erst getestet werden muss. Zumindest scheint es so. Aber so sind sie? Wo sind alle? Wo ist er? Ein Ort voller Lichter, ohne Himmel und abseits von allem vorstellbaren.
Er läuft durch eine gigantische Halle. Sie ist Leer. Nur eine, einzige Vorrichtung hängt an der Wand. Ein seltsam geformter Kasten mit vier Rädern. Es scheint, als könnte man es als Fortbewegungsmittel genutzt haben. „Willst du hier raus?“ fragt eine Stimme. „Du willst raus. Da bin ich mir sicher. Hör gut zu. Rechts siehst du drei Türen. Richtig?“
„J-Ja.“ „Geh durch die Rechte. Und was auch immer du tust, geh nicht durch die Linke.“ Der Junge zögert. „Wieso?“ Doch er bekommt keine Antwort. Und ohne eine Antwort hat er keinen Grund zu gehorchen. Er läuft zur linken Türe und öffnet sie. Zu Gesicht bekommt er ein Haufen von Leichen. Hunderte, Tausende. Sie schauen alle gleich aus. „Was sind sie?“ „Andere Versionen von dir. Du bist die einzige Version, die noch lebt. Nummer 04.“
„Wo bin ich? Was ist das hier?“ „Eine Vorrichtung. Milliarden Meter unter der Erde. Sie besteht aus tausenden Räumen. Und alleine würdest du hier so gut wie nie rausfinden. Also. Was sagst du? Wirst du gehorchen?“ …
Er geht durch die rechte Tür und steht vor einem Abgrund. Er schaut hinunter und sieht Schienen. „Jeden Augenblick wird hier ein Zug vorbeifahren. Und du wirst in ihn einsteigen. Verstanden?“ „Wieso?“ „Mach es einfach.“ Lichter blinken auf, ein lautes Warnsignal ertönt und die Bahn kommt angefahren. Sie hält, öffnet ihre Türen und der Junge, Nr4, steigt ein. In einer Spiegelung kann er sich selbst erkennen. Er schaut in der Tat so aus, wie all diese abertausenden Leichen vor ihm.
Die Haare braun, die Augen rot. Eine blasse, schwache Haut, eine Klammer in den etwas längeren Haaren, ein schwarzes, langärmeliges Shirt und ein Verband um den Hals. Er hat eine Verletzung an der rechten Backe. Vermutlich hat er sie schon länger, da das Blut getrocknet ist, doch noch an der Haut klebt.
