Zwei Tage zuvor, kurz nachdem Feylin sich von Kazuo, Izuki, Iylandra und Lamia verabschiedet hat läuft sie die Straßen entlang, zum Einkaufsviertel und geht shoppen. Sie hat vor drei Tagen erst Taschengeld bekommen, wodurch sie sich wieder neue Sachen kaufen konnte.
Am Ende machte sie sich auf den Weg nach Hause mit zwei neuen Shirts, einer Hose, drei neuen Spielen und einer größeren Merchandise Figur.
Kurz vor der Bushaltestelle, als sie an den letzten Häusern vorbei läuft, hört sie eine Stimme sagen: „Wenn du genug Geld für sowas hast, diese Kleidung, diese Spiele, dann hast du doch wohl auch genug Geld, um den Stein zu bezahlen. Meinst du nicht auch?“
Kurz darauf wird sie ein eine der Gassen gezogen und kann sich nicht mehr bewegen. Ihr kompletter Körper wurde paralysiert. Sie versucht hochzuschauen und sieht nur die dunkel Haare einer Person.
„Aber du kannst mir etwas viel besseres geben, als Geld.“ Er verdeckt ihre Augen und sie wird schwummrig. Am Ende wird sie bewusstlos und sie man schleppt sie mit.
Als sie ihre Augen wieder öffnet ist sie an einen Tisch in einem seltsamen, dunklen Raum gebunden. Überall befinden sich Monitore die bekannte Orte zeigen. Überall liegen Skalpelle, Messer, blutige Werkzeuge. In der Ecke steht ein Sezierset. Von der Decke hängen zwei Lampen. Eine normale, eine blaue. Wahrscheinlich für UV Licht.
Hinter ihr ertönen Schritte. Kurz darauf spürt sie eine Hand an ihrem Kopf. Sie Hand führt durch ihre Haare, streichelt sie, Danach hört sie eine Stimme sagen: „Alles wird gut. Ich brauch nicht viel von dir. Aber beantworte mir eine Frage. D-„
„Wer bist du?“ frägt sie, erfüllt mit Angst. Sie zittert und steht fast vor der Ohnmacht. „Alles wird gut. Ich tue dir nicht weh. Beantworte mir nur eine Frage. Hitachi Sazuki ist dein Vater. Richtig?“
„J-Ja?“ Er läuft ein Mal um sie herum. „Gut. Maya Tanaka ist deine Mutter. Stimmt das?“
„Das stimmt, ja.“ Er lacht. „Wunderbar. Kazuo Sazuki ist dein leiblicher Bruder. Stimmt das?“
„Er ist mein leiblicher Bruder.“ „Gut. Letzte Frage: Sagt dir der Name ‚Yoru Sazuki‘ etwas?“
Wenn sie jetzt mit ‚Ja‘ antworten würde wäre der Mann der vor ihr steht der glücklichste Mann der kompletten Welt. Doch sie sagt: „Nein.“
„Schade. Sehr schade. Aber das ist nun wohl egal. Solange du eine Sazuki bist hast du alles, was ich brauch. Alles.“ Er nimmt eine seltsame Creme und eine Spritze. Feylin schreit vor Angst. Mit jedem Schritt den sich der Mann nähert werden die Schreie lauter.
„Ich tue dir nicht weh. Ich halte mich an meine Worte. Warte, ich schalte das Licht ein. Nur um sicher zu gehen.“ Er läuft zum Lichtschalter und schaltet das UV Licht an. Sie dreht ihren Kopf um die Identität des Entführers herauszufinden.
Seine Augen und Narben leuchten im UV Licht auf. Es ist Kanji.
Er setzt sich zu ihr hin und sagt: „Das letzte was ich will ist, dir weh zu tun. Deshalb die Creme. Hier, riech. Es riecht nach nichts. Und es hat auch keine großartige Wirkung, außer deinen Gefühlssinn kurzzeitig an der aufgetragenen Fläche zu deaktivieren. Ich kann dir Blut entnehmen und du spürst nichts.“
Er hat nicht gelogen. Er geht wirklich den extra Schritt, damit sie keine Schmerzen fühlt. Selbst den Schmerz durch das piksen einer Spritze versucht er ihr zu nehmen. Er möchte niemandem weh tun.
Er trägt die Creme an ihrem Arm auf, dringt mit der Nadel in ihre Haut und zieht. Sie schreit nicht und versucht auch nicht sich zu wehren. Kanji zieht nicht viel Blut. Nur knapp zwei bis drei Milliliter. Danach zieht er die Spritze raus, beschriftet sie und legt sie in eine Schublade zu vielen weiteren mit Blut gefüllten Spritzen.
Ihre Spritze war die einzige mit einem goldenen Zettel. Alle anderen waren weiß.
„Ich bin dir wirklich sehr, sehr dankbar für deine Kooperation. Fast alle anderen schrien weiter. Selbst nachdem ich ihnen sagte, dass sie keinen Schmerz spüren würden. Ich habe es nie verstanden. Aber du bist schlauer als sie.“
Feylin weiß nicht, ob sie sich geschmeichelt oder ängstlich fühlen soll. Eine Mischung aus beidem füllt ihren Körper.
„Darf ich-.. Darf ich wieder gehen?“ frägt sie. „Sehr bald. Spätestens wenn die Vermisstenanzeige draußen ist. Ich muss irgendwie an Geld kommen. Der Weg ist egal. Das Ziel ist das, was zählt.“ Sie schaut ihn voller Unglaube an.
„Vermisstenanzeige?“ „Ja. Aber deine Eltern werden sie sehr wahrscheinlich morgen aufgeben. Und dann bringe ich dich sofort zurück. Bis dahin bleibst du hier. Ich kümmere mich auch gut um dich, gebe dir Essen, du kannst einen Film auf den Monitoren schauen. Du kannst dich selbst frei bewegen. Und denk erst gar nicht darüber nach, mich anzugreifen. Ich könnte dich in weniger als drei Sekunden töten.“
„Hatte ich so oder so nicht vor.“ „Wieso sollte ich ihn auch angreifen? Ich habe so oder so keine Chance. Zu flüchten kann ich auch vergessen. Wenn er mir wirklich Essen gibt, dann bleibe ich hier, wenn es sein muss“ denkt sie sich.
Kanji legt seine Hand auf ihre Stirn. Sie beginnt zu leuchten. Kurz danach schaut er sie überrascht an. „Du hast die Wahrheit gesagt. Na wenn das so ist…“ Er löst sie vom Tisch.
„Du kannst dich umschauen. Wenn du einen Film oder YouTube Videos schauen willst, gib mir bescheid. Ich kann ’nen Laptop mit den Monitoren verbinden und über die Boxen den Sound abspielen.“
„Schon gut“ sagt sie. „Mach du deins weiter. Ich schau vielleicht ein wenig zu.“
Gedanken füllen Feylins Kopf: „Es ist seltsam. Sehr seltsam. Er hat mich entführt und gefesselt. Ich sollte Angst vor ihm haben, oder wütend auf ihn sein und versuchen zu flüchten. Aber… Er fühlt sich einfach wie ein trauriger Junge an, welcher verzweifelt versucht an Geld zu kommen. Ich hätte nichts dagegen, ein paar Tage mit ihm zu verbringen. Oder eine Woche.“
„Wie du meinst.“ Er nimmt eines der Skalpelle und schneidet sich am Handgelenk. Danach schiebt er ein Stück von einem stark saugfähigen Material in die Wunde, so tief er kann, und wartet. Nach knapp einer Minute holt er es raus und drückt es über einem Becher aus. Er füllt sich langsam mit seinem Blut.
„Was machst du gerade genau?“ frägt Feylin ihn. „Die Steine herstellen“ antwortet er kurz und knapp. Er gießt das Blut in eine Form, gibt ein gelbes Pulver dazu und wartet. Das Blut wird sofort fest, er nimmt es, drückt es aus der Form aus und legt die daraus gewonnenen Steine auf den Tisch. Diese packt er anschließend in eine Kiste, welche fast bis zum Rand mit dieser Art von Steinen gefüllt ist.
„Und was kann man jetzt mit denen machen?“ frägt sie. „Wenn man die Steine jetzt isst beherrscht man Erashin. Zwar wird man kein Meister, aber die Grundkenntnisse kann man schon mal. Ich verkaufe die Steine um irgendwann genug Geld für eine eigene Firma zu haben, mit welcher ich ein bestimmtes Ziel versuch zu erfüllen. Aber das wird noch eine Weile dauern.“
Sie verbrachten den restlichen Tag zusammen. Auch den Tag darauf. So komisch es klingt, aber in Feylins Augen war es eine schöne Zeit. Und am zweiten Tag, spät in der Nacht, da sah Kanji die Vermisstenanzeige. Er hielt seine Hand über Feylins Augen und nutzte Erashin, um ihre Erinnerungen an die letzten zwei Tage zu löschen und sie anschließend erneut bewusstlos zu machen.
Anschließend brachte er sie in den Wald, legte sie dort ab, gab ihr ihr Bewusstsein wieder zurück und tat so, als hätte er sie gefunden. Er brachte sie zu ihr nach Hause, bekam 125.000 Yen und ging wieder. Doch kurz darauf wurde er von Kazuo konfrontiert, welchen er einfach mit Erashin von sich fern hielt.
Der nächste Morgen brach an und Kanji wusste: Heute wird ein dunkler Tag.