Ein Raum. Ein kleiner, weißer Raum. Leer. Nur ein Fenster und ein Bett. Das Fenster ist offen. Mir ist kalt.
Ich stehe langsam auf. Meine Beine schmerzen, meine linke Hand ist taub… Wo bin ich?
Nach den ersten Schritten nehmen die Schmerzen zu. Aber ich muss laufen. Ich muss wissen, wo ich bin.
Er läuft, Schritt für Schritt, geht bis zur Tür und öffnet diese. Über ihm fünf lange Balken an Licht. Das Fenster klein, doch groß genug, dass man rausspringen könnte. Im Nebenzimmer ist das erste, was zu erblicken ist, eine große Wand aus Glas, zu welcher er läuft. Draußen ist der Nachthimmel zu sehen. Und unter ihm die hunderten Häuser Osakas, umhüllt von ihren Lichtern. Er blickt hoch, zum Mond und lässt ihn über sich ergehen. Seine Strahlen umschlingen Yoru, der die Augen schließt und in seiner eigenen Welt steckt.
Hinter ihm stehen ganze Reihen an Stühlen. Silberne Füße und Armlehnen, weißes Leder. Gegenüber eine Rezeption, an welcher niemand steht. Er bemerkt weitere Räume. Einer, der gleich neben dem war, in welchem er sich befand. Und zwei links von der Rezeption.
Alles ist weiß. Alles ist kalt. Nur der Mond ist noch bei mir, wärmt mich. Die wärme des Mondes ist angenehmer als jede Wärme einer geliebten Person. Doch wen liebe ich? Wer liebt mich? Bis auf-… Nein. Niemand. … Ist das der Himmel? Das Leben nach dem Tot? Was ist passiert? Wieso fühle ich mich so leicht?
So leicht, wie ein Stern. Die Sterne am Himmel sind wunderschön. Sie sind beisammen, strahlen, füllen den Himmel mit Lichtern. Sie strahlen, weil sie müssen. Sie verstecken sich hinter ihren Strahlen. So, wie auch wir. Der Mond wacht über sie. Über die Sterne. Wer wacht über uns? Ambassadors? Apostel? JAEO? Wer entscheidet über unser Schicksal? Niemand?
Und die Sonne. Was ist mit ihr? Sind wir die Sterne, die Ambassadors der Mond und die Apostel und Engel die Sonne und ihre Strahlen? Doch die Sonne ist so schön warm. So guttuend. Sehen wir alles falsch? Was ist-… Was ist los, mit dieser Welt?
Während seinen Gedanken begibt er sich zur Rezeption und von dort in den Raum rechts davon. Es ist ein Treppenhaus. Über das Geländer wirkt es so, als würde es unendlich tief sein. Der einzige Weg ist nach oben. Und so läuft er die Treppen hoch. In einen Raum, der genau so ausschaut, wie der vorherige auch. Er geht noch ein Mal zur Glaswand und schaut raus. Die Lichter der Häuser tun weh. Sie sind so hell. Wie das Licht dieses Hauses. Wenn es überhaupt ein Haus ist.
Er läuft zurück nach unten, in den Raum, in welchem er aufgewacht ist. Diesmal steht eine Frau, weiß gekleidet, an der Rezeption. „Oh. Herr Sazuki. Wir geben ihrem Vormund umgehend Bescheid, dass sie wach sind und, dass er sie abholen kann.“ Sie geht wieder.
‚Herr Sazuki‘, es klingt so falsch.
Er setzt sich auf einen der Stühle und bleibt dort. Sitzend, ohne Gedanken, für zwei Minuten, fünf, sieben, zehn, fünfzehn Minuten. Und eine Stimme spricht zu ihm. Leise, verzerrt. Doch er versteht sie nicht. Plötzlich hört er Shiro. „Dir geht es gut. Gott sei Dank.“ Neben ihm Himari und Tenshi. Um sie herum das helle, weiße Licht, welches langsam die Sicht des Jungen umhüllt.
„Du schaust aus, als wärst du halb tot. Alles okay?“ fragt Tenshi. Yoru nickt nur mit dem Kopf. „Deine Augen… Ist wirklich alles gut?“ „J-Ja. Das Licht tut nach einer Weile nur etwas in den Augen weh.“ „Wir müssen zurück, nach Hause. Bist du bereit? Oder hast du noch irgendwas vor?“ „Ich bin bereit.“
Sie laufen gemeinsam die Treppen runter. Unten angekommen blickt Yoru zum Gebäude hoch und sieht, dass es das Krankenhaus war. Aber was ist passiert? Er wird er vorerst wohl nicht erfahren. Doch die Frage verlässt nicht seinen Kopf. Selbst im Auto, auf dem Rücksitz, sitzt er neben Himari und schaut aus dem Fenster. Auf etwa der halben Strecke meint Tenshi: „Können wir kurz zu JAEO fahren? Es ist wichtig.“
Shiro atmet genervt aus, sagt aber: „Gut. Ich warte aber nur fünf bis zehn Minuten.“ Sie biegen ab, fahren durch einen Tunnel rein in die Zentrale und halten an. „Komm mit, Yoru.“ Tenshi steigt aus und Yoru folgt ihm. Sie laufen bis zur Mitte, dem Pfeiler, fahren einen der hunderten A Aufzüge hoch, laufen durch einen seltsamen Raum mit Tanks, die mit Flüssigkeiten und weiterem gefüllt sind und stehen letztendlich in einem großen Raum. Links, um die 30 Meter vom Steg entfernt, ein Tunnel. Rechts, um die 5 Meter entfernt, die Ambassadors.
„Ich habe meinen Amb extra neben deinem aufstellen lassen. Steig ein.“ Er ist verwirrt. „Wo? In den Amb?“ „Ja. Der lilane ist deiner. Vertrau mir.“ „Ich… Ich hab..“ „Angst? Sorge? Brauchst du nicht zu haben. Komm.“ Sie laufen nebeneinander zum großen Roboter. Eine kleine Luge im Hals, die nur zu sehen ist, wenn der Kopf des Roboters direkt nach oben blickt, wird als Eingang genutzt. Tenshi legt zwei Schalter um und dreht die Luke um 35 Grad. Sie öffnet sich.
„Nur zu. Klettere rein.“ Yoru gibt nur ein sehr unsicheres „Hmm“ von sich. „Wenn du meinst. Ich vertraue dir.“ Er geht Kopfüber rein, klettert eine Leiter runter und bekommt leichte Panik. Es ist eng. Sehr eng. Und er kann nichts mehr erkennen. Doch er gibt sein Bestes. „Hol tief Luft. Du schaffst das.“ Erst der rechte Fuß, dann der linke. Nach für nach klettert er. Bis er ganz unten angekommen ist und nur eine kleine Einkerbung sieht. „Soll ich mich da reinlegen?“ fragt er. „Sollst du, ja!“ Er legt sich vorsichtig rein und schließt die Augen. Bis er, auf einen Schlag, sich wieder an alles erinnern kann…
„Er wird es, der Tester von Model J3sR. Tester von ‚Jester‘“ spricht Ryozuki. Und damit ist es für Yoru endgültig klar. Er soll ihn steuern. Einen Amb. „Aber wieso ich?“ fragt er und bekommt keine klare Antwort. „Wieso nicht? Du wurdest zufällig auserwählt. Einer von hunderttausenden. Du solltest dich freuen, anstatt dir Gedanken zu machen.“
Herr Amaroshi hat recht. Es wird auch keinen besonderen Grund haben, dass Himari, Jack und Tenshi Piloten geworden sind. Sie nehmen einfach die, die sie kriegen können. Ich sollte einfach bereit sein. Und ich glaube das bin ich. „Wann soll ich ihn steuern?“ „Jetzt sofort“ sagt Amaroshi. „Du kannst derjenige sein, der diese Stadt und JAEO retten kann. Ist das nicht großartig?“ „Steuer ihn einfach. Weiteres bekommst du dann gesagt“ meint Ryozuki und zeigt auf den kleinen Weg, der zum Eingang führt.
Vorsichtig nähert er sich dem Roboter. Am Hals befindet sich eine verschlossene Luke, die sehr wahrscheinlich der Eingang ist. An dieser sind rechte und links zwei Schalter und in der Mitte ein kleines Rad. „Lege die Schalter um und drehe danach das Rad.“ Er tut das, was Ryozuki sagt. Die Luke öffnet sich und zum Vorschein kommt eine Leiter. Er steigt auf sie auf und klettert runter.
Dort befindet sich nichts, als eine Einkerbung in der ungefähren Form eines Menschen. Das einzigst logische ist für ihn in diesem Moment, sich dort reinzulegen. Und als er liegt, blinken verschiede, rote Lichter auf. Etwas bewegt sich. Etwas rundes, längeres. Wie ein leeres Rohr. Es kommt näher. Und plötzlich, aus dem Nichts, kommt aus der der runden Form ein Stachel, der Yorus kompletten Körper durchdringt. Er schreit. Und alles wird schwarz…
„Du bist es also. Pilot 1. Ja?“ „Pilot 1?“ fragt Yoru. „Wer bist du überhaupt. „Model J3sR – ‚Jester‘, wie ich genannt werde.“ „Du bist der Roboter? A-Aber Wieso kannst du reden?“ „‚Ambassadors‘, wie ihr Menschen sie nennt, sind auch Lebewesen. Andere sind sehr… pingelig mit ihren Piloten. Aber ich bin mir sicher, dass wir eine großartige Zeit zusammen haben werden. Nicht wahr?“ „I-Ich denke mal ja.“ „Sehr gut. Erst wenn sich Amb und Pilot zu 100% verstehen, erst dann kann der Pilot den Amb problemlos steuern. Deshalb kam es schon oft zu Komplikationen. Doch, wie bereits gesagt, werden wir uns bestimmt sehr gut verstehen. Nun öffne deine Augen, Yoru. Öffne sie.“
„Hörst du uns?“ fragt die alte Stimme. Ich öffne langsam meine Augen und sehe die Decke. Doch sie ist sehr viel näher, als zuvor. Und als ich geradeaus schaue, verstehe ich erst, was passiert. Ich schaue durch die Augen des Ambassadors. Aber nicht nur das. Ich höre durch ihn. Und ich… „Ich höre sie, ja.“ Ich spreche durch ihn. Man könnte meinen, ich wäre der Ambassador.
„Sehr gut. Sehr, sehr gut. Bislang gibt es keine Probleme. Wir war euer Annexus? Die Verbindung, das Gespräch. Wie versteht ihr euch?“ „S-Sehr gut.“ Er macht große Augen und staunt. „W-Was? Wirklich? Model J3sR und… Alle bisherigen Piloten waren nicht gut genug und wurden getötet. Doch dieser Junge, er-… Wow.“
Getötet? Sie wurden getötet? Hier drinnen? „Sie waren anders. Du bist etwas besonderes. Vertraue mir. Ich habe ein Auge für sowas. Und nun, lass uns diese Apostel in Stücke reißen.“ Es scheint, als sei Yoru der Einzige, der die Stimme des Ambassadors hören kann. „Wie es ausschaut, läuft alles besser, als wir es uns hätten vorstellen können, Ryozuki. Was meinst du? Können wir den Jungen losschicken?“ „Die JAEO Zentrale hängt davon ab. Es gibt keinen anderen Weg. Wir müssen einfach hoffen, dass nichts mit dem Protox NX-AP Eliminator passieren wird. Denn wenn etwas schief geht, dann sind wir alle weg. Für immer.“