Devout Mecha Exodus Chapter 17 – Schlitz

Aufnahmen. Aufnahmen von Apostelangriffen in Frankreich. Nicht nur Japan und Amerika sind betroffen, mit einzelnen, kleineren Angriffen auf nebensächlichen Ländern. Auch in Frankreich geht es los. In Deutschland gab es ebenfalls schon einen Angriff. Sie scheinen sich zu häufen. Schon über die letzten Wochen gab es so viele, wie noch niemals zuvor. Und sie werden Mal für Mal zerstörerischer und stärker. Als würden sie dazulernen.

„Was schaust du da?“ fragt Himari, die plötzlich hinter Yoru steht. „Oh. N-Nichts. Nur ein paar Videos über..“ „Über ‚Apostelangriffe in Frankreich‘? Dort gab es jetzt auch schon welche?“ „Anscheinend“ meint Yoru und klickt auf das nächste Video. Doch als er es laden möchte, kommt eine Fehlermeldung. Er geht auf die letzte Seite zurück und versucht das Video erneut zu laden. Diesmal funktioniert es. Doch die Aufnahme ist sehr schlecht, verdammt wackelig, zeigt fast gar nichts und hat eine grauenvolle Auflösung.

„Huh. Wie sah er aus? Der Apostel.“ „Wie ein bläulicher Mensch mit Flügeln.“ Sie schau aus einem der simulierten Fenster und denkt nach. „Hast du ein Bild?“ „Ja, hier“ antwortet der Junge, öffnet das vorherige Video und springt zur Stelle vor, bei welcher der Apostel am besten zu sehen war. „Versuchen sie die menschliche Form zu imitieren?“ „Vielleicht. Oder die der Engel. Gab es bislang keine Apostel, die menschenähnlich waren?“ Sie schüttelt den Kopf. „Dann ist das vielleicht der Anfang.“

Sie lässt den Fernseher weiterlaufen und setzt sich neben Yoru hin. Der Abend vergeht ruhig. In der Nebenwohnung befinden sich Jack und Marie. Er kocht Abendessen, während sie Fern schaut und ihm teils beim Schneiden der Lebensmittel hilft. Nach einer Weile ist er fertig, stellt es auf den Tisch und sie essen gemeinsam. Am Abend schaltet Yoru den Computer aus und geht in sein Zimmer. Davor putzt er seine Zähne, zieht sich um und geht anschließend schlafen. Es ist eine kalte Nacht. Sterne strahlen heller, als sonst. Und der Mond weint.

Plötzlich ist es Tag. Er kann Shiro und Himari hören. Sie reden im Wohnzimmer miteinander. Und er ist allein. Allein in seinem kleinen, dunklen Zimmer. Das Radio beginnt zu spielen und bringt eine Unwetterwarnung. Es soll in dieser Woche zu zwei starken Orkanen kommen. Die genauen Daten wurden nicht genannt. Yoru steht auf, öffnet die Tür und geht ins Wohnzimmer. Himari sitzt auf dem Teppich und schaut eine Serie über Männer in anderen Ländern. Und Shiro ist in der Küche.

Leise setzt sich Yoru an den Esstisch und Himari kommt zu ihm. „Gut geschlafen?“ fragt sie ihn und er senkt den Kopf. „Wieso reden wir überhaupt?“ „Huh?“ „Wir werden nach der Schule und nach all dem hier eh nie wieder mehr Kontakt zueinander haben. Was bringt es also? Was bringt das alles hier?“ „Die Nerven mancher Leute. Wow…“ Sie reden den restlichen Morgen nichts mehr miteinander. Shiro stellt zwei Brötchen auf Tellern, eine kleine Box mit verschiedenen Wurst- und Käsesorten und zwei Gläser Wasser auf den Tisch.

Sie frühstücken, gehen mit Shiro zu seinem Auto und fahren los. An der Schule angekommen laufen die beiden Kinder wortlos miteinander zum Klassenzimmer. Sofort läuft Masaaki zu Yoru und meint: „Hast du endlich eine Frau für’s Leben gefunden?“ Kanaye steht gleich hinter ihm und hört den Beiden nur zu. „Lass den Scheiß“ antwortet Yoru und schaut auf seine Hefte. Die Lehrerin betritt den Raum und der Unterricht geht los.

Die ersten beiden Stunden sind Geschichte. Es geht anfangs um den Kalten Krieg, welcher erst vor wenigen Jahren beendet wurde. Die Waffen wurden seitdem aufbewahrt, falls weitere, große Apostelangriffe stattfinden sollten. Und in der zweiten Stunde um den Mauerfall in Deutschland. Er fand statt, um die Nation zu vereinen, wodurch gemeinsam neue Kraft gegen die Apostel gefunden werden kann. Dinge, die fast jeder schon wusste. Doch sie müssen trotzdem in Schulen gelehrt werden.

Die Glocken klingeln und die Pause geht los. Sein Blick fällt ein Mal kurzzeitig zu Himari. Sie schaut ihn an und guckt sofort wieder weg. Auf dem Pausenhof angekommen, läuft ihm Kanaye mit einem Burger in der Hand entgegen. „Hat der Laden wieder offen?“ „Hat er. Masaaki holt sich gerade auch einen. Kein Hunger?“ „Nicht wirklich. Ich hab schon gefrühstückt. Aber Danke.“

Eine kurze Weile später kommt Masaaki mit einem halben Bürger in der linken Hand zu den beiden auf ihn wartenden Freunden. Sie gehen zu dritt auf die Bank unter den Bäumen und schauen in der Gegend herum. Bis Yoru auf die Schule schaut und sein Blick nach oben lenkt. Am Fenster der obersten Etage steht eine Person und blickt zu ihnen runter. Am wahrscheinlichsten ein Schüler.

Er zeigt mit dem Finger nach oben. Yoru weiß nicht, was der Junge von ihm will und schaut weg. Doch die Neugierde kann ihn nicht halten und seine Augen fallen ein weiteres Mal zum Jungen. Er zeigt noch schneller nach oben. Und als Yoru hoch in den Himmel schaut, sieht er ein riesiges, Auge mit grüner Iris, welches über die Schule wacht. Er schaut zurück zum Jungen. Er ist verschwunden. Und als er seinen beiden Freunden sagen will, was dort oben schwebt, verschwindet es.

Was war das? Ein Engel? Ein Apostel? Etwas völlig anderes? Was auch immer es war, es war angsteinflößend, übernatürlich. Ist es vielleicht ein Zeichen? Eine Markierung für die Engel, dass sie hier angreifen sollen? Oder für die Apostel? Und plötzlich fällt es vom Himmel. Ein Kreuz aus Mondstein, geformt von der Hitze der Atmosphäre. Es landet inmitten des Pausenhofes. Keine zehn Sekunden später geht ein Alarm los. Alle müssen schnellstmöglich in das Schulgebäude gelangen. Yoru hat ein seltsames Gefühl. Dieses Auge, es hatte die Schule Visier. Was, wenn es einen Angriff auf diese geplant hat?

Er steht auf und tut so, als würde er mit den anderen mitlaufen, doch bleibt vor dem Eingang stehen. Himari rennt gerade an ihm vorbei und er hält sie so schnell er kann am Arm fest. „W-Was ist los mit dir? Wir müssen-“ „Nein. Hast du das Auge am Himmel gesehen?“ Sie schaut hoch. „Was für ein-“ Es erscheint. Ein schlitz im Himmel, welcher sich wie das Augenlied öffnet. Eine weiße Kugel mit roter Iris kommt zum Vorschein. Sie starrt auf die Schule. Bis diese, von einer Millisekunde auf die Andere, verschwindet. Und mit ihr sämtliche Schüler.

„Was zum…“ Flüstert Himari und schaut zur leeren Fläche, auf welcher gerade eben noch die Schule stand. Nur noch die Umrisse im Boden sind zu erkennen. „Rennen wir!“ ruft Yoru und läuft so schnell er kann in Richtung des Berges der JAEO Zentrale. Erst will sie etwas dagegen sagen, ihn davon abhalten, doch folgt sie Yoru letztendlich.

Während sie rennen, schaut Yoru kurzzeitig zurück. Das Auge ist erneut verschwunden. Stattdessen schwebt es nun über der Innenstadt Osakas. Er holt sein Handy raus und ruft Shiro an. Doch er geht nicht ran. „Hast du die Nummer von JAEO?“ fragt Himari. „Nein.“ „Ich geb‘ sie dir. Bleib kurz stehen.“ Sie nimmt sein Handy, gibt die Nummer ein und speichert sie als einen neuen Kontakt. „Jetzt kannst du anrufen.“ „Danke.“

Sie rennen weiter und er ruft an. „Guten Tag“ sagt ein Mann am Apparat. „Ehm. Guten Tag. Hier spricht.. Yoru Sazuki. Ambassador Pilot. Wir bräuchten jemanden, der uns abholt und zur Zentrale bringt. Wir befinden uns auf der Straße, kurz vor dem Fuße des Berges.“ „Wer ist noch bei ihnen?“ „Himari..“ „Okasa“ sagt sie zu ihm leise. „Himari Okasa. Ebenfalls Ambassador Pilotin.“ „Ein Fahrer wird sie schnellstmöglich abholen. Bleiben sie, wo sie sind.“ „Vielen Dank.“ Er legt auf, wird langsamer, bis er ganz aufhört zu rennen und setzt sich an den Straßenrand.

„Wir werden gleich abgeholt“ sagt er zu ihr. „Gut… Was war das eigentlich, heute Morgen?“ Er senkt ein weiteres Mal den Kopf und sagt: „Es tut mir leid. Es war-“ „Es war dumme Scheiße. Denkst du wirklich, wir werden nach all dem hier nie wieder Kontakt haben? Wir kämpfen gemeinsam, als große Gruppe, gegen überdimensional große, göttliche Abgesandte des Himmels, müssen uns auf unseren Zusammenhalt verlassen und können nur gemeinsam gewinnen. Wieso sollten wir also nach all dem hier nie wieder mehr miteinander reden? Oder ist es das, was du willst?“

„Nein, auf gar keinen Fall. Ich dachte nur… Du willst nicht. Und den Rest kenne ich nicht wirklich gut.“ „Natürlich will ich. Und dann lerne die anderen einfach besser kennen. Mit Jack hast du dich gestern schon ziemlich gut verstanden. Und mit Tenshi auch. Mit Shiro ebenso. Also weiß ich nicht, was du meinst.“ Er atmet tief ein, schaut den Berg hoch und sagt: „Du hast ja recht. Es tut mir leid. Ich war einfach Müde, wodurch ich zu ängstlich war. Es tut mir leid. Okay?“ „Es ist okay. Aber nur, wenn du es wieder gut machst.“

„Wie?“ fragt er verwundert und schaut sie an. „Du zerstörst mit mir gemeinsam diesen Apostel. Verstanden?“ „Verstanden!“ Der Wind weht und trägt von Ameisen gerittene Blätter durch die Luft. Bis ihm ein Gedanke in den Kopf geflogen kommt: Er muss erneut diese Höllenmaschine steuern. Das erste Mal lief grauenvoll, das zweite mal nicht weniger schlimm. Sind alle guten Dinge drei? Hoffentlich. Denn ein weiterer Vorfall, ein weiterer misslingender Versuch könnte das Ende bedeuten.

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