Katoku V.4 Ch.9 – Kanji Aezys und das Cealestum

Samstag Nacht.

Kanji blättert verwirrt in den Akten von seinem Vater, Whelbur, umher und erfährt etwas schockierendes. Er ist nicht der echte Kanji. Der echte hat sich umgebracht. Und kurz danach wurde ein Klon angefertigt, welchem sämtliche Erinnerungen genommen wurden.

Nach dem Tot von Whelbur, welcher den Klon unter seiner Kontrolle hatte, realisierte der geklonte Kanji alles und schaute in den Akten nach, wo er nun die Wahrheit erfuhr.

„Sir, es ist schon spät“ sagt Merl, unser privater Buttler. „Sie sollten schlafen gehen.“ „Da haben sie recht“ antworte ich und verlasse das Zimmer. Ich weiß nicht, wie ich weiter machen soll. Ich bin also nur ein Klon, welchem die letzten Erinnerungen genommen wurden. Aber macht mich das nicht trotzdem zu dem, der ich vorher war?

Ich habe die selbe DNA, die selben Gedanken, den selben Körper.

Ich weiß es nicht.

Aber was ich weiß ist, dass ich etwas an all dem hier ändern muss. Jetzt, wo Vater endlich tot ist, kann es sein, dass man versucht, Ayz-Tech zu übernehmen. Und wie ich mir gut vorstellen kann wird Keff das ganze versuchen. Er hat hunderte seiner Leute alleine in Japan verteilt. Auf dieser ganzen Welt werden es über mehrere Millionen sein. Im Untergrund sorgen sie für Schrecken und erkaufen sich sämtliche Machtplätze. Ohne Würde.

Ich gehe schlafen und der nächste Tag bricht an. Und mein Leben hat so wenig Sinn, wie jemals zuvor. Ich habe alle meine Aufgaben erfüllt. Ohne Vater, welche mir neue gibt, bin ich nutzlos. Das einzige, was ich tun könnte, ist, mich um das Cealestum zu kümmern.

Ich sollte zu aller erst schauen, ob sich neues zu ihnen ergeben hat.

Kanji steht auf und läuft die warmen Gänge der Villa entlang, bis er in einem großen Raum voller Monitore, Bücher, Akten und Gemälde landet. Er drückt mehrere Knöpfe und die Monitore zeigen die komplette Datenbank aller Militärs der Welt an. Mit ein bisschen Hilfe, guten Hackern und etwas Geld konnte das ganze bewerkstelligt werden.

Er schaut und sieht, dass es bei einem Fall neue Einträge gibt. Bei Palochenjo. ‚Kazuo S. & Iylandra E. suchen nach dem Verbrecher. Chance auf Erfolg – 89%‘

Wie kann das sein?! Wieso kann er-… Das ist mir zu blöd. Wenn er sich um das Cealestum kümmert, dann tue ich das auch. Aber um einiges besser, als er. Ich werde Palochenjo töten, noch bevor er ihn überhaupt findet.

Kanji steigt in seinen Flieger und fliegt los. Er hat genug Daten, um Palochenjo zu finden. Doch in der Miyagi Präfektur angekommen beginnen schon die ersten Probleme. Wie soll er ihn finden? Wie soll er ihn töten? Er hat zwei Erashin Steine dabei. Ist er damit stark genug?

Er holt sein Handy und liest sich Stück für Stück die komplette Akte durch. Bis ihm endlich eine wichtige Stelle auffällt. „An jedem Sonntag also. In den Gassen?“ überlegt er und beginnt zu laufen. „Wenn er wirklich nur in den Gassen ist, dann sollte ich ihn irgendwann finden.“

Ich laufe durch die erste Gasse hindurch, doch bemerke nichts. Nichts, außer all der Müll, der hier liegt. Und die Spritzen. Was aus manchen Menschen werden kann, puh.

In der nächsten Gasse sehe ich mehrere Kinder auf dem Boden liegen. Spielen sie? Schlafen sie? Oder sind sie tot? Ich kann es nicht wissen und will es auch nicht wissen. Was ich weiß ist, dass ich mein Ziel wohl endlich gefunden habe. In einer Gasse, neben einer Art Theater, da sitzt ein seltsamer Mann auf einem Karton.

Ich will auf ihn zulaufen, als plötzlich Kazuo und Iylandra von der rechten Seite kommen. Ich verstecke mich in den Schatten und schau, was sie tun. Doch es überrascht mich nicht. Sie reden mit dem Mann, greifen ihn an. Doch plötzlich lenkt er ihre Angriffe ab. Ein Stache wird hoch in die Luft gelenkt. Daraufhin fällt ein Vogel vom Himmel. Alle Leute in der näheren Umgebung schauen, was passiert.

Plötzlich laufen sie los und Palochenjo folgt ihnen. In den Schatten beobachte ich weiterhin alles und nähere mich langsam. Irgendwann laufen sie in ein Hochhaus. An der Spitze will Kazuo womöglich gegen Palochenjo kämpfen, da dieser dort oben nichts hat, was er als Waffe benutzen könnte.

Etage für Etage wird von den Kindern und dem seltsamen Mann erklommen. Und Kanji legt seine Handfläche auf das Gebäude. Er spürt, wer sich wo befindet und weiß, dass Kazuo und Palochenjo in exakt fünf Sekunden auf dem Dach ankommen. Er beginnt seine Kräfte ins Spiel zu bringen und lässt anfangs nur die oberen, doch daraufhin auch die restlichen Etagen kollabieren.

Stolz begibt er sich zurück in die Schatten, wo er in seinen Flieger einsteigt und zurück nach Hause fliegt.

– – –

Ich wache auf. Das letzte, an was ich mich erinnern kann ist, wie ich gefallen bin. Palochenjo hat den Boden zum Einsturz gebracht. Dann wurde alles schwarz. Wie es scheint befinde ich mich wieder im selben Krankenhaus, wo ich schon vor wenigen Tagen war. Neben mir Iylandra.

Ich schau auf die Uhr. Es ist Montag, 06:34 Uhr.

Wieder in einem Krankenhaus. Kalt, weiß, leblos. Es stinkt und die Menschen sind seltsam. Ich mag es hier nicht.

Ein Mann betritt den Raum. „Guten Tag. Wie mir scheint geht es ihnen wieder gut.“ „Tut es, ja. Wann kann ich wieder nach Hause?“ „Wann sie möchten.“ Gut. Dann kann ich jetzt gehen und wir haben noch genug Zeit um in die Schule zu gelangen.

Ich wecke Iylandra und wir verlassen das Krankenhaus. Und plötzlich sehe ich Vater in seinem Auto. Er winkt uns zu sich. „Endlich seit ihr wach. Sehr gut. Gehen wir. Ich habe euch viel zu erzählen.“ Wir steigen ein. „Woher wusstest du, dass wir wach sind?“ „Der Arzt hat mich angerufen.“ „Oh. Stimmt.“

Er startet das Radio und das erste was wir hören ist eine Durchsage. Sie warnen, da seit heute Morgen bereits sieben Anschläge verübt worden sind. „Das Cealestum. Es wird euch nichts sagen. Aber es ist eine Mischung aus einer Organisation, einem Kult, einer Gang im Untergrund, einer Clanfamilie und einer Gruppe an Arbeitern. Sie sind alles und sorgen seit Beginn für Chaos. Whelbur war einer ihrer größeren Mitglieder. Und jetzt, wo er tot ist, wollen sie Rache. Palochenjo war ebenfalls einer ihrer Mitglieder. Fast alle Verbrecher unserer Datenbank sind Mitglieder.“

„Das Cealestum? Ich habe den Namen irgendwo mal gehört. Aber das ist lange her“ sagt Iylandra. „Ja. Viele Verbrechen werden automatisch auf sie geschoben. Das ist ein weiterer Grund, weshalb sie wütend sind. In einem gewissen Sinne kann man sie verstehen, aber sie sind trotzdem Verbrecher. Aber zum wichtigen Teil kommen wir erst jetzt. Sie besitzen alle über Erashin. Wenn auch nur in geringen Mengen. Das ist Grund genug, dass das Militär sich nie um sie gekümmert hat. Sie haben einfach keine Chancen. Aber ihr zwei, ihr habt selbst Whelbur besiegt.“

„Wir haben ihn nicht besiegt“ meine ich. „Zenelith hat ihn besiegt. Und Zenelith ist noch immer irgendwo auf der Welt und sucht seine Rache an Jaster. Es ist schwer zu erklären.“ Die Radiodurchsage sagt, dass gerade eben ein weiterer Anschlag verübt wurde.

„Wie auch immer. Ihr seid stark. Jetzt hat das Militär vor, euch dazu zu benutzen, Mitglied nach Mitglied des Cealestums zu töten. Mit Palochenjo habt ihr schon eine gute Arbeit geleistet. Jetzt verstrauen sie euch. Wollt ihr helfen?“

Ich schaue Iylandra an. „Was meinst du?“ „Ja“ sagt sie. „Gut. Wir sind dabei.“ „Sehr gut“ freut sich Vater. „Doch es gibt noch immer eine Sache, die ich euch sagen muss. Ihr werdet mit mehreren Leuten zusammenarbeiten müssen. Mit anderen Kindern, die Erashin nutzen können. Ist das für euch okay?“

„Ja.“ „Ja.“

„Gut. Ich fahre euch erstmal nach Hause, wo ihr euch frischmachen könnt um anschließend in die Schule zu gehen. Heute Mittag erzähle ich euch mehr.“ Und so geht die Fahrt weiter.

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