Devout Mecha Exodus Chapter 14 – Bohrer

Eine Viertelstunde. Eine Viertelstunde, bis sie da ist. Die Eskorte, die die drei Kinder zum Aufenthaltsort der Ambassadors bringen, von wo aus sie den nächsten Apostel bekämpfen werden. Jack ist in der Wohnung nebenan und bereitet sich vor. Himari sitzt am PC und Yoru auf dem blauen Teppich, der vor dem Regal mit dem Fernseher steht.

Er denkt nach und fragt sich, wo der sich Apostel befindet. Unter Wasser? Werden sie schwimmen müssen? Wie kann man mit diesen Maschinen schwimmen? Oder werden die selbst dort runter gehen? Ohne jeglichen Ambs? Oder geht das gar nicht? Ist das verboten? Das viele Nachdenken bringt nichts. Und das weiß er auch. Doch es bringt nichts. Yoru war schon immer so. So lange nachdenken und Selbstgespräche im Kopf führen, bis er eine Antwort hat. Und sei es seine eigene.

Es klopft erneut an der Tür. Der Junge öffnet sie und sieht Jack. „Ich bin bereit. Aber können wir davor noch mal etwas reden?“ „J-Ja, natürlich.“ Er schließt die Türe hinter sich und zu zweit lehnen sie sich am Geländer an. „Du bist ‚Yoru. Yoru Sazuki‘. Richtig?“ „Richtig.“ „Wie geht es dir?“ Sie schauen zu den Klippen, die ans Meer angrenzen. „Gut. Denke ich. Und dir?“ „Etwas gestresst. Aber sonst auch gut.“ „Du kümmerst dich um deine Schwester. Alleine. Nicht wahr? Was ist mit euren… Eltern passiert, wenn ich fragen darf.

„Du kannst ruhig fragen. Ich hab mich mit dem Thema schon lange abgefunden. Meine Mutter hat sich das Leben genommen. Sie wollte nie zwei Kinder. Nur eins. Wir hatten oft Streits, bei denen sie meine Schwester als einen ‚ungewollten Fehler‘ bezeichnet hat. Sie hat sich das bis heute gemerkt. Daher versuche ich ihr alles leichter zu machen und ihr zu zeigen, dass ich und auch viele andere sie wertschätzen. Und mein Vater, der Feigling, ist danach nachts gegangen und kam nie zurück.“

Winde ziehen vorbei. Wieso erzählt er mir das einfach so? Vertraut er mir so sehr? Ist das das, was Freunde machen? Sich private Dinge zu erzählen? „Verstehe. Klingt echt übel. Wann war das?“ „Vor ungefähr 7 bis 8 Jahren.“ Ein weiteres Flugzeug fliegt über ihre Köpfe hinweg. „Und du hast sie die letzten 8 Jahre alleine großgezogen?“ „Habe ich.“ „Das würde echt wenige hinkriegen. Du kannst stolz auf dich sein. Sehr stolz.“ „Danke.“ Er lächelt und sie blicken gemeinsam auf ein Auto herab, welches vor dem Devout-Komplex parkt. Es ist eins von JAEO.

„Sie sollten erst in fünf Minuten hier sein. Aber besser früher als später.“ Yoru öffnet die Tür und gibt Himari bescheid, dass das Auto da ist. „Ich komme sofort!“ Gemeinsam mit Jack fährt er schon mal den Aufzug runter und sie steigen ins Auto ein. „Himari kommt sofort“ sagt Jack zum Fahrer. Etwa zwei Minuten später öffnen sich die Aufzugtüren und sie rennt zum Auto. Als sie alle drinnen sitzen, fährt das Auto los. Erst den Berg quer entlang, und dann in das Innere der Stadt.

All die Hochhäuser. In jedem einzelnen Leben hunderte Menschen. Hunderte Menschen, die alle ihre eigene Geschichte haben. Sei es eine langweilige oder eine Spannende. Die Erde ist mit so viel Geschichte gefüllt. Das ganze Universum ist mit so viel Geschichte gefüllt.

Sie fahren über eine Straße, die an einem anderen Berg entlangführt und halten an dessen Fuße vor einem großen, queren, weißen Gebäude. Eine Art Halle. In ihr die drei Ambassadors. Sie haben keine Hände. „Was wird mit den Händen gemacht?“ „Besondere Geräte, mit denen ihr graben könnt. Zumindest nach meinem Wissen“ sagt der Fahrer. Sie steigen aus und laufen in der Halle herum.

Yoru blickt zu seinem Ambassador. All das Blut, es wurde abgewaschen. Er läuft an ihm vorbei und schaut zu den anderen Ambs. Der hallblau-weiße von Himari, der rot-orangene von Jack. Selbst der weiß-lila-goldene von Tenshi steht hier. Doch er ist der einzige, an welchem nichts geändert wurde. Plötzlich bewegen sich mehrere Kräne. Sie tragen seltsam aussehende Teile an die Hände der Ambs.

Kästen mit Bohrern dran, mit kleinen armen, einem Motor und einer Art Sauger. „Wieso müssen wir graben?“ fragt Yoru einen der Arbeiter. „Der Apostel soll sich in rund 200 Meter Tiefe befinden. Es ist nicht bekannt, wie er dorthin gekommen ist. Aber er ist dort und muss getötet werden.“

Ist es auch dieser Apostel, der das Wasser gesteuert hat? Aber von solch einer Entfernung? Und unterirdisch? Was ist das für ein Apostel? Und wieso muss ich-…

Er atmet tief aus und läuft zu seinem Ambassador. Mit der rechten Hand auf einer der Platten spürt er die Kälte des Eisens. Ein Blick nach oben genügt, um an der Angst zu ersticken… Ein Monster, 40 mal so groß wie man selbst. Wieso hab ich als Mensch das Recht, solch eine Waffe zu steuern? Wieso muss gerade ich Menschenleben retten? Wieso liegt die Last und das Vertrauen von Millionen Menschen auf mir? Das einzige Glück, welches ich habe ist, dass ich weiß, wie man dieses Etwas steuert, da ich in ihm stecke. Bewege ich mein Bein, dann bewegt er sein Bein. Aber wie soll ich mit diesen Maschinen graben?

Er läuft zu einem kleinen Behälter, in welchem mehrere Hefte liegen. Auf ihnen wird der Aufbau der Ambassadors genauer erklärt. Sie haben und können mehr, als Yoru dachte. Scheinwerfer, Nachtsicht, können ihre Körper erhitzen und abkühlen, teils fliegen, haben sogar eine Selbstzerstörung und vieles mehr.

Eine Sirene beginnt zu läuten. Daraufhin spricht eine Stimme: „Alle Piloten in ihre Ambassadors. Sofort!“ Er klettert die Leiter hoch, steigt in den Amb ein und wartet. Wartet darauf, dass es passiert. Und dann kommt es. Ein Stich, durch ihn hindurch. Dann öffnet er die Augen und sieht die Decke. Model J3sR sinkt den Kopf und sieht Model H1M3, welcher vor ihm steht. „Dürfen wir schon laufen?“ „Ja! Aber nur bis zur auf dem Boden markierten Stelle. Nimmt den rechten Ausgang!“

Er läuft vor, durch den rechten Ausgang und sieht 20 Meter entfernt ein Kreis am Boden. Neben diesem drei riesige Kräne. „Legt auch mit dem Bauch auf den Boden. Verstanden?“ „Wieso?“ fragt Himari. „Nicht fragen, einfach machen!“ Erst legt sich Model J3sR, Jester hin, dann Taax, dann Hime. Eine Gruppe an Leuten binden die jeweiligen Beine zusammen und werfen das Seil über drei Vorrichtungen an den Kränen. Plötzlich ziehen diese hoch und die drei Roboter hängen kopfüber an den Seilen.

„Jetzt Hände über’n Kopf und losgraben!“ Yoru streckt seine Arme aus und versucht, seine Finger zu bewegen. Er hört das Geräusch des Motors. „Model Jester macht es absolut richtig. Gute Arbeit!“ ruft einer der Männer. Das Seil wird runtergelassen und er beginnt zu Graben. Die Erde wird vom Bohrer zerstört, von den kleinen Armen aufgewühlt und vom Sauger aufgesammelt und anschließend bei einer enormen Hitze verbrannt, dass es keine Rückstände hinterlässt. Wie Butter gräbt sich Model Jester runter.

Es dauert eine weile, bis Model Taax es so gut wie Jester hinkriegt. Doch Model Hime hat noch Probleme. „Gut. Yoru, du solltest mich gerade hören können.“ „Tue ich“ antwortet er. Die Stimme klingt wie die, des Mannes, welcher ihn vorhin noch nach oben gebracht hat. „Du bist gerade bei der Hälfte. Noch etwa fünf Minuten bis zum Ziel. Wir wissen nicht, was ihr dort unten begegnen werdet. Passt deshalb gut auf euch auf.“ „Verstanden.“

Er bohrt weiter, ohne eine Pause, ohne Komplikationen. Taax ist mittlerweile fast auf der selben höhe, wie Jester. Und Hime auf der ungefähren Hälfte. „Was denkt ihr, was uns dort unten erwarten wird?“ fragt Yoru über Funk Jack und Himari. „Vielleicht ein großer Ball, vielleicht aber auch ein Tier. Das ist das Problem, bei den Aposteln. Sie können jegliche Form haben“ sagt Jack.

Kann der Apostel so das Wasser kontrollieren? Ist er das Wasser selbst? Aber dann wäre etwas am Meer geortet worden, und nicht hier. Plötzlich kommt eine weitere Übertragung. „Yoru, hört du mich?“ Es ist wieder Kano. „Was ist los?“ „Wir konnten endlich die physische Form des Apostels identifizieren. Er ist riesig. Pass auf!“ Der Boden unter ihm bricht zusammen und er fällt in eine ewige Höhle, gefüllt mit Wasser. „AHH!“

„Was ist los?!“ „I-Ich glaub ich bin beim Ziel. Es ist alles voller Wasser. Und so dunkel. Ich aktiviere die Scheinwerfer.“ Zwei Lampen, die aus seinen Schultern kommen, erstrahlen so hell, dass er bis zum Ende der Höhle schauen kann. Doch neben Stalaktiten, die von der Decke hängen, und einer ganzen reihe an Höhlensystemen, sieht er noch etwas anderes. Er dreht seinen Kopf und mit ihm die Lampen um das gesamte Etwas, was dort ist, zu erkennen.

Ein großer, fetter, 100 Meter langer Fisch. Voller reflektierender, farbiger Schuppen. Wie ein Regenbogen. An dem kleinen Kopf mit vier Augen zwei Antennen, die die Bewegungen im Wasser spüren können. Und unter dem Kopf ein eigenes Maul, was groß genug ist, einen ganzen Pottwal zu fressen.

Sofort durchtrennt er das Seil an seinen Füßen mit den Bohrern an seinen Händen und versucht davon zu schwimmen. Doch ohne Erfolg. Er sinkt immer und immer tiefer. „Nutz die Düsen an den Füßen!“ ruft Kano und Yoru erinnert sich. Er konzentriert sich und schafft es. Mit einer guten Geschwindigkeit fliegt er förmlich durch das Wasser. Doch der von den Düsen erzeugter Druck macht noch etwas ganz anderes: Er erzeugt solch einen starken Druck im Wasser, dass der Fisch-Apostel, Napoleon, es unmöglich übersehen kann.

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