„Oh, du bist wach. Wie geht es dir? Kannst du dich an das, was passiert ist, erinnern?“ „Es war.. kalt. Und dann bin ich umgeflogen. Aber davor sah ich einen weißhaarigen Jungen. Ich glaube es war… Tenshi?“ Der Mann im Kimono schüttelt den Kopf. „Tenshi ist nicht hier. Du hast dir irgendwas eingebildet. Vermutlich hat auch das etwas mit deinem bewusstlos werden zu tun. Warte hier. Oder noch besser, komm mit. Die Akten hier dürfen nur von autoritären Personen gelesen und gesehen werden.“
Er läuft los und Yoru folgt ihm. Sie laufen über einen weiteren, dünnen Metallsteg, dieser um einiges kürzer, als der vorherige, und kommen in einem größeren Raum an. An einer Wand ein Stuhl. Vor diesem ein elektrisches Pult. Herum mehrere Tische mit Computern.
Auf dem Stuhl sitzt eine Frau mit grünen Haaren. Sie trägt ein Headset, über welches sie vermutlich mit anderen Personen bei JAEO reden kann. Sie wirkt wie eine wichtige Person. Vielleicht jemand, der viel zu sagen hat. Doch als sie ihn mit einem: „Guten Mittag“ grüßt, erkennt Yoru ihre Stimme wieder. Sie war die, die die Mission geleitet hat.
„Guten Mittag, Misaki. Das ist der Junge. Sollen wir ihn zurück schicken? Jetzt, wo er wach ist.“ „Es wäre das beste. Wurden die Untersuchungen beendet?“ „Nach meinem Wissen schon.“ „Untersuchungen?“ fragt Yoru leise. „Ich erkläre es dir gleich. Also soll ich den Jungen nach oben bringen und ihr gibt Shiro Bescheid?“
Die Frau, Misaki, nickt mit dem Kopf. Der Mann, auf dessen Kimono ‚Kano‘ steht, bringt den Jungen zum Herzen des JAEO HQs, fährt mit ihm über einen A Aufzug weit, weit nach oben und erklärt: „Das war nicht das erste mal, dass du bewusstlos geworden bist. Im Amb ist das selbe passiert. Etwas, was mit keinem bisherigen Piloten geschah. Daher wurden deine Werte getestet. Blut, Herzschlagrate, DNA Aufbau. Die Werte werden morgen an einen bestimmten Ort geschickt, der sie genaustens untersucht und guckt, ob du ein körperliches Problem hast, oder ob es nur am Druck liegt.“
„Verstehe“ sagt Yoru leise. Sie halten und befinden sich eine halbe Minute vom Ausgang entfernt. „Shiro sollte gleich da sein“ meint Kano und fährt zurück nach unten. Yoru, wiederum, geht noch nicht zum Ausgang. Er hat endlich die Chance, mehr zu sehen. Mehr von der Zentrale, von ihren Geheimnissen, mehr von allem. Er läuft in einen Raum, doch plötzlich kommt ihm Shiro entgegen.
„Oh. Da bist du ja. Du bist schon wieder bewusstlos geworden?“ „Ja. Aber es war kalt und… Da war jemand. Glaube ich…“ „Ruh dich am besten einfach aus. Himari sollte noch zu Hause sein. Wenn was ist, frag sie. Ich bring dich kurz zum Devout-Komplex.“ Gemeinsam laufen sie zum Parkplatz und warten, bis ihr Auto da ist. Der Junge stellt sich vor, wie es wäre, wegzurennen, zurück in die Zentrale. Er würde mit einem A Aufzug in die Mitte fahren. Shiro würde versuchen, ihn einzuholen. Doch Yoru ist schneller und fährt davon. Er würde gerufen werden, doch nicht antworten. Oder mit einem: ‚Ich will mich nur umgucken‘. Doch was dann? Er wäre dort, hätte hunderte A Aufzüge, die er nehmen könnte, abertausende Räume, die er erkunden könnte. Wo sollte er anfangen?
Doch die imaginären Szenarios hören auf, als das Auto oben ankommt und sie einsteigen. Yoru schließt die Augen und entspannt sich. Die Fahrt geht los. Über die Straßen, am Horizont die Schule und nach einer viertel- bis halben Stunde am Devout-Komplex. „Von hier weißt du ja alleine weiter. Ich bin gegen 18:05 Uhr wieder zu Hause. Bis nachher.“ „Bis nachher.“ Er läuft zum Fahrstuhl, steigt ein und fährt hoch. Oben angekommen blickt er kurz über die Stadt und geht daraufhin in die Wohnung. Himari ist am PC und Yoru geht in sein Zimmer, wo er etwas aus seiner Hosentasche holt. Eine Akte, die er heimlich von dort unten mitgenommen hat. Eine, welche die Namen und Daten zu allen Engeln haben soll.
Er legt sie hin, breitet sie aus und fängt an zu lesen. Camael ist der Engel des Krieges und der Kämpfe. Er ist muskulös, stark und hinterhältig. Charmeine ist der netteste der notierten Engel und eher schwach. Gabriel der gebildetste und höflichste, doch auch einer der stärksten. Bei Kalkydra ist es, wie bei Charmeine und Gabriel auch, unklar, ob sie wirklich böse ist. Sie ist die bislang einzigst weibliche der notierten Engel. Omebryd ist dafür der seltsamste und für die meisten Angriffe der Engel verantwortlich. Ihn zu töten wäre einer der größten Erfolge. Sahaquiel ist der stärkste. Er ist auch der Anführer mehrerer Engelsgruppen.
Ein letzter Name ist mit einem schwarzen Streifen überdeckt. Yoru versucht ihn abzukratzen und sieht nur den Buchstaben ‚W‘, als plötzlich Shiro in den Raum kommt und die Akten sieht und sie an sich nimmt. „Ich-.. Ich wollte sie morgen wieder zurück geben. Es-…“ „Ich bin nicht sauer. Aber wenn du das nächste Mal etwas lesen willst, tue es vor Ort. Ich will nicht, dass du drei Tage nachdem du beigetreten bist schon wieder fliegst. Okay?“ „O-Okay.“ Er nimmt die Akte und geht.
Yoru sieht Himari, die vom Tisch aus in Yorus Zimmer guckt und schaut, was passiert ist. „Hast du was geklaut?“ fragt sie, als Shiro die Wohnung verlässt. „Indirekt…“ „Hätte ich von dir nicht erwartet. Was hast du geklaut?“ „Nur eine Akte über die Namen der Engel. Und über einigen Daten zu ihnen.“ „Klingt langweilig. Wieso hast du sie mitgenommen?“ fragt das Mädchen. „Ich wollte einfach besser wissen, mit was für Personen wir es zu tun haben. Ich habe noch nie einen richtigen, wichtigen Engel gesehen. Nur die typischen Engel.“
„Ich auch noch nie, so wirklich. Aber womöglich ja bald.“ Sie dreht sich um und arbeitet weiter am PC. Yoru schaut auf die Uhr und bemerkt, dass es erst 14:02 Uhr ist. Er hat nicht wirklich etwas zu tun und will an den Computer, als plötzlich mehrere Explosionen zu hören sind. Er rennt nach draußen und schaut, was es ist. Und zu sehen sind mehrere, komplett eingebrochene Häuser. Um sie herum befindet sich nichts. Doch wie sind sie eingebrochen?
Auch Himari rennt raus und schaut. Plötzlich kommt ein Wasserstrahl aus dem Meer geschossen. Es fliegt direkt auf ein Haus zu, welches nach dem Aufprall ebenfalls komplett einbricht. „Noch ein unerwarteter Apostel?!“ ruft Himari, rennt zum Telefon und ruft bei JAEO an, um ihnen Bescheid zu geben. Sofort fangen die Sirenen an zu läuten und die Schilder werden aktiviert. Aber was ist das für ein Apostel? Er schießt Wasserstrahlen aus dem Meer? Ist er unter Wasser? Oder irgendwo anders, von wo aus er das Wasser steuert? Die Antwort muss JAEO finden. Und das so schnell wie möglich.
„Schilder wurden aktiviert!“ rufen mehrere Menschen zur selben Zeit. Es handelt sich sowohl um die Schilder der Devout-Komplexe und der Zentrale, als auch um die der Stadt. „Wo befindet sich der Apostel?“ „Laut den Sensoren ist er tief unter der Erde. Sehr tief unter der Erde.“ „Wie tief genau? Was sind die Koordinaten?“ „Er ist in S17 G3 124 Meter unterirdisch.“ Kano schaut geschockt. „Wie kann sich etwas so tief unter der Erde befinden?“ „Wir wissen es nicht. Aber er ist dort.“ Sie geben die daten über die Zentrale weiter.
In diesem Moment sitzt Saeo mit einer Gruppe anderer Wissenschaftler und Entwickler in einem Raum und freut sich. Es scheint, als könnten die ersten Grabroboter ihren Nutzen finden. Mitdesignet von Amaroshi und Tokimune, mit der Software von Saeo und ihrem Team. Automatisierte Roboter, die sich sofort zu jedem gewünschten Ziel graben. Gleichzeitig scheint es, als wäre die Zeit für die Grabe- Add-Ons der Ambassador 2.0 und 1.7 Modelle gekommen.
„Verschickt die GAOs und A.G.R.s an die vom Planungsteam ausgewählten Koordinaten. Sofort!“ Alles muss schnell gehen. Und das tut es auch. In weniger als einer Viertelstunde sind die Automatischen Grabroboter an ihrem Ziel und bereit zur Aktivierung. Die Grabe- Add-Ons werden zu einer Station in der Nähe gebracht, wo auch die Ambassadors hingeflogen werden. Sobald die Add-Ons montiert werden, kann es losgehen.
Yoru und Himari wird bescheid gegeben. Jack, mit seiner Schwester gleich neben dein beiden wohnt, klopft an der Tür und fragt, ob sie auch einen Anruf bekommen haben. „Haben wir“ sagt Yoru. „Dann werden wir zum ersten mal gemeinsam als Team vorgehen müssen. Sollte schon klappen.“ In einer halben Stunde sollen sie abgeholt werden. „Dann bis gleich. Ich hab noch was zu erledigen.“ „Bis gleich.“ Jack geht zurück in seine Wohnung und Yoru blickt über das Geländer auf die Stadt. Alle paar Sekunden fliegt ein Wasserstrahl. Wenn das so weitergeht, ist bald die ganze Stadt unter Wasser.
„Um was handelt es sich bei diesem Apostel?“ fragt Ryozuki, der gerade in den raum des Angriffs- und Planungsteams kommt. „Die Form konnte nicht erkannt werden. Er befindet sich zu tief unter der Erde.“ „Wie weit weg?“ „Drei Kilometer weit weg und 124 Meter unter der Erde.“ Er schaut auf einen der Monitore, auf welchem eine 3D Karte der Landschaft zu sehen ist. „Abseits der Stadt also. Wie ist er dorthin gekommen?“ „Das ist nicht bekannt. Wir wissen nichts über diesen Apostel. Er hat nur den Namen ‚Napoleon‘ bekommen. Die Ambassador Piloten werden herausfinden müssen, was dieses Wesen ist.“

