Katoku V.1 Ch.6 – Leafia

„Gehen wir.“ Und Schritt für Schritt nähren wir uns dem Dorf. Wenige schauen verwundert, wegen dem Angriff dieses Ritters – Isagus. Die Meisten interessiert es jedoch gar nicht. Als wäre das kein Einzelfall gewesen.

Wie dem auch sei. Wir müssen uns bestmöglichst unauffällig verhalten.

„Was war das gerade?“ frägt eine weibliche Stimme von der Seite. Wir drehen uns um und sehen ein Mädchen mit blonden Haaren. Sie trägt einen Pferdeschwanz, hat schöne, grüne Augen und trägt braune Kleidung mit vielen, weißen Stoffstücken und Akzenten. Typische Kleidung für diese Welt, wie mir schient.

„Das war nichts. Dieser Typ hielt uns für eine Bedrohung. Aber wir konnten alles klären.“

„Dann ist gut. Erlaubt mir euch durch die Stadt zu führen. Ihr seit nicht von hier, das verrät eure Kleidung. Und es ist meine Aufgabe, neue Leute zu führen.“

„Sehr gerne. Zu aller Erst: Wo sind wir genau? Also wie heißt dieses Dorf?“ frägt Itsuki. „Dieses Dorf? Es ist das Dorf des Großherzogs Alfa Fis. Genau genommen das Hauptdorf von diesem. Jedes Dorf in der nähe ist eines von ihm. Es trägt den Namen Palafo.“

„Und was kann man hier alles tun?“ „Das erkläre ich euch jetzt. Kommt mit!“ Sie läuft voran und wir folgen ihr. Zuerst laufen wir an einem kleinen Laden mit Lebensmitteln vorbei. „Das hier ist die Bäckerei.“ Danach an einem Schmiede. „Das ist die Schmiede. Hier könnt ihr sämtliche Waffen bestellen und reparieren lassen.“ Daraufhin laufen mir an vielen, kleinen Läden vorbei. „Das hier ist die Einkaufsstraße. Hier gibt es alles mögliche zu kaufen. Von Gemüse und Obst bis hin zu Kleidung und einzelnen Körperteilen von Tieren.“

Sie zeigt uns die restlichen Orte des Dorfes. Und am Ende laufen wir an einer gigantischen Festung vorbei, welche schon von weiter Ferne aus über das ganze Dorf empor ragt. „Hier lebt der Baron und seine Ritter.“

„Nur der Baron? Wo lebt seine Frau?“ frage ich. „Sie hat ihn verlassen und ist mit dem besten Ritter des Dorfes durchgebrannt. Seitdem hasst der Baron diesen Ritter. Doch er lässt seine Eifersucht nicht überhand nehmen und behandelt den Ritter noch immer mit Respekt. Viele sagen, dass der Ritter seither das Gefühl hat, er stehe über allen anderen.“

„Wie mir scheint ist dieser Ritter nicht so beliebt, oder?“ „Ist er in der Tat nicht. Damals war er wie ein anderer Mensch. Doch seit wenigen Monaten, seitdem das mit der Frau des Barons war, ist er anders. Isagus hat sich sehr verändert.“

Wir drehen uns um und laufen zurück zum Marktplatz, wo wir das Mädchen auch ursprünglich getroffen haben. „Habt ihr noch irgend welche fragen?“ „Kann man sich hier in der Nähe irgend welche Häuser mieten oder kaufen?“ frage ich sie.

„Könntet ihr. Aber sie sind sehr teuer, da man die Ehre hat so nah am Baron leben zu dürfen. Aber ihr könntet bei mir übernachten. Ich hab ein Gästezimmer.“ „W-Wenn es dir nichts ausmacht…“ Im selben Haus wie ein Mädchen zu übernachten? Holy shit.

Wir laufen gemeinsam zu ihrem Haus. Es ist recht nah am Schloss. Nur eine Minute entfernt, um genau zu sein. Zusammen laufen wir die Treppen hoch und betreten ihre Wohnung.

Sie ist ordentlich. Im Wohnzimmer hängt ein Gemälde von einem Fisch mit dem Aufschrieb ‚Pablona‘, die Möbel sind aus einem eher dunklen Holz und vermehrt stehen Blumen und Pflanzen auf Tisch, Regal und Fensterbank.

„Soll ich euch gleich das Gästezimmer zeigen?“ „Gerne“ antwortet Itsuki. Es ist eher klein. In der Mitte steht ein Doppelbett. Aber es gibt da ein Problem… „Da passen nur zwei rein. Wo soll der dritte schlafen?“ frage ich verwirrt. „Bei mir“ antwortet sie, als wäre es das normalste der Welt.

Du willst einfach eine wildfremde Person mit dir in einem Bett schlafen lassen?“ „Natürlich. Was soll schon passieren? Ihr wirkt wie nette Leute. Euch traue ich nicht zu, mich zu-… Ihr wisst schon.“

Stille.

„Wie auch immer. Macht es euch gemütlich. Ihr könnt hier so lange bleiben, wie ihr möchtet.“ Sie ist gerade dabei das Zimmer zu verlassen, als ich sie im letzten Moment noch frage: „Warte! Ehm.. Wie heißt du?“ „Leafia.“ „Vielen Dank, Leafia.“ Sie lächelt und verlässt das Zimmer.

„Kaum sind wir in einer neuen Welt und schon versuchst du das nächstbeste Mädchen zu kriegen?“ frägt Itsuki ironisch. „Natürlich nicht. Ich will mich nur bedanken.“ „Aber mal ehrlich. Gut aussehen tut die schon“ meint Akihiro.

Unglaublich. Es geht hier um das Schicksal aller Welten. Und ihr denkt über sowas nach? Das wichtigste in diesem Moment ist, dass es den Welten gut geht… Doch ich nehme an, dass wir uns Zeit lassen können. Zenelith hat bislang keinen Zeguni Splitter. Und er weiß sehr wahrscheinlich auch nicht, wo sich der nächste befindet. Nun gut, ihr könnt weiter machen.“ Myerlien ist seltsam.

„Aber mal ernsthaft. Wer soll heute Abend bei ihr schlafen? Und meinte sie wirklich, dass man neben ihr im Bett schläft? Also Schulter an Schulter, unter der selben Decke? Oder in einem Bett neben ihrem?“ Itsuki ist verwirrt. Doch so sind es auch ich und Akihiro.

„Nah. Ich brauch das Mädchen nicht. Ich hab oft mit Mädchen die Nächte verbracht. Aber ihr offensichtlich noch nie. Soll einer von euch beiden bei ihr schlafen.“ Damit stehen also nur noch Itsuki und ich zur Auswahl.

„Ich hab zu sehr Angst etwas falsch zu machen. Hitachi, schlaf du mit ihr!“ „Was willst du falsch machen? Ihr tut so als würde es hier nicht ums Schlafen, sondern um was ganz anderes gehen.“ „Gut, wenn du dir so sicher bist, dass da nicht mehr passieren wird, dann schlaf du mit ihr.“

„Also ist es hiermit entschieden“ sagt Akihiro. „Hitachi schläft mit Leafia!“ „Ihr seid einfach nur seltsam.“

Wir reden noch mehrere Minuten über verschiedenes Zeug, bis ich die Frage stelle: „Wie spät ist es überhaupt?“ „Laut der Uhr dort oben ist es 17:35 Uhr.“ „Da hängt eine Uhr?“ „Ja.“ Und ja, da hängt wirklich eine Uhr.

Akihiro dreht sich zum Fuchs um und sagt: „Myerlien, erzähl uns mehr über all das hier. Wir haben sonst nichts zu tun.“ „Was soll ich euch erzählen, was ich bis jetzt noch nicht gesagt habe?“ „Erzähl einfach irgendwas.“

„Das Erashin zu nutzen fällt Menschen aus der menschlichen Welt, als aus eurer Welt, schwerer, als denen aus den anderen Welten. Man kann quasi sagen, dass ihr die einzigen seid, die diese Kräfte nicht erlernen sollten. Doch wenn ihr sie dann meistert, dann seid ihr stärker als jeder andere Erashin-Nutzer.“

Gut zu wissen. Das heißt, dass unsere Herkunft quasi ein Handicap ist.

Wir reden noch mehrere Minuten, welche mit der Zeit zu Stunden werden. Zwischendurch kommt auch Leafia vorbei. „Hey“ sagt sie. „Hey. Wie geht’s?“ frag ich sie. „Sehr gut. Wie geht es euch?“ „Auch gut.“ „Jo, gut.“ „Gut.“

Und irgendwann war es Zeit um schlafen zu gehen. Sie ist schon vor mehreren Minuten gegangen. Also sind wir noch zu viert im Zimmer.

„Soll ich warten, bis sie kommt?“ „Geh einfach zu ihrem Zimmer, klopf und sag, dass du mit ihr schlafen willst. Easy“ meint Akihiro. „Tue das nicht. Das klingt einfach nur falsch. Klopf am besten und sag ihr, dass du die Nacht mit ihr verbringen möchtest.“

Das klingt nicht viel besser“ sage ich. „Ich finde schon einen Weg.“

Hitachi steht auf, verlässt das Zimmer und geht zu ihrem. Die Tür ist zu, doch hinter ihr wartet Leafia bereits darauf, dass es endlich klopft. Und auch, wenn sie es nicht sagen möchte, ihr wäre es am liebsten, wenn es Hitachi wäre, der die Nacht mit ihr verbringt.

Er klopft an der Tür . Überrascht geht Leafia zu dieser und öffnet sie langsam.

Sie steht vor mir und ich weiß nicht, was ich sagen soll. „Hey-… Ehm.. Also, es gibt ja nur zwei-“ „Gerne. Leg dich zu mir hin“ unterbricht sie ihn.

Hitachi, planlos was er als nächstes tun soll, befolgt ihren Befehl. Er setzt sich auf ihr Bett, sie schließt die Tür und setzt sich neben ihm hin. „Es tut mir leid, dass du keinen anderen Ort zum schlafen hast.“ „Schon gut, schon gut. So schlimm.. ist das gar nicht.“

Sie schaltet das Licht aus und beide legen sich hin. Sie zieht die Decke über ihre Körper und frägt: „Ihr kommt nicht von hier. Oder? Also von dieser Welt. Ihr seid nicht die ersten, welche aus einer anderen Welt kommen. Aber etwas ist seltsam. Es gibt nur zwei Rassen, welche durch Welten reisen können. Elfen und Dämonen. Die Dämonen sind fast ausgestorben. Und Elfen tragen nicht Kleidung, wie ihr sie habt. Was seid ihr also? Und woher kommt ihr?“

„Es ist schwer zu erklären. Auf jeden Fall sind hier und haben eine wichtige Aufgabe. Es klingt seltsam, als wäre ich verrückt, aber es geht um die Sicherheit aller Welten.“ „Ich will euch helfen.“ Sie redeten noch mehrere Minuten. Und die Nacht endete ruhig.

Der nächste Morgen bricht an. Eine Wärme umgibt mich. Was ist das für ein Gefühl? Ich öffne langsam meine Augen und sehe, dass ich ihn ihren Armen umklammert bin. Sie scheint noch zu schlafen.

Doch nur wenige Sekunden später öffnet sie ihre Augen, bemerkt, was sie tut, errötet und lässt mich los.

„Ahh- Es-Es tut mir leid! Du hast mich einfach so sehr an einen alten Freund erinnert! Ahh, Gott. Sorry sorry sorry sorry sorry! Denk nicht seltsam von mir!“ „S-Schon gut.. Du kannst nichts dafür..“ Wir beide erröten.

„Ehm… Sollen wir-.. Oder… Ich-.. Meine Freunde und ich wollten noch das Gebiet um das Schloss erkunden. Willst du mitkommen?“ „Liebend gerne, ja. Und nochmal, es tut mir so leid!“ „Alles gut. Ist ja nicht so, als hättest du was schlimmes gemacht. Es war… schön….“

Doch das hat die ganze Situation noch unangenehmer gemacht.

„Ich glaube wir sollten uns umziehen und die anderen wecken.“ „Denke ich auch.“ Errötet läuft Hitachi in das Zimmer der anderen. Alle schlafen noch. Er zieht sich bereits um und weckt anschließend die Anderen.

„Was ist passiert? Habt ihr-..?“ „Nein. Jetzt hört auf mit der Scheiße und zieht euch an. Wir müssen dieses Ding da finden. Den Splitter.“ Sie ziehen sich um. Währenddessen bin ich bei Leafia und rede noch ein wenig mit ihr.

Ich frage mich, ob wir sie einweihen sollten. Sie könnte uns gut helfen. Aber wiederum wäre es dumm, den Nächstbesten einzuladen. Jedoch wirkt sie nett und schlau. Sie weiß, dass es mehrere Welten gibt. Aber vielleicht möchte sie nicht mitkommen. Und außerdem möchte ich sie nicht aus ihrem Leben werfen und alles für so ein seltsames Abenteuer aufgeben lassen.

Die Anderen sind fertig mit umziehen und kommen zu uns. Gemeinsam laufen wir die Treppen runter und öffnen die Haustür. Doch eine Gruppe von Soldaten kommen gerade auf uns zugelaufen. Zwei von ihnen halten ihre Schwerter bereit.

„Ihr seid im Namen des Barons verhaftet.“

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