„Das war mal unterhaltsam. Vielleicht wird dein Abenteuer noch spannender, als das des anderen Jungen. Guten Tag, Jaster der Name. Doch genau genommen ist es Jaylitz Asterial. Aber nenn‘ mich einfach Jaster. Ist kürzer und klingt besser“ sagt ein ein fliegendes, 60 Zentimeter großes, zweidimensionales lilanes Dreieck mit schwarzem Rand, zwei schwarzen Beinen an der Unterseite, eher mittig gelegen, das Linke vertikal nach unten, dann kurz nach oben rechts, denn wieder kurz runter.
Des Rechte genau spiegelverkehrt. Einem Arm an der unteren linken und einen an der unteren rechten Seite, beide Hände haben jeweils 3 Finger und längliche, dunkelgraue Krallen.
Er hat zwei schwarzen Hörnern, ein blaues Auge mit grüner, senkrechten, ovalen Iris und einen gelben, senkrechten Strich in der Mitte.
Dazu 3 auf dem Kopf stehende, dunkelrote Dreiecke unter dem Auge.
„Wer bist du?“ frage ich. „Wie gesagt. Der Name ist Jaster. Ein mittlerweile eher ungefährlicher, kleiner Geselle. Zu meinen höchsten Zeiten war ich mächtiger als so manch ein Gott. Doch seit dem Tot von Zenelith ging alles den Bach runter. Dieses ganze Ding mit Fähigkeiten existiert nicht mehr. Stattdessen braucht man jetzt so ein ‚Erashin‘-Zeug dafür. Sowas besitze ich nicht. Ich kann nichts mehr tun. Es ist nicht mehr das selbe. Aber lass das mal meine Probleme sein. Wie geht’s, wie steht’s?“
„Ehm… Gut… Du bist das Wesen, welches den J-“ „Darüber reden wir hier nicht. Ich hab den Körper vom Jungen und kontrolliere ihn, ja. Er hat keinen eigenen Willen mehr. Nur dank ihm habe ich das Glück gehabt zu überleben. Er starb vor mir, weshalb ich, kurz bevor ich gestorben wäre, seinen Körper übernehmen konnte. Ich entzog ihm sämtliche Kraft und lebte dann in der Form der Schlange weiter.“
„Wieso eine Schlange?“ frägt Hitachi, ohne jeglichen Lebenswillen. „Ich mag Schlangen. Wie sich schlängeln, schnell und schmerzlos zubeißen, wie majestätisch ihre Haut ausschaut. Es sind einfach gute Tiere. Wie auch immer. Das ist nicht der Punkt. Ich wollte dir einen Vorschlag machen. Dir ist es bestimmt wichtig, diesen Zenelith-Typen zu töten. Mir nämlich auch. Und ich kenne einen Weg, wie es dir um einiges einfacher fallen sollte.“
Sie redeten noch lange weiter.
Der nächste Schultag beginnt und Hitachi schaut noch unausgeschlafener aus, als sonst. „Geht es dir gut? Du schaust müde aus.“ frägt ihn sein neuer Nebensitzer. „Ja. Es war nur.. eine komische Nacht.“
„Vergisst nicht, dass wir in 3 Tagen die erste Arbeit in Chemie schreiben“ erinnert und die Lehrerin und verlässt anschließend den Raum. Die Zeit vergeht und die Pause beginnt. „Sollen wir gehen?“ frage ich Akihiro und Itsuki. „Können wir. Aber geht es dir gut? Du schaust kaputt aus. Fast schon leblos.“
„Alles ist gut. Kommt, gehen wir.“ Wir laufen zurück in den kleinen Lagerraum und springen durch die Kiste hindurch. Kurz davor holen wir Myerlien und Leafia ab, welche vor dem Seiteneingang auf uns warten.
„Was wird mit dieser Welt passieren, wenn wir durch die Kiste in die andere Welt gehen?“ frägt sie. „Wenn alle von der Göttin auserwählte Personen gleichzeitig in einer anderen Welt sind wird die Zeit in dieser hier stehen bleiben. Doch wenn auch nur einer von euch hier bleibt, dann geht die Zeit normal weiter.“
„Woher wissen wir aber, wer auserwählt ist?“ frägt Itsuki. „Ich nehme stark an, dass in dem Moment, in welchem Hitachi bereit ist, jemanden ins Team aufzunehmen, diese Person auserwählt wird.“ Einer nach dem Anderen geht in die Kiste.
Wir wachen wieder unter dem großen Baum auf und Blätter fliegen auf unsere Köpfe. Mehrere Eichhörnchen sitzen auf dem Baum.
„Wir trainieren heute nur, richtig? Und dann geht es morgen endlich weiter? Oder können wir auch später nach einem neuen Ort suchen, welcher eine Brücke bildet?“ frägt Itsuki. Er möchte wohl so schnell wie möglich in eine neue Welt.
„Zuerst wird trainiert. Danach wird gesucht.“ Wir laufen den Weg zur Trainingshalle entlang. Doch aus dem Dorf ist Geschrei und Gejubel zu hören. Wir schauen was passiert und sehen den Baron. Sein Kopf in einer Guillotine. Diese steht auf einer großen Erhebung aus Holz.
Die scharfe Metallklinge fährt hinunter und sein Kopf rollt. Rechts von dieser Erhebung liegt die Leiche von Isagus. Wie passend.
Ich hebe meine Hand in Richtung von Isagus Leiche und spreche Worte, welche mir Jaster gestern sagte. Plötzlich kommt ein Strahl aus Isagus geflogen, direkt in meinen Körper. Mein Erashin sollte nun um einiges höher sein, als vorher. Doch ich muss noch immer wissen, wie ich es richtig nutzen kann.
Myerlien schaut mich an. „Diese Technik, wer hat sie dir beigebracht?“ „Es ist doch egal, woher ich sie habe. Sie hilft uns bei unserer Reise und im Kampf gegen Zenelith.“ Myerlien schaut erbost, doch wechselt seinen Gesichtsausdruck recht schnell wieder zu einem neutraleren und läuft weiter.
Wir kommen an der Halle an und Divosta begrüßt uns. Er wirkt schwach, alt, gebrechlich, doch ist trotz dessen stärker als jeder einzelne von uns. „Drei Mal dürft ihr raten, wer nun auch endlich über dieses Erashin verfügt“ sagt Akihiro stolz.
„Sehr gut gemacht. Ich wusste, dass du nicht lange brauchen würdest. Gut. Dann kann unser Training also beginnen.“ Er trainiert uns weiter. Diesmal geht es darum, wie wir stärkere Angriffe für eine längeren Zeitraum verschießen können, ohne dass uns dabei das Erashin ausgeht.
Während unserem Training schauen Myerlien und Leafia zu.
„Hitachi, du scheinst dich bereits gut gebessert zu haben. Dein Erashin, es hält länger als das der anderen“ lobt mich Divosta während dem Training. „Das hat auch einen guten Grund“ sagt Myerlien. „Er kann Erashin von anderen Leuten klauen. Ich weiß nicht wie, ich weiß auch nicht was die Voraussetzungen dafür sind. Aber es kann uns helfen.“
Eine Kraft, gegeben von Jaster. Ich weiß wenig über ihn. Aber bislang wirkt er wirklich nicht bösartig. Er könnte mir noch eine große Hilfe werden.
Das Training geht knapp eine Stunde. Als wir fertig sind verabschieden wir uns und wollen gerade gehen, als Divosta plötzlich frägt: „Dieses Mädchen, kann sie auch Erashin nutzen? Ich gehe stark davon aus, wenn sonst hättet ihr sie sicherlich nicht mit ins Team genommen.“
„Kann sie“ antwortet Akihiro. „Möchtest du mein nächsten Training mitmachen?“ frägt Divosta sie. „Ich bin nicht wirklich gut im Angreifen. Eher im Heilen und Schützen.“ „Gar kein Problem. Mein Training ist nicht auf das Angreifen spezialisiert. Beim nächsten Mal kann ich dir gerne ein persönliches Training machen. Vielleicht machen auch die anderen mit und lernen noch das ein oder andere übers Heilen.“ „Sehr gerne.“
Wir laufen zurück an die Oberfläche. „Was meint er mit ’nächstes Mal‘? Ich dachte wir gehen in eine neue Welt und fokussieren uns erstmal auf diese?“ frägt Itsuki. „Du möchtest wohl wirklich gerne in eine neue Welt, wie mir scheint“ lacht Myerlien.
„Es ist nur so, dass ich dieses mittelalterliche Zeug nicht so sehr mag. Ich hoffe, dass wir irgendwann in einer futuristischen Welt mit Robotern sind, oder etwas in dieser Richtung.“
„Schon gut, schon gut. Divosta wird uns begleiten. Deshalb sagte er ’nächstes Mal‘.“
Wir laufen langsam zum Dorf um zu schauen, was passiert ist. Schließlich wurde der Baron geköpft. Und begrüßt werden wir mit Jubel und Geld. „Ihr habt den Ritter beseitigt. Nun kann dieses Land in Ruhm weiterleben!“
Denn wie es scheint waren der Baron und Isagus nie fair an die Macht gekommen. Isagus war es, der die Ritter bedrohte und dazu brachte, den Baron an die Macht zu lassen. Doch nun lebt das Land wieder glorreich.
Wir gehen zum Tempel, treten durch das Licht und kommen ein weiteres Mal auf der Bank raus. Die Pause ist erst am beginnen, also haben wir noch eine Stunde Zeit um zu reden oder gegebenenfalls einer neuen Brücke zu suchen.
„Also, was machen wir als nächstes?“ frage ich Myerlien. „Das steht euch zur Wahl. Wir können jetzt suchen, oder nach der Schule.“ „Du weißt, wo sich die nächste Brücke befindet?“ „Ich spüre eine stärkere Energie aus den östlichen Teilen der Stadt. Es könnte jedes Haus sein, aber ich hab das Gefühl, dass es ein großes, auffälliges sein muss. Irgendwie muss sich Zenelith ja merken, wo seine Punkte sind.“
„Der östliche Teil? Da liegt nur…“ beginnt Itsuki, und „..das Museum“ ergänze ich. „Da muss es sein. Es würde nur Sinn machen.“ „Sollen wir hingehen?“ frägt Leafia. „Können wir. Es ist nicht zu weit weg. Genügend Geld sollten wir haben.“
Wir gehen gemeinsam los. Während wir laufen packen wir Myerlien in meine Tasche. Sie müsste klein genug sein, damit ich sie mit ins Museum bringen darf. Am Ticketschalter fällt uns dann etwas auf. Wir haben nicht genug Geld. Wir habe Leafia nicht mit einberechnet.
„3200 Yen pro Person“ sagt der Mann am Schalter. Akihiro und Itsuki kaufen ihre Tickets. „Paare müssen zusammen nur 4500 Zahlen.“ „Ich hätte genau 4900 Yen“ flüstere ich zu ihr. Wenn wir so, tun als wären wir ein Paar, würde es hinhauen. Aber ich will sie zu nichts-
„Ein Paar-Ticket bitte“ sagt Leafia. „Ihr seid auch wirklich ein Paar?“ frägt der Mann. „Ja“ sagt sie stolz und grinsend. Sie dreht sich zu mir um und küsst mich. „Gut. Dann 4500 Yen bitte.“
Ich, geschockt und unauffassungsfähig, gebe dem Mann das Geld. Leafia nimmt meine Hand und läuft vor. Als wir am Mann vorbei sind lässt sie meine Hand wieder los und sagt „Sorry. Das kam ein wenig plötzlich. Aber immerhin hat es funktioniert.“
„Wusste ich doch, dass da was mit euch passiert ist, in dieser Nacht“ sagt Itsuki. „Da ist nichts passiert. Wie oft denn noch. Sei froh, dass wir überhaupt alle hier rein gekommen sind. Jetzt suchen wir erstmal nach der Brücke. Wir haben nicht alle Zeit der Welt.“
Wir suchen im Museum nach auffälligen Orten. Als Leafia wieder plötzlich meine Hand hält. Errötet schaue ich sie an. „Falls der Mann kommen sollte. Wir müssen so tun, als wären wir ein Paar. Sonst werden wir vielleicht wieder rausgeworfen.“
Ich denke nicht, dass das so funktioniert. Aber ich möchte ihr die Illusion nicht nehmen und spiel mit. Die Anderen sind weiter gelaufen. Wir stehen ganz alleine im Gang. „Sollen wir uns einfach alleine umschauen?“ frage ich. „Sehr gerne.“
Wir schauen uns um, doch es gibt wenige wirklich auffällige Orte. „Es muss ein Ort sein, an welchen Zenelith ohne jegliche Probleme kommt. Und ohne viel Aufsehen zu erzeugen. Eine Brücke, welche in wenigen Sekunden und unauffällig überquert werden kann“ überlege ich.
„Sowas wie ein Bild?“ frägt Leafia. „Oh mein Gott, ja!“ Wir schauen uns um, welche Bilder auffällig sind. Die meisten habe ich noch niemals zuvor gesehen. Doch eines wirkt seltsam. Es zeigt ein surreales Gesicht. Seine Züge erinnern mich an das Gesicht von Zenelith. Auch, wenn ich es nur kurz gesehen habe.
„Ich weiß nicht wieso. Aber sollten wir es mit diesem Bild probieren?“ frage ich Leafia. „Ich weiß nicht. Wäre es nicht besser auf die Anderen zu warten?“
„Das wird eh nicht das richtige Bild sein. Versuchen wir es einfach mal.“ Wir legen unsere Hände auf das Gemälde. Nur wenige Augenblicke später erblicken wir den Himmel. Wir liegen nebeneinander auf einem großen Sandhügel.
Langsam richten wir uns auf und erblicken eine unendlich scheinende Wüste. In einer kleinen Senkung liegt ein Dorf, umhüllt von einer Runden, flachen Mauer.
