Ein Schritt auf den blauen Kreis und wir sind zurück auf dem Pausenhof. Dort wo vorhin noch Akari saß ist nun Akihiro. „Wir sind also zurück?“ fragt Itsuki verwirrt. „Ja“ antwortet eine Stimme von unten.
Wir schauen runter und zu sehen ist ein kleiner Fuchs. Nicht viel größer als meine Tasche. „Bist du Myerlien?“ fragt Akihiro. „Ja, und jetzt leise! Für andere klinge ich wie ein normaler Fuchs. Nur ihr könnt mich hören. Es wäre seltsam, wenn Leute euch mit einem Fuchs sprechen sehen.“
„Er hat recht“ sage ich, während ich ihn hochhebe und in meine Tasche packe. „Jetzt sieht dich keiner.“ Er regt sich auf: „Wieso hast du das gemacht?“ „Einen Fuchs auf den Straßen Japans zu sehen ist auch nicht wirklich normal. Und bevor man dich uns wegnimmt und meint, du würdest in den Wald gehören, verstecken wir dich lieber.“ „Oh, das ergibt Sinn.“
Die Luft zieht an uns vorbei, Blätter fliegen übere unsere Köpfe hinweg. Und Sirenen der Polizei sind zu hören. „Was zur Hölle ist das? Fahren die hier rein?“ frage ich. Und ja, die Polizeiautos fahren den Straßenweg zum Hof rein, halten vor dem Haupteingang an und sprechen über ein Funkgerät: „Alle unverzüglich das Gebäude räumen. Ich wiederhole: Unverzüglich das Gebäude räumen!“
Hunderte Schüler kommen aus dem Haupteingang gelaufen und versammeln sich auf dem Hof. Viele schauen ängstlich aus, andere geschockt. „Es wird ein Schüler vermisst. Außerdem wurde eine große Blutpfütze in der Nähe des…“ Er dreht sich zu einem Lehrer um und fragt ihn etwas.
„In der Nähe des Seiteneinganges gefunden. Wir werden sämtliche Taschen und Klassenräume untersuchen.“ Während er seine Rede hält lasse ich Myerlien heimlich raus. Er versteckt sich im Gebüsch.
„Verdammt. Wenn die den Stoff in meiner Tasche finden bin ich am Arsch!“ Akihiro holt eine seltsame Tüte aus seiner Tasche und wirft sie zu Myerlien ins Gebüsch. Anschließend versprüht er Deo in der Tasche. Dass seine Bücher dabei feucht werden ist ihm egal.“
Knapp eine Stunde müssen wir auf dem Hof warten. Das gut ist, dass wir 3 bereits eine Sitzmöglichkeit hatten. Andere mussten die Stunde lang stehen.
„Also sollen wir morgen zur selben Zeit in diese Welt gehen?“ „Genau. Solange ihr in anderen Welten seid wird sich für euch in dieser Welt nichts ändern. Also von der Zeit her. Wenn ihr um 15 Ihr durch die Kiste springt, 5 Tage lang in der anderen Welt bleibt und dann zurück kommt wird es noch immer 15:00 Uhr am selben Tag sein“ erklärt Myerlien, welcher sich noch immer im Gebüsch versteckt. „Ideal.“
Die Durchsuchung ist beendet. Akari konnte nicht gefunden werden. Genauso wenig konnte ein möglicher Tätet gefunden werden. Doch ich bin mir bis jetzt nicht ganz sicher, ob Akihiro frei von sämtlicher Schuld ist.
Wir geben Akihiro unsere Nummern und laden ihn in eine Chat-Gruppe ein, in welcher wir zukünftig genaueres besprechen wollen. Daraufhin geht jeder nach Hause. Ich nehme Myerlien mit, da ich laut ihm der inoffizielle Anführer dieser Gruppe bin und er sich bei mir einfach am sichersten fühlt.
Am Abend bekomme ich eine Nachricht von Itsuki: „Willst du wirklich, dass er dabei ist? Also Akihiro.“ „Wieso nicht?“ antworte ich. „Er will dir nicht mal helfen. Es geht ihm nur darum, so einen komischen Typen zu verprügeln.“ „Myerlien sagte uns, dass Zenelith die Welten zerstören will. Darum geht es uns. Nicht um den Fluch meiner Familie.“ „Wie du meinst. Ich tue was du sagst.“
Der Abend vergeht ruhig und ich lege mich schlafen.
„Sehr… interessant“ höre ich diese Stimme sagen. „Dich trifft ein ähnliches Schicksal, wie ihn.“ Vor mir erscheint die Schlange. Riesen groß. Ihre Augen treffen meine. Ich sehe sie zum ersten Mal im ganzen. Ihre Haut ist lila mit grünen Flecken. Die Augen gelb mit blauen Pupillen. Und ihr Mund voller Zähne.
„Wie wen?“ frage ich sie.
„Wie einem freundlichen Gesellen. Lass mich dir ein Märchen erzählen. Ein Junge – er war nicht viel anders wie du – wachte, mitten aus dem Nichts, in einer neuen Welt auf. Eine Göttin war an seiner Seite. Dazu ein augenscheinliches Familienmitglied und neue Freunde. Sie gingen gemeinsam durch die Welt und wollten einen großen, bösen Mann aufhalten, den Menschen der Welt weh zu tun.“
Er legt eine kurze Pause ein und schlängelt ein Mal um mich herum.
„Dafür mussten sie ganz bestimmte Personen seiner Leute töten. Dadurch sollte sich das Schloss öffnen, welches seine Festung sicherte. Sie zogen los und suchten diese Personen. Der erste den sie fanden war ein sprechender Hund, welcher sich zu einer Bestie verwandeln konnte. Sie töteten ihn, doch das nicht ganz fair. Eine Dämonin half ihnen dabei.“
Er schweigt und denkt nach. Ein Grinsen bildet sich in seinem Gesicht.
„Als sie den ersten töteten blieben sie noch in ihrem ersten Dorf. In einem Wald trafen sie auf einen kleinen Kobold, welcher Witze über alles liebte. Sein Leben… Sein ganzes Leben war ein einziger Witz. Er schloss einen Pakt mit dem Jungen. Doch das sollte schon bald der Untergang des Jungen sein. Ihr Abenteuer ging weiter, zog sie in neue Dörfer. Im zweiten traf er auf einen alten bekannten. Ein großer Kampf entfachte sich. Zumindest würde ich das gerne sagen können. Doch der Kampf war sehr… langweilig und einseitig. Der Junge wurde fertiggemacht. Doch dann half ihm der Kobold. Und er begann seinen größten Fehler. Er sagte zum Jungen er könne keine Menschen töten. Doch in diesem Moment schien alles aussichtslos. Der Junge, den der Kobold so sehr für seinen großen Plan brauchte, ist kurz vor dem Tot. Ihm war also alles egal und er tötete den bösen Jungen, welcher auf den Namen ‚Sen‘ hört. ‚Kasuo‘, also der Junge, welcher in der neuen Welt aufwachte und der die Göttin an seiner Seite hatte, gewann in diesem Moment. Doch ihm fiel nie auf, dass Jaster-… Der Kobold in diesem Moment seinen größten Fehler begann.“
„Der Kobold heißt also Jaster?“ Die Schlange schaut mich wütend an. „Hieß er nicht. Ich habe lediglich etwas verwechselt. Wie dem auch sei. Der Kobold zeigte dem Jungen, dass er doch töten kann. Doch dieser bemerkte es nicht. Später ging ihre Reise in ein weiteres Dorf. Eines am Meer. Ihre Reise dort endete damit, dass sie einen Kult getötet haben. Einen unschuldigen Kult. Das ganze, da ein gewiefter Fuchs sie ausgetrickst hat. Sie beschwörten aus Versehen den Mondgott. Doch dieser überließ Satsujin, dem Gott der Schatten, den Vortritt. Dieser brachte bei dem Versuch die Göttin zu töten den Jungen, ‚Kasuo‘, und seine augenscheinliche Schwester ‚Sui‘ in eine andere Welt. Sie starben. Beide. Doch das ist noch lange nicht das Ende dieser Geschichte, dieses Märchens. Es geht jetzt erst los.“
Ich fühle mich schwummrig. Alles zittert und verblasst, die Schlange löst sich auf. „So ist das also. Dieser alte Fuchs. Wie er möchte. Auf wiedersehen, Hitachi Sazuki. Ich erzähle dir ein Andermal vom Märchen.“
Ich wache auf. Auf mir liegt Myerlien. „Aufwachen! Aufwachen!“ sagt er. „Ich bin wach.“ „Oh guter Gott, danke. Du hast angefangen zu zittern und zu schwitzen. In deinem Schlaf hast du seltsame Namen genannt. Ein Zeichen, dass er mit dir gesprochen hat. Was auch immer diese Schlange zu dir gesagt hat, nimm es nicht ernst. Er ist krank.“
„Werde ich nicht. Aber wer oder was ist er? Das war nicht das erste Mal, dass ich ihn sah.“ Myerlien schaut verwirrt zu Boden. „Es kann gut sein, dass er nur ein Wesen von Zenelith ist. Aber das glaube ich nicht. Es kann sein-… Nein, das kann nicht sein. Er wurde in der finalen Schlacht getötet. Vielleicht ist er-“ Er hört abrupt auf zu reden.
Sein Gesichtsausdruck geschockt. „Ich weiß, wer er ist.“ „Gut. Wer ist er?“ frage ich müde. „Ich darf es dir nicht sagen. Geh wieder schlafen. Morgen beginnt unser Abenteuer, doch zuvor euer Training.“
„Training?“
„Ihr müsst zuerst die spirituelle Kraft beherrschen. Zumindest einen kleinen Teil. Euer Training wird leicht anfangen. Doch im Laufe unserer Reise wird es immer und immer härter. Bis ihr eines Tages mit Göttern zu vergleichen seid. Doch dieser Tag liegt weit in der Zukunft. Sehr, sehr weit. Jetzt musst du erstmal schlafen. Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“
Doch diese Nacht lief für Myerlien nicht gut. Gedanken füllten seinen Kopf ununterbrochen. „Ich kann es ihm nicht sagen. Einerseits, weil ich mir nicht sicher bin. Doch auch, weil er es nicht verkraften würde. Ich muss erst herausfinden, ob es stimmt. Doch diese Schlange… Dieser Geist… Er muss es sein. Der Geist des bislang mächtigsten Sazukis. Yoru Sazuki.“