„Wir müssen das wohl auf die harte Tour machen, wie mir scheint“ sagt der Polizist und holt einen Bohrer aus einem neben ihm stehenden Koffer, in welchem aller Art von Folterwerkzeugen liegen. „Ich bohre dir ein Loch in jeden Finger, wenn du mir nicht die Wahrheit sagst. Also. Warst du es, der-“
Eine Klinge sticht durch die Tür hindurch, als wäre sie Butter. Der Schock reißt Yoru aus dem Halbschlaf. Erst jetzt realisiert er die anderen vier Polizisten, die vor und hinter ihm stehen und die Schellen, die seine Hände am Stohl befestigen. Sie alle schauen geschockt zur Tür. „Wie ist das möglich? Diese Tür ist aus zehn Zentimeter dickem, doppelt geschütztem Prothenographenmetall! Das sollte unmöglich sein. Was für eine Bestie-…“
Die Klinge dringt immer tiefer hervor und mit einem schnellen Schwung, ist ein 30 Zentimeter langer Riss in der Stahltür. Die Polizisten heben ihre Waffen bereit und einer von ihnen wirft eine Bombe gegen die Tür. Sie bleibt an ihr hängen und alle halten sich die Ohren zu. Das letzte, was zu sehen ist, sind die Metallsplitter, die durch den Raum fliegen. Alles ist im Rauch umhüllt. Dann herrscht stille.
Bis, in totalem Schock, einer der Polizisten schreit. Und plötzlich fliegt Blut über Yorus Kopf hinweg, welches auf dem Tisch vor ihm landet. Auch der Boden unter ihm wird immer rötlicher und Blutpfützen breiten sich aus. Doch er kann nichts machen. Nach einer guten, halben Minuten verschwindet der Nebel und eine Klinge kommt zum Vorschein, die kurz vor seinem Hals stoppt.
Die Klinge wird von niemand anderem gehalten, als Zenelith selbst. Gekleidet in einem weinroten Jackett, welches nun blutübergossen zu seien scheint. Er lässt die Klinge verschwinden, zieht das Jackett aus und zum Vorschein kommt sein schwarzer Ledermantel, die hellen Schulterplatten mit den großen, breiten, niedrigen Stacheln und den hellen Symbolen, überdeckt von den Ketten und Schnallen.
Er lacht. „In was für eine missliche Lage du hier nur gelandet bist. Welch ein Dilemma. Nicht wahr, Yoru Sazuki?“ „Was willst du?“ fragt er Zenelith. „Ich habe dich gerettet. Da darfst du doch wohl etwas mehr Dank zeigen. Nun, ich will nicht viel. Ich bin ein simpler Mann, der sich mit den kleinen Dingen zufrieden gibt. Doch… Zwei dinge gibt es, die ich mir wirklich wünschen würde. Deinen Tot und den, von Jaster.“
Er streckt seine rechte Hand seitlich sich aus, erschafft erneut die lange Klinge und schwingt zu. Nur im letzten Moment kriege ich es hin, mit dem Stuhl nach hinten zu fallen und mich mit einem Windstrahl wegzuschießen. Doch ich knalle sofort gegen die Wand und spüre einen Schmerz an meinem Hals und Kopf. Das war keine gute Idee.
Er erschafft Feuer, welches das Metall schmelzen soll, doch stattdessen erleidet er nur starke Schmerzen durch Verbrennungen an den Handgelenken. „Es ist Aussichtslos. Wieso lässt du es nicht einfach geschehen?“ fragt Zenelith und erhebt seine Hand. Als er seinen finalen Angriff starten möchte, denkt Yoru nach. Das Einzige, was in diesem Moment helfen würde, wäre…
Er versucht Wind um seine Handgelenke zu erschaffen. Anfangs leichte, schwache Winde, doch sie werden mit der Zeit immer und immer stärker. Als Zenelith davon mitbekommt, bricht er seinen Angriff ab und versucht, Yoru schnell zu töten, doch es ist zu spät. Dieser breitet die Winde bereits zwischen Handgelenk und Schellen so stark aus, dass sie platzen und er sich nun erfolgreich wegkatapultieren kann.
Er schießt sich zu den Überresten der Metalltüre, rennt einen langen Gang entlang und hofft, dass Zenelith ihn nicht erwischt. Doch dieser steht weit hinter ihm und beginnt, Eisnadeln zu verschießen. Doch nicht eine einzige trifft. Wenige fliegen knapp an ihm vorbei und eine streift fast schon sein Ohr, doch das ist auch schon alles.
Am Ausgang angekommen, versucht Yoru die Türe zu öffnen, doch sie ist verriegelt. „Versuch es erst gar nicht. Die Niederlage wird dir nur noch mehr weh tun, als das, was ich mit dir vorhabe“ meint Zenelith und hält seine fünf Finger der rechten Hand auf Yoru. Die Fingerspitzen beginnen zu glühen und Geschosse kommen aus ihnen geflogen. So schnell wie bei einer Minigun. Yoru bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Sofort erschafft er eine Wand vor sich, schießt mit all seiner Kraft die Tür ein und rennt.
Doch er kann hinter sich schon hören, wie die von ihm erschaffene Wand in sich zusammenbricht. Er rennt die Straßen der dritten Ebene entlang, bis er den Schatten Zeneliths an sich vorbeifliegen sieht und umdreht, doch dort steht er, keine vier Schritte von Yoru entfernt. Er lacht nur und schaut zu, wie Yoru über die Schranke runter springt und sich vorsichtig mit einem Windstrahl rettet. Keiner sollte gesehen haben, dass er Erashin beherrscht.
Dort unten läuft er, sucht sich eine Gasse, in welche er flüchten kann, doch Zenelith hat schon seinen nächsten Plan, hält seine linke Hand mit der Handfläche nach oben geöffnet, macht mit ihr eine kreisförmige Bewegung, in welcher sich eine blaue Kugel bildet, hält seine Hand unter diese und schwingt sie davon, in Yorus Richtung. Im Augenwinkel sieht er diese und denkt sich wenig dabei. Doch als sie aufschlägt, erstrahlt ein unglaublich helles Licht, abertausende Explosionen ertönen, schwarze und rote Blitze fliegen durch die Lüfte und alles in ihrem Radios ist zerstört.
Ein Großteil der Straße von Ebene zwei wurde erwischt, sowie Teile eines Hochhauses, welches langsam beginnt, zu kippen. Zenelith starrt nach oben und sieht, wie es beginnt sich dem Boden zu nähern. „Das war zwar nicht meine Intention, doch ich habe nichts dagegen“ sagt er zu sich selbst und schießt sich mit einem Wind- und anschließend einem Feuerstrahl davon. Yoru sieht nur doch die Silhouette Zeneliths in der Luft, bevor das Hochhaus einbricht und eine gigantische Rauchwolke für die nächsten Stunden das umliegende Gebiet in Dunkelheit stürzt.
„Diese Aufnahme…“ sagt Nanago leise und dreht den Monitor zu den Anderen. Zu sehen ist eine Aufnahme, die 2 Wochen alt ist, um 04:32 Uhr aufgenommen wurde und zeigt, wie eine Frau durch den Raum wandert. Auf einer anderen Kamera, die das Zimmer des CEOs zeigt, sieht man, wie sie ihn mit irgend einer Kraft, vermutlich mit Erashin, kontrolliert und seinen Körper umhüllt. Zurück bleibt eine leere Hülle, welcher sie Leben einhaucht. Anschließend verschwindet sie,
„Aber… Heißt das etwa, dass-… Oh mein Gott.“ „Ja. Yoru ist unschuldig und diese Frau scheint den wahren Mr. Sekatchi entführt zu haben“ sagt Sakamoto und schaut sich die Aufnahmen genauer an. „Diese Frau kommt mir bekannt vor“ flüstert Nanago und Sakamoto schaut sie überrascht an. „Was?“ „Diese Frau, ich habe sie irgendwo mal gesehen. Irgendwann, als ich allein mit Yoru unterwegs war. Sie hat uns.. angegriffen. Aber ich kenne ihren Namen nicht. Er meinte nur mal eines Nachts, dass sie die Anführerin des ehemaligen Hangars 777 war.“
Sie überlegen und versuchen, Stränge zu finden. Doch ohne Erfolg. Bis Pot schnell aufatmet. „Was, wenn das alles gewollt ist? Sie ist die Anführerin von einer Gruppe, welche die Stadt zerstört hat. Sie ist auch ohne große Probleme bis zur obersten Etage einer der sichersten Türme der Stadt gekommen. Die Aufnahme existiert und wurde bestimmt schon ein Mal gesehen. Dazu gab es bislang keine große Bekanntgabe, obwohl das eines der ersten Dinge sein sollte, die gemacht werden. Was, wenn alles nur eine Show war?“
Dieser Gedanke regt sie zum Nachdenken an. Es vergeht eine knappe, halbe Stunde, bis Nanago plötzlich einen Anruf bekommt. Er ist von einer unbekannten Nummer. Sie geht ran und beantwortet kurze Fragen mit „Ja“, „Nein“, „beim Versteck“ und flüstert zu den Anderen: „Es ist Yoru.“
„Wo bist du aber gerade?“ „Es ist schwer zu erklären. Es ist etwas im Hochhaus passiert und dann war ich irgendwie weg. Aufgewacht bin ich in einer Polizeistation und dann… Auf jeden Fall sind dann andere Dinge passiert und ein Hochhaus ist eingestürzt. Jetzt liege ich irgendwo ganz in der Nähe. Ich konnte rechtzeitig den Boden um mich herum verformen und eine Schutzmauer bauen. Ich denke, dass ich in den nächsten 15 Minuten draußen sein sollte. Aber ich weiß nicht genau, wo ich bin. Kannst du den Standort von dem Handy tracken, mit dem ich gerade telefoniere?“
„Kann ich machen. Aber du telefonierst nicht mit deinem Handy?“ „Nein. Es wurde mir abgenommen. Aber ich hab ein zufälliges gefunden und wusste zum Glück deine Nummer noch. Aber kannst du es orten?“ „Natürlich.“ Sie schließt ein Kabel an ihr Handy an, lässt eine Software laufen und sagt dann unerwartet: „Ehm… Du bist… Was zur Hölle…“
„Wo bin ich?“ fragt er. „Du befindest dich süd-östlich vom A2 Bezirk… Der wäre zu Fuß mehrere Tage und mit dem Schiff 18 Stunden weg. Wie bist du so schnell dorthin gekommen… Das ist unmöglich.“ Die Anderen sind genau so verwirrt, wie Nanago und Yoru. „Haben die sowas wie Teleporter?“ fragt Ayanami. „Nein… Vielleicht? Vielleicht im Geheimen… Oder hat Seibutsu-Industries etwas entwickelt, was Menschen wirklich so schnell von einen Ort an den anderen bringen kann? Das könnte wirklich sein“ überlegt Nanago.
„Vielleicht haben die ja schon Syth-Steine und haben diese dafür benutzt?“ vermutet Kasovo. „Für einen richtigen Teleporter bräuchte man diese Steine nicht wirklich. Sie sind für gigantische Werke, für überdimensionale Bauten praktisch. Für einen Teleporter würde eine normale Stromquelle reichen. Aber trotzdem. Wir würden davon wissen, wenn sie sowas hätten. Oder nicht?“
„Warum sollten wir?“ fragt Sakamoto Nanago. „Wenn die sowas hätten, würden sie es geheim halten. Kein normaler Arbeiter würde etwas davon wissen. Du meintest, dass ein Freund von deinem Vater bei Seibutsu Arbeitet. Ja?“ „Ja“ antwortet sie. „Hat er dort einen guten Posten?“ „Er ist der Präsident von einer eigenen Unterfirma von Seibutsu und von einem der südlichen Türme. Er hat daher einen sehr guten Posten.“
„Okay, das ist sehr seltsam. Vielleicht ist es aber doch was ganz anderes? Vielleicht neue, super schnelle Schiffe? Oder…“ „Es ist doch egal, wie es passiert ist“ meint Pot. „Hauptsache wir wissen, dass es ihm gut geht. Ich würde sagen, wir holen ihn ab. Er kann mit der Schnellbahn in den mittleren Bereich von Bezirk E2 fahren. Und wir fliegen-„
Abrupt wirft Nanago das Handy in die Ecke und wirkt in Schock. „Was ist passiert?“ fragt Norya schnell, doch sie antwortet nicht. Und als Norya sich selbst dem Handy nähert, es nimmt und an ihr Ohr hält, weiß sie auch wieso. Schreie. Qualvolle Schreie.