Zorasami・Die Herren des Krieges: Auggerus von Eisdorn – Der eiskalte Baron

Einst, zu einer Zeit, wo ein Krieg herrschte, wo die Sonne vom Mond und die Erde von Asche verdeckt wurde, stand ein Baron auf seinem Balkon. In seiner Hand eine lange, dünne Klinge, auf seinem Kopf eine Krone, um seinen Körper herum ein edles Gewand, von Wein- und Ascheflecken übersät, an einer Wange etwas Blut, an der anderen eine einzelne Träne. Hinter ihm der tote Körper seiner Frau, seine Stadt in Trümmern, sein Volk vor dem totalen Untergang und die Krieger vor seinem Balkon gegen ihn gerichtet. Sie zücken ihre Bögen und schießen los. Doch er zeigt keine Furcht.

Erst vor wenigen Minuten hielt man ihn fest. Vor ihm seine Frau – die Füße schwach – auf ihren Knien, der Kopf gesenkt, als ein Mann in dunkler Robe ihr einen Dolch in den Nacken stach und ihren ausblutenden Körper am Boden liegen lies. Der Baron zeigte keine Trauer. Er wusste, es ist bereits zu spät. Retten kann er sie nicht länger und nun zu heulen, was würde es ihm bringen? Stattdessen griff er nach der nächstbesten Klinge und brachte einen nach dem anderen um.

Die Pfeile fliegen los, da steigt er auf das Geländer und lässt sich fallen. Ein Pfeil trifft ihn an der Schulter, ein anderer durchdringt die Waden. Trotz der enormen Schmerzen landete er auf seinen Füßen, sprintete los und zog in den Kampf. Von seiner schieren Geschwindigkeit waren die Feinde schockiert. So etwas haben sie noch nie zuvor gesehen. Nicht einer von ihnen konnte überleben.

Und so – die Schlacht gewonnen – stand der Baron in einer toten Stadt ohne Volk und voller lebloser Körper. Er selbst der wohl letzte noch lebende weit und breit. Da fiel auch er auf die Knie, riss sich den Pfeil aus der Schulter hinaus, das Blut spritze kraftvoll mit, und er heulte los.

Ein Schicksal, welches schon lange besiegelt wurde. Er weigerte sich dem König von Zorasami zu gehorchen. Dieser wollte höhere Steuern für alle Regionen von Zerqu, er wollte ein Verbot für Tori und Lazar einführen, wollte einen gemeinsamen Angriff auf eine westlich liegende Region von Yohasami starten und dem Osten im Großen und Ganzen zeigen, wie mächtig er und das Reich der Menschen doch sei. Der Baron Auggerus von Eisdorn war die wohl einzige Person zu dieser Zeit im Animura Bündnis, welche gegen solche Machtdemonstrationen war. Ihm war der Zusammenschluss einer friedvollen Welt wichtiger. Seine eigenen Leute nannten ihn einen Narren. Doch er versuchte zu ihnen zu sprechen. „Stellt euch nur einmal vor: Ihr seid ein Desmoria der dort drüben lebt, nur seinen Frieden möchte und-“ „Humbug! Dreck! Lieber wäre ich tot, als mir so etwas vorstellen zu müssen! Das Hirn haben die euch verdreht! Frieden? Mit diesen Spitzohren? Die sind hinterhältiger, als die Dämonen! Und die gefederten, hochnäsigen Diebe lasse ich ebenfalls ganz sicher nicht in mein Land!“

Keiner wollte ihm zuhören und er zog sich in seine Gemächer zurück. Tagein, tagaus. Seine Frau war die wohl einzige, die ihn verstand. Auch ihr lag der Frieden am Herzen. „Das wird schon noch alles gutgehen, vertrau mir!“ waren ihre Worte, „und verzweifle nicht an deiner Angst, denn du bist das ideale Beispiel für eine glorreiche Zukunft!“ Dieselbe Frau, die ihm Mut zusprach, liegt nun tot in einem dreckigen, verwesten Sal, umgeben von sechs ihren ebenfalls toten Mördern in einer Stadt voller Blut. Deadra müsste man sein, dann wäre dieser Ort ein wahres Paradies. Ein Deadra, der nur lebt, um seinen Gottheiten zu dienen. Rassen sind ihm egal. Moralen sind ihm egal. Ein Deadra lebt, isst, dient. Wäre diese Welt nicht doch ein besserer Ort, wenn jeder so wäre? Gegenseitig respektieren sie sich. Sie stehen in einem fast Brüderlichen Verhältnis zueinander und schützen sich. Das ist, was er sich immer sehnlichst wünschte. Eine Welt, die zusammenhält.

Zuerst folgte ein Handelsverbot. Später pattroulierten Soldaten des Königs das Areal rund um die Stadt des Barons – Anorankorto – herum. Jeder, der dort anreisen wollte, wurde weggeschickt und wenn man sich weigerte, wurde man verhaften und oder getötet. Der Stadt ging die Nahrung aus und das Volk protestierte gegen ihren Baron. Nun zieht er seinen hungrigen Körper durch die dreckigen Straßen. Der Himmel blutrot. Er kann nur davon ausgehen, dass die Magier eine Sonnenfinsternis beschworen hatten, um die letzten Verbündeten des Barons zu trüben und im Hinterhalt zu töten. Langsam aber sicher wandert der Mond weiter seine Route entlang und der Baron beißt in das Bein eines gefallenen Soldaten hinein.

Der Magen knurrt, da nimmt er den zweiten Happen und den dritten und dankend schaut er in den Himmel hinauf. Die Tränen häufen sich und er spricht eine Danksagung nach der anderen aus. Denn was bringen ihm Moralen jetzt noch, nachdem eine ganze Stadt kaltblütig ausgelöscht wurde. Den Animura scheinen Moralen ähnlich egal zu sein, wie den Deadra. Moralen waren es, die den Baron an den Ort brachten, wo er nun liegt, am Boden mit Fleisch in seinem Mund, welches ihn sättigt. Langsam erhebt er sich. Seine Augen blutrot. Es kam Dreck hinein, der sie gereizt hatte, der Mund blutverschmiert, die Kleidung schmutzig. Er läuft los, möchte diesen Ort so schnell wie möglich verlassen und läuft in Richtung der eiskalten Berge. Doch nicht, um dort nach Verbündeten oder nach Rettern zu suchen. Das ganze hat einen völlig anderen Grund.

Durch die Berge hindurch. Hinter ihnen, dort will er hingelangen. Und er läuft und läuft, merkt schnell, er hätte noch viel mehr essen sollen, denn erneut glaubt er, der Schwindel überkommt ihn, doch er läuft weiter und immer weiter, die flachen Berge hinauf, wo das Klima langsam aber sicher umschwingt, immer höher, wo Schnee fällt, immer weiter. Selbst für die Wölfe ist er nur eine unwichtige Gestalt, die an ihnen vorbeiirrt. Seine langen, im Schnee grauerscheinenden, dünnen Haare weht es zurück und die Tränen frieren an seiner Haut fest. Er muss weiter, immer weiter, die einzige Stadt warnen, die ihn in diesem Kampf unterstützen wollte, läuft immer weiter geradeaus, einen steilen Hügel hinauf, hunderte Meter in die Höhe, als er an einer kalten Klippe ankommt und von ganz dort oben bis zur nächsten Stadt blickt, die bereits in Flammen steht. Weitere tausende unschuldige Menschen mussten ihr Leben lassen. Und ohne jegliche Hoffnung blieb sein Körper regungslos in derselben Position – auf den Knien mit der Klinge im Boden, um sich zu stützen – im Schnee stehen und fror langsam aber sicher fest.

Ein Gedanke zu „Zorasami・Die Herren des Krieges: Auggerus von Eisdorn – Der eiskalte Baron

Hinterlasse einen Kommentar