Brief über einen Minotaurus

Von: Einem unbekannten Bauern


Geliebte Sariel,
ich vermisse dich noch immer sehr. Doch in Kürze sollten wir uns wiedersehen.

Meine Schwester erzählte mir von einer besonderen Begegnung. Sie kämpfe fürs Land, zog in die letzte Schlacht und am nur knapp lebend davon. Stark verwundet, doch Gliedmaßen verlor sie keine. Die Blutspur stark sichtbar. Hätte man nach ihr gesucht, dann hätte man sie gefunden. So ihre Worte. Sie sagte, sie verlor beinahe das Bewusstsein und legte sich auf einem umgeflogenen Baumstamm nieder, da hörte sie Schritte und aus den Blättern kam ein gehörnter Mann mit dem Unterleib eines Bullen hervor. Ein Minotaurus. Er soll nur einfache Stoffkleidung getragen haben, die den halben Körper verdeckt hat. Es war das erste Mal, dass sie einen solchen sah und er sprach etwas zu ihr, wie:

„Eine verletzte Dame darf man nicht einfach so zurücklassen.“

Somit trug er sie fort. Sie fragte, wo sie hingehen würden und er meinte, er bringt sie zu seinem Stamm. Dann gingen sie immer tiefer in den Wald. Sie verriet mir, sie dachte, er würde sich an ihr vergehen. Doch tatsächlich liefen sie durch ein Tor und kamen in einer Stadt an, welche sie so noch nie sah. Die großen Bäume wurden teils als Häuser verwendet. Andere Häuser bestanden vollständig aus Gestein mit schönen Verzierungen wie Pfeilern, Bögen und bemalten Fenstern. Sie wurde zu einem besonders alten Minotaurus gebracht, der schon einen langen, grauen Bart hatte und anschließend verpflegt. Man trug eine Art salbe auf die Wunden auf. Sie war grün und roch stark nach Blättern und Kräutern. Man hielt sie eine Nacht lang dort und in der Früh des nächsten Morgens kam ihr Retter zurück und fragte sie, wo sie leben würde. Und als sie ihm geantwortet hat, brachte er sie dorthin zurück. Und das erste, was sie tat, war, mir davon zu berichten. Das war heute Mittag. Doch dich erreicht dieser Brief erst später. Wann das wohl sein wird?

Dein Geliebter.

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